34:35 (13:16)! Klingt zunächst nach einem spannenden, rassigen Zweitliga-Match. War es aber nicht. Das knappe Ergebnis täuscht über den wahren und über lange Zeit einseitigen Spielverlauf gegen den SV Werder Bremen hinweg. Oder anders ausgedrückt: Die Handballerinnen des TuS Lintfort kommen einfach nicht in die Spur, warten auch nach dem vierten Spieltag auf etwas Zählbares. Dem Team um Trainerin Bettina Grenz-Klein fehlt es nach wie vor an nötiger Konstanz. Gute Momente, gute Ansätze werden viel zu oft und viel zu schnell von schwachen Aktionen abgelöst. Und genau dieses Auf und Ab sorgt dann dafür, weshalb die Klosterstädterinnen schon wieder im Tabellenkeller festsitzen.

Der TuS Lintfort sitzt punktlos im Tabellenkeller fest

Die über weite Strecken an Höhepunkten rare Heimpartie gegen Bremen erwies sich als ein Rückschritt in alte, schlimme Muster. Die Gäste von der Weser führten in der 56. Minute schon mit 35:28, stellten aber aus unerklärlichen Gründen bereits vier Minuten vor dem eigentlichen Abpfiff das Handballspielen ein. Bremen spielte zwar mit dem Feuer, ohne sich jedoch zu verbrennen. Lintfort kam sechs Sekunden vor den Schlusssirene nochmals in Ballbesitz, kam aber nicht mehr zum Abschluss. So durfte nur der SV Werder im „Duell der bisher Enttäuschten“ jubeln.

2. HB-Bundesliga: TuS Lintfort - Werder Bremen
Ihr unterliefen zu viele Fehler: TuS Lintforts Linkshänderin Insa Weisz (mit Ball), hier im Zweikampf mit Bremens Luise Albert.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Lintfort zeigte in Durchgang eins eine ordentliche Präsenz. In der Deckungsarbeit steckte viel Energie, auch die Laufbereitschaft war in Ordnung. Hatte die Defensive mal das Nachsehen, so war Torfrau Senanur Gün zur Stelle. Schaut man jedoch auf den Angriff, so bleibt immer ein mulmiges Gefühl zurück. Die TuS-Offensive ist und bleibt eine ganz schmale Gratwanderung. Manchmal passen die Abläufe perfekt, manchmal sind die Abschlüsse konsequent. Aber genau so oft sind die Aktionen auch zum Haareraufen. Dann klappen die einfachsten Sachen nicht mehr. Spielerinnen patzen regelmäßig im technisch-taktischen Bereich, bekommen simple Pässe nicht mehr hin. Folge: leichte Ballverluste.

Das Aufbäumen meiner Spielerinnen in der Schlussphase ist gut für die Moral.

Bettina Grenz-Klein, Trainerin des Handball-Zweitligisten TuS Lintfort

Der TuS Lintfort wandert in der Offensive auf einem ganz schmalen Grat

Für den TuS Lintfort erwies sich der Einstieg in Hälfte zwei als äußerst schwierig. Das Team kam im Tiefschlaf zurück aus der Kabine. Es klappte nichts mehr. Auch der Weckruf von Trainerin Bettina Grenz-Klein in Form einer Auszeit verfehlte seine Wirkung. Bremen sorgte in nur wenigen Minuten für die Vorentscheidung, enteilte zielstrebig auf 24:16 (37.). Lintfort war düpiert und fand auch kein Mittel, um sich aus dieser misslichen Situation zu befreien. „Wir haben keine zwingenden Aktionen im Angriff mehr hinbekommen“, bemängelte Bettina Grenz-Klein und fügt hinzu: „Wir waren hilflos.“

2. HB-Bundesliga: TuS Lintfort - Werder Bremen
TuS Lintforts Rechtsaußen Jana Miller (mit Ball), hier im Zweikampf mit Bremens Farina Meyer.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Die Werder-Defensive hatte die ängstlich agierenden TuS-Spielerinnen sicher im Griff. Der Gast stand hinten kompakt und nahm die viele „Geschenke“ seines Kontrahenten dankend an, kam zu einfachen Gegenstoßtoren oder brauchte nur einen Pass, um die schlecht sortierte Deckung aus den Angeln zu heben. Auch die Rückzugsphase des TuS Lintfort war alles andere als gut. Eine Spielerin, die man von der Kritik jedoch ausnehmen muss, heißt Jule Bachen. Die flinke Linksaußen lieferte eine tadellose Vorstellung ab, warf satte zehn Tore von ihrer Position. Dabei gab es noch einen Schreckmoment in der 22. Minute zu überstehen, als der Neuzugang mit einer Fußverletzung humpelt das Feld verließ. Jule Bachen konnte nach dem Seitenwechsel aber zum Glück wieder mitwirken. Wie erwartet fehlte Luisa Bauder wegen ihrer Schulterverletzung – ein schmerzlicher Verlust für die TuS-Offensive.

Kamp-Lintfort: 2. Handball-Bundesliga: TuS Lintfort – HSV Solingen Gräfrath
Musste den schwachen Auftritt ihrer Mannschaft mit ansehen: Trainerin Bettina Grenz-Klein.© FUNKE Foto Services | Karl Banski

„Die Niederlage geht in Ordnung“, so Bettina Grenz-Klein: „Das Aufbäumen meiner Spielerinnen in der Schlussphase ist jedoch gut für die Moral.“ Nach einer dreiwöchigen Pokal- und Länderspielpause geht es für den TuS erst am 10. Oktober mit dem Auswärtsspiel beim HC Rödertal weiter.

TuS Lintfort: Katarina Longo, Senanur Gün, Laura Graef – Jana Miller 3, Insa Weisz 2, Jule Bachen 10, Jana Willing 4, Jamila Bouba 1, Tine Hinz 1, Yara Vlaswinkel 2, Leni Gerland, Svenja Rottwinkel 7/2, Eva Manthei 4.