Der Applaus der offiziell gezählten 451 Zuschauer im Enni-Sportpark war am Ende eines ernüchternden Volleyball-Samstagabends durchaus noch aufmunternd. Und doch hatten beim Moerser SC lange Gesichter zweifelsohne Hochkonjunktur. Die 0:3 (21:25, 22:25, 16:25)-Heimpleite im Kellerduell mit dem Tabellenvorletzten TSV Giesen Grizzlys II schiebt den MSC noch ein Stück tiefer in den sportlichen Krisenmodus. Die Zweitliga-Volleyballer enttäuschten gegen die Niedersachsen vor allem im dritten Satz und haben nun schon fünf Punkte Rückstand auf den Rettungsplatz zehn. Dazu gesellten sich natürlich dringliche Fragen.

Moerser SC: Trainer sieht die Uhr auf fünf vor zwölf

Erstens jene, ob es nur am Selbstvertrauen im Team hapert nach nunmehr sieben Niederlagen am Stück. Oder ob zweitens vielleicht doch die Qualität für die zweithöchste Spielklasse nicht ausreicht. Drittens zieht das natürlich mindestens mal die Frage nach möglichen Verstärkungen nach sich. Cheftrainer Hendrik Rieskamp mochte sich wenige Minuten nach dem Match dazu freilich nicht äußern. „Es ist fünf vor zwölf, allerdings nicht fünf nach zwölf“, erklärte der Coach mit Blick auf die Gesamtsituation. Um es in Spielen auszudrücken: Zwölf Punktmöglichkeiten bleiben dem Tabellenletzten jetzt übrig. „Wir haben noch einiges im Köcher“, betont Rieskamp kämpferisch.

Zeigte vor allem im ersten Satz eine starke Partie: Youngster Jona Pukownik (rechts), hier gegen Julian Yingjing Hoyer (links) und Torben Kunze vom TSV Giesen Grizzlys II.
Zeigte vor allem im ersten Satz eine starke Partie: Youngster Jona Pukownik (rechts), hier gegen Julian Yingjing Hoyer (links) und Torben Kunze vom TSV Giesen Grizzlys II.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Der Cheftrainer führte eine mangelhafte Überzeugung seiner Schwarzhemden im sportlichen Gesamtauftritt an, die in Satz eins und zwei eben jenen Unterschied zum bis dahin auch nur einmal siegreichen Gegner darstellte. „Was Abwehr, Block oder auch Aufschläge anbetrifft, war der Kopf nur bei 98 Prozent“, so Rieskamp. Ein gut aufgelegter Jona Pukownik war im ersten Durchgang zu wenig, um einen Satzgewinn zu erzwingen. Der 17-jährige Blondschopf vereinigte immerhin zehn Punkte auf seinem Konto.

Moerser SC: Tim Broshog und Lukas Schattenberg trainieren nur eingeschränkt

Wie schon beim 0:3 in Neustrelitz vor einer Woche hatte Rieskamp seinem talentierten Youngster vertraut. Eine verdiente Startchance. Zumal Lukas Schattenberg und Tim Broshog aufgrund eingeschränkten Trainings nicht voll fit waren. Doch es wäre vermessen gemessen, Diagonalspieler Pukownik die Bürde des Helden für einen Abend aufzuerlegen.

Die Blockabwehr beim Moerser SC hatte nur wenig Erfolgserlebnisse vorzuweisen: Hier zielt Giesens Titzian Babel (rechts) gegen Tobias Tanneberger (links) und Luca Wagner richtig.
Die Blockabwehr beim Moerser SC hatte nur wenig Erfolgserlebnisse vorzuweisen: Hier zielt Giesens Titzian Babel (rechts) gegen Tobias Tanneberger (links) und Luca Wagner richtig.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Als Tim Broshog im zweiten Satz für Pukownik bei 13:17-Rückstand kam und sogleich beherzte Aktionen zeigte, schien die Wende möglich. Zumal auch Luca Wagner endlich auftaute. Doch zwei knappe und durchaus fragwürdige Entscheidungen gegen den MSC durch die Referees zogen den Stecker. Bei 20:21 soll ein Broshog-Ball im Aus gewesen sein, bei 22:24 sahen die Schiedsrichter einen Giesener Blockball zum Satzgewinn im MSC-Feld und eben nicht daneben.

Abschluss für MSC in Aligse

Der Jahresabschluss für den Moerser SC steigt in der 2. Volleyball-Bundesliga im niedersächsischen Dorf Aligse. Am 20. Dezember tritt das Team von Trainer Hendrik Rieskamp um 20 Uhr in der Sporthalle Lehrte-Mitte bei den America Limited Volleys an. Zum Jahresstart reisen die Adler am 10. Januar (Spielbeginn um 19.30 Uhr, Dreifelderhalle) zum SV Lindow-Gransee nach Brandenburg. Erstes Heimspiel in 2026 wird das Gastspiel des TuB Bocholt am 17. Januar um 19.30 Uhr sein. Bei den Bocholtern war dem MSC am 4. Oktober beim 3:0 der bislang einzige Saisonsieg gelungen.

Moerser SC: Trainer Rieskamp kassiert eine Rote Karte

Verständlich, dass nicht nur bei Cheftrainer Hendrik Rieskamp die Wut hochkochte. Anfang des dritten Satzes kassierte der Coach eine Rote Karte wegen einer offenbar zu lauten Beschwerde. Im Volleyball gleichbedeutend mit einem Punktgewinn sowie dem Aufschlagvorteil für den Gegner. Das spielte aber im weiteren Verlauf keine Rolle. Der MSC agierte nach Wagners zwischenzeitlichem 5:5 kaum noch zwingend, geriet schnell klar in Rückstand und enttäuschte auf ganzer Linie. Das schloss letztlich auch den italienischen Neuzugang Enrico Scarpi mit ein. Der Außenangreifer hatte seine Klasse zumindest in der Feldabwehr und im zweiten Satz auch am Netz angedeutet. Rieskamp zerknirscht: „Im dritten Satz waren wir einfach schlecht.“

Moerser SC erwartet VV Humann Essen am 13. Dezember zum Derby

Nach einem spielfreien Wochenende geht es am 13. Dezember (19.30 Uhr, Enni-Sportpark) ins Derby gegen VV Humann Essen. Der Dauerrivale ist nach dem siebten Sieg im neunten Match hinter TuS Mondorf und dem FC Schüttorf unerwarteter Tabellendritter. Mit einer ähnlichen Vorstellung wie bei der Giesen-Pleite dürfte für die Moerser Adler auch gegen Essen kaum Beute abfallen.

MSC-Start-Sechs: Bertea, T. Tanneberger, Scarpi, Bartsch, Pukownik, Wagner; Libero: Illmer - eingewechselt: Ihde, Schattenberg, Broshog, Haug.