Als junge Sportlerin hat Mali Ristov schon erstaunlich viel erlebt. Die Moerser Schülerin startete in diesem Jahr erfolgreich bei den World Cups in Thailand, der Türkei, Italien und Ungarn. Dazu trat Mali Ristov jüngst bei einer Weltmeisterschaft in Jesolo/Italien an. Rund 3000 Teilnehmer aus 74 Nationen waren dabei. In der Halle lärmten bisweilen rund 8000 Zuschauer. Eine echte Herausforderung. Und gleichzeitig die maximale Bühne für eine Randsportart. Erst recht, wenn man, wie Mali Ristov, gerade einmal 13 Jahre alt ist. Die Achtklässlerin des Moerser Adolfinum-Gymnasium ist Kickboxerin. Und in ihrer Sportart und Altersklasse zweifelsohne ein Ass. Bei der WM jüngst holte Ristov in der Kategorie Point Fighting die Bronzemedaille und scheiterte nur an der späteren Weltmeisterin. Dies als 13-Jährige in einer U16-Konkurrenz, wo die Gegnerinnen locker zwei Jahre älter und erfahrener sind.

Mali Ristov ist U13-Vize-Europameisterin im Point Fighting

Kickboxen ist für Mali Ristov eine leistungsorientierte Leidenschaft. Mit der aus Japan stammenden Sportart, bei der mit Boxschlägen und Fußtritten gegen einen Gegner verschieden wertvolle Punkte gesammelt werden und ähnlich taktiert wird wie im Fechten, ging es schon ganz früh los. „Ich war vier Jahre alt, da haben mich meine Eltern zu einem Kurs angemeldet, damit ich mich mal verteidigen kann“, erinnert sich die U13-Vize-Europameisterin von 2025. Andere Sportarten wie etwa Reiten oder Schwimmen liefen eine Zeit lang parallel. Kickboxen blieb.

Die Moerser Kickboxerin Mali Ristov kämpft hier in Thailand im Leichtkontakt-Halbfinale
Die Moerser Kickboxerin Mali Ristov (blauer Kopfschutz) kämpft hier in Thailand im Leichtkontakt-Halbfinale.© Stefanie Ristov | Stefanie Ristov

„Der Reiz des Zweikampfes ist es, schneller als der Gegner zu sein“, betont die Schülerin. Vier- bis sechsmal Training pro Woche in der Moerser Kampfkunstschule Lopez über bis zu zweieinhalb Stunden haben die Kickboxerin bis in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft gebracht. Vorteil: Der Bundesfachverband WAKO Deutschland, als einziger Kickboxverband des Landes vom DOSB anerkannt, finanziert die Reisen zu World-Cup-Turnieren sowie zur WM und EM. Flüge und Hotelkosten werden in der Regel übernommen.

Tolle Erfahrung beim World Cup in Bangkok/Thailand

Elterliche Hilfe gibt es für Mali Ristov natürlich trotzdem. In der Regel begleitet Mama Stefanie Ristov ihre Tochter zu den Kämpfen. Gerade der Thailand-Start vor einigen Wochen entpuppte sich als großes Erlebnis. „Es war toll, Kickboxen mal in einem Land zu erleben, wo der Sport einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland. Man lernt immer auch andere Kämpferinnen kennen, dazu andere Rituale vor den Kämpfen“, berichtet Mali Ristov von einer spannenden Erfahrung.

Ein Moment zum genießen: Mali Ristov aus Moers freut sich am Strand von Jesolo über ihre Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft im Kickboxen.
Ein Moment zum genießen: Mali Ristov aus Moers freut sich am Strand von Jesolo über ihre Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft im Kickboxen.© Stefanie Ristov | Stefanie Ristov

Im Grundsatz ist Kickboxen eine faire und nicht wirklich gefährliche Sache. Es geht um Treffer gegen einen Gegner mit Handschuhen und Füßen, die Punkte einbringen für den Sieg - und nicht darum, den Kontrahenten ins Reich der Träume zu schicken. Das führt bei Absicht zur Disqualifikation. Dazu gibt es verbotene Angriffszonen beim Gegner, wie etwa der Kehlkopf. Oder verbotene Techniken wie etwa Ellebogen- oder Kniestöße. Die Kämpfer sind recht gut ausgerüstet. Es gibt einen Kopfschutz, Polster für die Ellenbogen, zudem Boxhandschuhe. Schienbeinschoner sowie Fußschoner, die Füße und Zehen bedecken.

Wenn es hoch kommt, dann habe ich vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr keine Lust auf Training - und gehe dann doch hin.

Mali Ristov,, 13-jährige WM-Dritte im Kickboxen aus Moers, über ihre Motivation

„Sicherheit für die Kämpfer ist wichtig. Das wird vor jedem Kampf streng kontrolliert. Da geht es um Schmuck, der nicht getragen werden darf. Darum, dass die Haare richtig unter dem Kopfschutz sitzen und nicht behindern. Oder auch darum, dass die Fußnägel kurz genug geschnitten sind“, schildert Stefanie Ristov. Die notwendige Kampfvorbereitung hat Tochter Mali mittlerweile gut im Griff. Und Motivation ist eh kaum ein Thema bei der 13-Jährigen: „Wenn es hoch kommt, dann habe ich vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr keine Lust auf Training - und gehe dann doch hin.“

Mali Ristov setzt sich bei der WM im Leichtkontakt auch gegen eine Brasilianierin durch.
Kickboxerin Mali Ristov (roter Kopfschutz) aus Moers musste bei der WM im Leichtkontakt für Deutschland auch gegen Brasilien ran.© WAKO Deutschland | WAKO Deutschland

Verletzungen sind bisher die Ausnahme. Einmal gab es einen Daumenbruch. Eine unglückliche Trainingsverletzung. Auch eine blutige Nase kommt vor. Wenn mal ein gegnerischer Boxhandschuh bis zum Gesicht vordringt. Vorbilder auf der Matte hat Mali Ristov natürlich auch. Bailey Murphy etwa, den 25-jährigen US-Amerikaner. Oder die 30-jährige Steffi Megerle aus dem Team Deutschland, bei den World Games 2025 in Chengdu Silbergewinnerin in der Hauptklasse. „Die gucke ich mir im Netz oder auch mal live an, um mir davon etwas abzuschauen“, bekräftigt Mali Ristov. Die 19-jährige Theresa Pekrul ist im Team Deutschland als amtierende Europameisterin im Leichtkontakt für Mali bei Turnieren eine große Unterstützung.

Klavierspielen als motorischer Ausgleich zum anspruchsvollen Kickboxen

Aktuell ist für die dreimalige Deutsche Meisterin aber eine kleine zweiwöchige Verschnaufpause angesagt. Verschrieben von Mama Stefanie Ristov. Ohnehin gibt es Abwechslung vom schweißtreibenden Kampfsport, der Fitness, Beweglichkeit und auch taktisches Geschick auf der Matte vereint. Mali Ristov übt einmal die Woche an der Moerser Musikschule am Klavier. Eine schöner Ausgleich für die Körpermotorik. Und für den Kopf. „Das eine oder andere Stück kann ich schon spielen“, versichert die Moerserin.

Wenn das Kickbox-Training wieder aufgenommen ist, dann stehen im neuen Jahr auch wieder Turniere auf dem Programm. Beim World Cup will Mali wieder dabei sein. Und natürlich auch bei der Europameisterschaft mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft. Wofür sich die Moerserin aber noch qualifizieren muss.