Mehr Grundschüler für Volleyball zu begeistern, diesen Wunsch hatte Martin Schattenberg vor 20 Jahren. Praktischer Zufall: Der langjährige Trainer des Moerser SC war – und ist – außerdem Sport- und Biologielehrer am Gymnasium Adolfinum. So stieß er im Schuljahr 2005/2006 ein Kooperationsprojekt an, das aktuell seinen 20. Jahrgang, Kinder aus elf Moerser Grundschulen, an den Ballsport heranführt.

Volleyball-Projekt hat sich über Jahre verändert

„Natürlich bin ich auch ein bisschen Stolz, dass das ganze über diesen langen Zeitraum stand gehalten hat“, sagt Schattenberg. Anfangs wurden die Bundesligavolleyballer des Moerser SC dazu animiert, einmal in der Woche in den teilnehmenden Moerser Grundschulen eine AG anzubieten, berichtet er. Hier sollten die Kinder an den Umgang mit dem Volleyball gewöhnt und die Grundtechniken gelernt werden. Nach einigen Monaten sollten die jungen Menschen dann bereit für ihre ersten Spielerfahrungen sein – im Modus „drei gegen drei“ oder „zwei gegen zwei“.

Volleyball-AG am Adolfinum Moers: Volleyballtrainer Martin Schattenberg und Tom Weber sowie Schulleiter Thorsten Klag
Von Volleyballtrainer und Lehrer Martin Schattenberg (Mitte) ging die Initiative zum Volleyball-Projekt am Adolfinum aus. Tom Weber (r.), selbst Lehrer und ehemaliger Spieler des Moerser SC, übernimmt mittlerweile die Hauptverantwortung für das Projekt.© privat | Martin Schattenberg

Mittlerweile läuft das Training zentral am Gymnasium Adolfinum, ab den Herbstferien bis zu den Halbjahreszeugnissen im Frühjahr, jeweils einmal die Woche. Nach Abschluss des jeweiligen Projektjahrgangs können die Kinder ab der fünften Klasse in der Volleyball-AG des Adolfinums weiterspielen oder sich direkt dem MSC anschließen. Über die Jahre hinweg taten das viele, die heute zu den Topsportlern des Vereins gehören.

Bundesligaspieler begann bei Schulprojekt

So auch Gian Luca Wagner, bis in die vergangene Saison Mannschaftskapitän. Der 27-jährige Außenangreifer erinnert sich noch: „Ich war damals zehn Jahre jung und eigentlich schon in der fünften Klasse am Adolfinum.“ Martin Schattenberg habe ihn damals gefragt, ob er nicht am Volleyball-Projekt teilnehmen wolle. Das tat der damalige Schüler, der bereits Fußball spielte. Volleyball hatte er zuvor nur mit der Familie gespielt. Doch das etwas andere Ballspiel überzeugte ihn schnell.

Es dauerte nach dem Projekt noch ein halbes Jahr, dann wagte er den Wechsel vom Fußball zum MSC. Was den damaligen Schüler am Volleyball faszinierte? „Irgendwie fand ich den Teamspirit cooler“, erinnert er sich. Denn auf dem im Vergleich zum Fußball deutlich kleineren Feld sind Kommunikation und Zusammenspiel enger als auf dem Rasen, versichert der Außenangreifer. Alleingänge gibt es nicht.

Aktuell rund 80 Kinder von elf Schulen

Auch Wagners Teamkollegen Lukas Schattenberg und Fabio Bertea starteten einst in der Volleyball-AG. Im vergangenen Jahr krönte die Mannschaft gemeinsam eine gute Saison mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga. „Das war immer ein Traum, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich es so weit schaffe“, sagt Gian Luca Wagner. Dass es das Projekt noch immer gibt, mit dem es für ihn damals losging, findet der Zweitliga-Spieler „mega gut“.

Grundschüler im Moerser Gymnasium Adolfinum bei der Volleyball AG in Kooperation mit dem Moerser SC
Von den Herbstferien bis ins Frühjahr lernen Kinder aus elf Moerser Grundschulen einmal wöchentlich die Grundlagen des Volleyballspiels. Nach dem jährlich stattfindenden Angebot traten über die Jahre unzählige junge Sportlerinnen und Sportler dem Moerser SC bei, um dort weiterzuspielen.© Gymnasium Adolfinum Moers | Martin Schattenberg

Vielleicht stehen die nächsten Moerser Volleyballtalente schon in den Startlöchern: Rund 80 Kinder der Eschenburgschule, Gebrüder-Grimm-Schule, Waldschule, Adolf-Reichwein-Schule, GS Hülsdonk, Eichendorffschule, Astrid-Lindgren-Schule, Regenbogenschule, GS Eick, St.-Marien-Schule und Dorsterfeldschule nehmen seit Ende der Herbstferien 2025 am Volleyball-Projekt teil. Die Verantwortung für das einmal wöchentlich stattfindende Training wird mittlerweile auch mit von Schülern des Gymnasiums übernommen.

Moerser Volleyballprojekt: Die meisten Schulen sind dabei geblieben

Dabei handelt es sich um Oberstufenschüler, die den Profilsportkurs „Volleyball/Fitness“ belegt haben. Die Hauptverantwortung für das Projekt hat seit 2025 Tom Weber, ein ehemaliger MSC-Spieler, der seit 2019 auch als Lehrer am Adolfinum tätig ist.

Wir sind glücklich, dass fast alle Schulen von Anfang an dabeigeblieben sind und das Projekt aktiv unterstützen

Martin Schattenberg, Volleyballtrainer und Lehrer

Seit Corona trainieren Jungen und Mädchen gemeinsam. „Die gemeinsame Teilnahme zeigt, wie gut Volleyball dazu geeignet ist, alle Kinder gleichermaßen zu begeistern und ihre Fähigkeiten zu fördern“, betont Tom Weber. Im Rückblick auf 20 Jahre Projektgeschichte fügt Martin Schattenberg hinzu: „Wir sind glücklich, dass fast alle Schulen von Anfang an dabeigeblieben sind und das Projekt aktiv unterstützen. Das zeigt, wie wichtig diese Initiative für die sportliche Förderung in Moers ist.“

Beim Volleyball gibt es auch Lektionen fürs Leben

Jedes Jahr können darüber nach wie vor auch einige neue junge MSC-Vereinsmitglieder gewonnen werden, berichtet Schattenberg, dessen Herz nach eigener Aussage am Jugendvolleyball hängt. Im Verein trainiert er auch noch mehrere Jugendgruppen. Natürlich entscheidet sich nicht jedes der jungen Talente aus den Grundschulen dafür, am Ball zu bleiben.

Doch beim Volleyball können die Kinder auch Dinge lernen, die ihnen abseits des Sports viel bringen: „Es ist auf jeden Fall eine Sportart, bei der ich vielleicht nicht beim ersten mal Erfolg habe.“ Kinder müssen bereit sein, zu üben und Sachen zu wiederholen, betont Schattenberg: „Das ist eine Fähigkeit, die Schülern mehr und mehr abhanden kommt.“