Der Schlusspfiff war schon eine ganze Weile verstummt, da legte sich erst so ganz allmählich die Anspannung. Selten zuvor waren die Heimspiele des TuS Lintfort für Mannschaft und Fans so emotional, so intensiv, so fordernd. Die Zweitliga-Handballerinnen um ihre Trainerin Bettina Grenz-Klein zeigten am Sonntagnachmittag ihr bestes Saisonspiel, präsentierten sich als eine homogene Einheit und waren nur einen Wimpernschlag von einer großen Überraschung entfernt. Der TuS Lintfort brachte mit einer übergeordneten Kampfkraft den haushohen Favoriten Bergischer HC an den Rande der Niederlage. Doch am Ende reichte es aus TuS-Sicht nicht ganz. Das 24:24 (11:10) vor nahezu 400 Zuschauern ist allerdings als ein positives Zeichen zu werten, denn Lintfort kassierte bekanntlich zuvor acht Niederlagen in Serie. Ulrich Klein, Manager des TuS, bestätigte nach dem Abpfiff, es sei „fix“, dass nach Beendigung der Saison 2025/26 nur zwei Absteiger in die 3. Liga runter müssen.

Nun ist es fix: Nach der Saison 2025/26 steigen aus der 2. Bundesliga „nur“ zwei Vereine ab

Die Spielerinnen des TuS Lintfort konnten von Beginn an den nötigen Spannungsbogen aufbauen. Insbesondere den Auftritt in der Defensive gilt es zu loben. Die offensive 6:0-Formation zeigte ziemlich schnell Wirkung. Im Zentrum standen Jana Willing und Yara Vlaswinkel „ihre Frau“. Auch auf den Halbpositionen wurde aufopferungsvoll gearbeitet, wie beispielsweise von Nathalie Corsten. Die Mannschaft ging ihre Gegenspielerinnen beherzt an – der Bergische Rückraum hatte massive Schwierigkeiten, seine gefürchteten Würfe um Top-Shooterin Svenja Mann zu entfalten. Den Gästen unterliefen viele, ungewohnte „Stockfehler“ oder die Abschlüsse fanden nicht den Weg in die TuS-Maschen. Dafür sorgte für einen Großteil dann Anita Polackova. Die junge Tschechin wusste mehrmals mit sehenswerten Paraden zu gefallen.

Kamp-Lintfort: 2. Handball-Bundesliga, Frauen: TuS Lintfort – Bergischer HC
Femke Kleijkers (mit Ball) brachte nach ihrer Einwechslung viel Schwung in die TuS Offensive.© FUNKE Foto Services | Karl Banski

Das Lintforter Selbstvertrauen wuchs, auch wenn das Team für seine eigenen Tore richtig hart arbeiten musste. Schön anzusehen waren etliche tolle Anspiele der neuen Niederländerin Femke Kleijkers auf Jana Willing. Die TuS-Kreisläuferin konnte oftmals nur durch ein Foul gebremst werden. Lintfort hatte zum Glück eine Top-Siebenmeterwerferin am Start. Svenja Rottwinkel verwandelte jedes Mal eiskalt vom Strich.

Svenja Rottwinkel verwandelte jeden Siebenmeter eiskalt

Und Lintfort legte nach dem Seitenwechsel sogar noch nach. Die Mannschaft konnte sich weiterhin auf ihre erstklassige Deckungsarbeit verlassen. Dazu lieferte auch Torfrau Anita Polackova weiter ab. Die 22-Jährige war zur Stelle, als die Not am größten war. Die Partie legte in der Schlussviertelstunde nochmals an Intensität und Emotionalität zu. Der TuS Lintfort war am Drücker, machte in dieser Phase vieles richtig. Die Mannschaft agierte wie entfesselt und führte schon mit 21:17 (52.) und 23:19 (54). Aber der Bergische HC schlug gnadenlos zurück. Der kriselnde Favorit nahm für die letzten Minuten die erfahrende TuS-Spielerin Svenja Rottwinkel „kurz“ und brachte mit dieser Maßnahme den TuS Lintfort massiv ins Schwimmen. Die Hausherrinnen büßten schnell den zuvor hart erarbeiteten Vorsprung wieder ein und kassierten zehn Sekunden vor dem Abpfiff sogar noch der 24:24-Ausgleich.

Kamp-Lintfort: 2. Handball-Bundesliga, Frauen: TuS Lintfort – Bergischer HC
Am Sonntag gegen den BHC ein Fels in der Deckung des TuS Lintfort: Kreisläuferin Jana Willing (links). © FUNKE Foto Services | Karl Banski

Auch Bettina Grenz-Klein musste sich nach Spielende erst einmal sammeln, sprach dann aber ganz klar und mit fester Stimme von einem Punktgewinn: „Wir sind heute auferstanden. Meine Spielerinnen haben insbesondere in der Deckung hervorragend gekämpft und unglaublich gerackert.“

TuS Lintfort: Senanur Gün, Anita Polackova, Neele Brandt – Alea Mattig 2, Nathalie Corsten 3, Lynn Broders, Jana Willing 2, Rieke Rosner, Sydney Lupisella 1, Femke Kleijkers 1, Yara Vlaswinkel 2, Svenja Rottwinkel 8/4, Eva Manthei 2, Leonie Udaw 3.