Der SV Neukirchen jubelt, feiert und genießt: Die Verbandsliga-Handballer haben es im Lokalderby vor heimischer Kulisse gegen einen mal wieder völlig desolaten TV Kapellen so richtig krachen lassen. Die Truppe um Trainer Björn Baar zeigte viel Lust und Laune, musste die Trikots aber noch nicht mal richtig durchschwitzen, um die schon seit Wochen formschwachen Gäste mit 37:19 (20:10) zum einen zu blamieren und zum anderen komplett auseinanderzupflücken.
SV Neukirchen dominiert das Lokalderby, ohne jedoch an seine Grenzen zu gehen
Es entwickelte sich von der ersten Minute an ein „Einbahnstraßen-Derby“. Neukirchen übernahm sofort das Kommando, erbrachte die nötige Energie in der Defensive und hatte in der Offensive richtig Spaß am Tore werfen. Aber den Blau-Gelben wurde es auch nicht sonderlich schwer gemacht. Ein Pass, eine Körpertäuschung oder einfach nur mit Tempo auf die gegnerische Deckung zulaufen: Das hat völlig ausgereicht, um einen nahezu körperlos agierenden TVK-Deckungsverband bloß zu stellen. Kapellen leidet zur Zeit sicherlich an großem Verletzungspech. Aber die Spieler, die auf der „Platte“ standen, zeigten auch wenig Lust, sich überhaupt anzustrengen. Was für Verbandsliga-Verhältnisse dann natürlich auch nicht ausreichend ist.

Immerhin standen mit Nils Deinert und Henrik Bullermann zwei anerkannte Deckungsstrategen im Kader. Und auch das Erscheinungsbild in der Offensive war grausig. Keine Struktur, kein Tempo, keine Durchschlagskraft. Aber dem SV Neukirchen war der desolate Zustand seines alten Verbandsliga-Rivalen auch völlig egal. „Ich kann meine Jungs nur in den höchsten Tönen loben“, freute sich SVN-Coach Björn Baar nach dem Schlusspfiff. „Wir hatten Spaß und die Stimmung war hervorragend – und ein Lokalderby mit 18 Toren Unterschied zu gewinnen, das ist auch nicht so schlecht.“

Natürlich kam nach dem Seitenwechsel nie mehr so etwas wie Spannung oder Dramatik auf. Neukirchen zog in bekannt lustvoller Manier seinen Streifen durch und genoss jede Minute des Derbys. Kapellen hingegegen hatte nichts mehr zuzusetzen. Zu allem Übel fiel TVK-Rückraumspieler Daniel Brettschneider mit einer Knieverletzung noch aus. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass sich die Jungs, die heute da waren, mehr eingebracht hätten“, erklärte ein enttäuschter TVK-Coach Martin Gräfen nach der neuerlichen Demontage wortkarg: „Einzig Torwart Niklas Köllges hat Normalform gezeigt.“
Ich hätte mir schon gewünscht, dass sich die Jungs, die heute da waren, mehr eingebracht hätten.
Martin Gräfen, Trainer des Handball-Verbandsligisten TV Kapellen
SVN: Bartnik 11, Böckel 8, Bryja 7, Feltgen 3, Drymalla 3, Toschki 3, M. von Zabiensky 1, von Twickel 1.
TVK: Hericks 6/1, Tischer 4, Brettschneider 3, Kohn 2, Deinert 2, Lenz 1, Bullermann 1.
Zwei weitere Spiele in der Handball-Verbandsliga
TV Schwafheim - TB Oberhausen 32:33 (17:15). Schwafheim stand ganz kurz vor einer Riesenüberraschung. Das Team von Trainer Peter Wiedemann kämpfte gegen den Top-Favoriten aus Oberhausen über die gesamten 60 Minuten aufopferungsvoll. Es entwickelte sich ein absolutes Spitzenspiel. Und es waren am Ende nur Kleinigkeiten, die zu Gunsten der favorisierten Gäste entschieden. Schwafheim begann mit einer 4:2-Deckung, war Oberhausen stets ein Gegner auf Augenhöhe. Die Gäste warfen praktisch erst mit Schlusspfiff den Siegtreffer. „Das Ergebnis ist bitter“, befand TVS-Trainer Peter Wiedemann nach der knappen Niederlage: „Aber es war eines unserer besten Spiele. Wir sind das hohe Tempo der Gäste mitgegangen.“
TVS: Linden 12/4, Wiedemann 8, Hofmeister 6, Mehlich 3, Krause 1, Prchala 1, Schmidt 1.
RW Oberhausen - TV Issum 34:22 (20:12). Issum musste gegen Topfavorit RWO schnell abreißen lassen, trotz einer Manndeckung gegen den ehemaligen Bundesliga-Handballer Felix Handschke. „Wir haben nach dem Seitenwechsel vieles besser gemacht und endlich zugepackt. Aber Oberhausen ist eine Klasse besser als wir“, gestand TVI-Coach Christian Ginters.
TVI: Leenings 8/6, Hagmans 3, Teuwsen 2, Ernst 2, Sakulenski 2, van Stephaudt 1, Schmetter 1, Zell 1, Scheffers 1, Reichel 1.


