Schlimmer hätte der Fußball-Freitag für den SV Scherpenberg im Hubert-Houben-Stadion kaum laufen können. Die Moerser kassierten bei Aufsteiger Viktoria Goch nach einer unterirdischen Vorstellung eine 0:5 (0:1)-Packung, verloren Torhüter Julian Geitz nach Verletzung (65.) und Tevfik Kücükarslan mit Gelb/Rot (83.). „Wir haben uns und den Verein nach Strich und Faden blamiert“, erklärte der sichtlich getroffene Trainer Christian Mikolajczak, „ich muss darüber nachdenken, ob ich die Muße habe, so noch weiterzumachen.“
SV Scherpenberg: Sportleiter Sven Schützek geht wortlos vom Rasen
Der Leistungsknick nach einer weitgehend guten Partie im Niederrheinpokal gegen Ratingen 04/19 schien kaum erklärlich, könnte aber auch eine Kopfsache bei manch Scherpenberger Kicker sein. Die gut besetzte Mannschaft brachte in Goch, zum wiederholten Male, die erhofften PS nicht auf die Bahn. Wie auch immer: Der Sportliche Leiter Sven Schützek verließ nach dem Debakel wortlos den Naturrasen. Gut möglich, dass Schützek am Dienstag vor dem Training ein paar passende Worte zur sportlichen Situation in der Kabine finden wird. Am Mittwoch (20 Uhr) steht bereits das Kreispokalspiel bei A-Kreisligist VfL Rheinhausen auf dem Programm.

In einer für die rund 300 Zuschauer wenig erquicklichen ersten Halbzeit agierten beide Teams zunächst mit vielen leichten Fehlern. Torchancen waren eher Mangelware. Für Scherpenberg hatte Vedad Music zweimal im Strafraum die Gelegenheit, wurde aber einmal beim Schuss geblockt, wirkte nach einer Ecke zu unentschlossen.
SV Scherpenberg: Defensive ist nicht auf der Höhe des Geschehens
Da sah es auf der Gegenseite schon anders aus. Der Ex-Lintforter Florian Ortstadt, vor einer Woche 1:0-Siegtorschütze beim Match in Kray, hat auch mit 36 Jahren seinen Torinstinkt nicht verloren. In der 28. Minute verfehlte der Mittelstürmer noch per Drehschuss nach einem Scherpenberger Abwehrfehler noch das Gestänge. Sieben Minuten später durfte der Oldie dann aber doch zum Jubellauf ansetzen. Wieder wirkte die Defensive der Gäste im Kraut-und-Rüben-Modus, Ortstadt zog aus 18 Metern Distanz kurzentschlossen ab. Das flache Geschoss konnte Keeper Julian Geitz nicht mehr aus der rechten Torecke fischen.

Zur Pause schien noch alles drin. Doch gleich zu Anfang der zweiten Halbzeit brach das Unheil über Scherpenberg herein. Eine Ecke nebst Pfostenkopfball fiel im Strafraum vor die Füße des Ex-Lintforters Luca Plum (48.). Der Standardexperte sorgte auch für das 3:0. Beim mittigen 20-Meter-Freistoß ließ Keeper Julian Geitz die Kugel erneut passieren und verletzte sich auch noch dabei, musste ausgewechselt werden.
SV Scherpenberg: Tevfik Kücükarslan kassiert am Ende noch Gelb/Rot
Ersatzmann Julian Nefian machte seine Sache nicht besser. Das leicht abgefälschte 0:4 durch Freistoß des eingewechselten Ben Pauls schien haltbar (80.). Beim 0:5 per Kopf durch Jonathan Brilski unterlief der Youngster eine Ecke (90.+4). Auf Scherpenberger Seite hatte sich Tevfik Kücükarslan zuvor auch noch Gelb/Rot abgeholt (83.).
Viktoria Goch: Trainer Wolze strahlt, Torjäger Ortstadt genießt
Viktoria Goch feierte die Tabellenführung nach dem Schlusspfiff frenetisch. „Von mir aus kann die Mannschaft ruhig noch ein wenig auf der Erfolgswelle weiterschwimmen“, schmunzelte Trainer und Ex-MSV-Profi Kevin Wolze. Einer im Viktoria-Dress genoss den Sieg schon vor dem Abpfiff. 1:0-Torschütze Florian Ortstadt zog sich in der 75. Minute nach seiner Einwechslung gleich auf die Tribüne zurück. Die Genusszigarette nach einem fulminanten Match schmeckte dem 36-Jährigen zweifelsohne besonders gut.
Einziger Wermutstropfen bei der Viktoria: Nach knapp einer Stunde musste Offensivspieler Gabriel Preuß mit einer offensichtlichen Schulterblessur verletzt ausgewechselt werden.
Viktoria Goch: Schneider - Möller (60. Koenen), Fuchs, Brilski, Hitzek - Alt (79. Pauls), Plum - Miri (74. Kurandic), Palla, Preuß (58. Zaß) - Ortstadt (74. Falkhofen).
SV Scherpenberg: Geitz (65. Nefian) - Kücükarslan, Abel (52. Tietz), Saiti, Kapuscinski - Karaca (52. A. Terzi), K. Terzi - Ba. Arslanboga, Gülcan (86. Bu. Arslanboga), Kretschmer - Music (60. Akbel).


