Hendrik Rieskamp war extrem kurz angebunden. „Ich möchte nichts sagen nach dem Spiel“, war alles, was der Trainer des Volleyball-Zweitliga-Aufsteigers Moerser SC zum Saisonauftakt seiner Mannschaft gegen die Volleys Aligse äußern wollte. Alles klar, kein Kommentar. Vielleicht auch verständlich, denn der letzte Satz des Duells mit den Gästen aus der Region Hannover hatte sicher auch einigen anderen im Enni-Sportpark Rheinkamp den Abend verdorben, der zuvor einen eher verheißungsvollen Verlauf genommen hatte. Mit 1:3 (23:25, 25:16, 15:25, 10:25) musste sich der MSC vor gut gefüllten Rängen am Ende geschlagen geben.

Beim Moerser SC gibt es nach dem Aufstieg einige Neuerungen

Warum die Partie den Hausherren nach einem ausgeglichenen und nur knapp verlorenen ersten Durchgang und einem sogar souverän gewonnenen zweiten Satz komplett entglitten war? Schwer zu sagen. Jedenfalls gelang vieles von dem, was vor der in der 2. Bundesliga nun üblichen Zehn-Minuten-Pause noch funktioniert hatte, auf einmal nicht mehr. So kam beispielsweise Ex-Nationalspieler Tim Broshog, der zuvor für einige Punkte gesorgt hatte, mit seinen Angriffen kaum noch durch. So recht konnte es der 37-jährige Routinier nachher am Hallenmikrofon auch nicht erklären: „An manche Neuerungen wie die Pause oder den neuen Hallenboden muss man sich vielleicht erst noch gewöhnen.“

Ex-MSC-Erfolgstrainer Chang Cheng Liu (links) war unter den Zuschauern im Enni-Sportpark.
Ex-MSC-Erfolgstrainer Chang Cheng Liu (links) war unter den Zuschauern im Enni-Sportpark.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Die Anforderungen, die von der Volleyball-Bundesliga gestellt werden, konnte der MSC, wie Vereinschef Guido Lohmann vor Spielbeginn betonte, nur mit Hilfe seiner Ehrenamtlichen stemmen. Die Fans belohnten die Rückkehr in die Zweitklassigkeit mit einem guten Besuch und lange Zeit lautstarker Unterstützung. Die Gäste aus Niedersachsen mussten sich weitgehend selbst beklatschen; ausmachbaren Anhang hatten sie nicht mitgebracht. Dafür aber einen Last-Minute-Neuzugang: Beim Spieler mit der Nummer 14 hatte nicht einmal die Zeit gereicht, das Trikot mit seinem Namen zu beflocken. Es handelte sich um Brenden Hardt, einen US-Amerikaner von der Ottawa University Arizona, der erst am Mittwochabend in Deutschland gelandet war, dann eine Trainingseinheit mit seinen neuen Teamkollegen absolviert hatte und in Moers gleich zum „Player of the Match“ avancierte.

So spielte der MSC

MSC-Start-Sechs: Wagner, Bartsch, Broshog, Djordjevic, Ihde, Bertea; Libero: Illmer – eingewechselt: Haug, Schattenberg, Pricken, Vandzhura.

So geht‘s weiter: RHS Volleys Mondorf II – MSC (Viertelfinale WVV-Pokal; So., 21. September, 15 Uhr); MSC – SV Lindow-Gransee (2. Bundesliga; Sa., 27. September, 19.30 Uhr).

Zu einer derartigen Ehrung reichte es für die neuen Leute beim MSC noch nicht. Dabei erwischte gerade der prominenteste Zugang einen starken Start: Der Franzose Martin Djordjevic stand von Beginn an auf dem Feld, sorgte auch für den ersten Moerser Punkt der Saison und war maßgeblich an der zwischenzeitlichen 6:4-Führung beteiligt. Beim Stand von 13:15 nahm ihn Hendrik Rieskamp dann aber – vermutlich aus Fitnessgründen – vom Feld. Der Ukrainer Maksym Vandzhura und Nico Haug erhielten auch nur überschaubare Einsatzzeiten.

So etwas habe ich im Zweitliga-Volleyball noch nie erlebt.

Roman Feiberg, Trainer der Volleys Aligse

Der erste Satz ging letztlich mit Pech verloren. Der MSC hatte sich von 18:22 noch einmal auf 21:22 herangekämpft, doch zum Ausgleich reichte es nicht mehr. Durchgang zwei war eine unerwartet klare Angelegenheit, an der vor allem Tim Broshog und der nachher zum besten Moerser Spieler gekürte Luca Wagner ihren Anteil hatten. Mit Wiederbeginn nach der Pause wendete sich das Blatt aber wieder schlagartig zugunsten von Aligse. Der dritte Satz war nicht mehr ernsthaft umkämpft, doch was sich dann im vierten Durchgang abspielte, war so nicht zu erwarten. Mit 11:0 zogen die Gäste davon, deren Trainer Roman Feiberg konstatierte: „So etwas habe ich im Zweitliga-Volleyball noch nie erlebt.“

Der Aufsteiger riss sich noch einmal am Riemen, verkürzte auf 4:11, kam aber anschließend nicht mehr näher heran. Wenigstens die Einstelligkeit blieb dem MSC erspart, als Lukas Schattenberg den ersten Matchball der Gäste abwehrte. Der zweite saß dann aber.