Als der Moerser SC vor drei Jahren den freiwilligen Rückzug aus dem Bundesliga-Unterhaus in die Volleyball-Regionalliga antrat, ging Andre Illmer mit. „Das war sportlich durchaus ein krasser Schritt“, erinnert sich der ehemalige Bundesliga-Akteur der Grizzlys Giesen. Mit der weniger intensiven Viertklassigkeit forcierte der heute 28-jährige Libero der Adler allerdings sein berufliches Fortkommen: das Studium in Sport und Englisch auf Lehramt für Haupt-, Real- und Gesamtschule, dazu die Erfahrung auf einer Lehrstelle für Englisch in einer Grundschule. Zudem machte Illmer den Trainer-B-Schein, betreut künftig die Moerser Herren 3 in der Landesliga. Wieder Volleyball auf gutklassigem Niveau blieb jedoch stets das ersehnte Ziel. „Nicht nur ich, auch alle anderen, die seit der Regionalliga beim MSC geblieben sind, haben Zweite Liga noch drauf“, betont Andre Illmer. Der erste Beweis soll nach zwei Aufstiegen in drei Jahren zum Saisonstart am Samstag (19.30 Uhr, Enni-Sportpark Rheinkamp) gegen die Aligse Volleys aus Niedersachsen angetreten werden.

Gute sportliche Entwicklung seit 2022 beim Moerser SC

Videos aus der Regionalliga-Saison 2022/23 und aus der vergangenen Spielzeit, als der MSC als Tabellenzweiter den Zuschlag für den Zweitliga-Aufstieg von der VBL bekam, zeigen die sportliche Entwicklung des Teams von Trainer Hendrik Rieskamp optisch auf. In den jüngsten Sommer-Tests gegen die Erstligisten Dynamo Apeldoorn/Niederlande und Tectum Achel/Belgien zeigten die Adler zudem, dass sie für das Bundesliga-Unterhaus gerüstet sind.

Sah beim Moerser SC eine Vorbereitung mit Licht und Schatten: Cheftrainer Hendrik Rieskamp.
Sah beim Moerser SC eine Vorbereitung mit Licht und Schatten: Cheftrainer Hendrik Rieskamp.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

„Wir müssen uns aber stets bei hundert Prozent bewegen, wenn wir nicht Schiffbruch erleiden wollen“, schiebt Andre Illmer nach. Und denkt dabei an die Pleite kürzlich beim Testturnier des Drittligisten Tebu Volleys in Laggenbeck. An deren Anschluss wusch Chefcoach Rieskamp seinen Mannen ziemlich den Kopf. „Natürlich haben da mit Tim Broshog, Lukas Schattenberg und Neuzugang Martin Djordjevic gleich drei Leistungsträger gefehlt. Trotzdem sollte solch ein Komplettausfall der ganzen Mannschaft nicht passieren. Aber besser in der Vorbereitung als im ersten Pflichtspiel“, hebt Andre Illmer hervor.

Das sind die Hinrundenspiele des MSC

Hier der MSC-Hinrundenplan nach dem doppelten Heimspielstart: 4. Oktober, 18.30 Uhr: TuB Bocholt - MSC; 11. Oktober, 19 Uhr: Münster Volleys - MSC; 18. Oktober, 19.30 Uhr: MSC - TuS Mondorf; 25. Oktober, 19.30 Uhr: Kieler TV - MSC; 2. November, 16 Uhr: FC Schüttorf - MSC; 15. November, 19.30 Uhr: MSC - MLK Volleys Köln; 22. November, 19 Uhr: PSV Neustrelitz - MSC; 29. November, 19.30 Uhr: MSC - Grizzlys Giesen II; 13. Dezember, 19.30 Uhr: MSC - VV Humann Essen. Die Rückrunde startet noch im alten Jahr: Am 20. Dezember steigt das Auswärtsspiel in Aligse um 20 Uhr.

Moerser SC schürt auch eine gewisse Erwartungshaltung

Zumal die Erwartungshaltung beim Publikum und auch intern kaum jene sein dürfte, „nur“ um den Klassenerhalt zu spielen. „Wenn wir von gravierenden Verletzungen verschont bleiben, sehe ich uns schon im Kampf um einen Play-off-Platz“, versichert der MSC-Kapitän. Das heißt mindestens Rang vier in der Zwölferliga. Erstmals spielen nach der 22-Spiele-Runde die Top 4 der 2. Bundesliga Nord und Süd in Überkreuzvergleichen den Meister sowie mögliche Aufsteiger aus.

Der Moerser SC angelte sich ein Zuspieler-Talent: Nico Haug (links) vom TV Rottenburg mit MSC-Klubchef Guido Lohmann.
Der Moerser SC angelte sich ein Zuspieler-Talent: Nico Haug (links) vom TV Rottenburg mit MSC-Klubchef Guido Lohmann.

Der offensichtliche Heimvorteil sollte dem MSC dabei helfen. Es gibt im Enni-Sportpark einen neuen Boden, neue Werbebanden, ein neues Netz und gegen die Volleys Aligse voraussichtlich gut gefüllte Tribünen. Ob allerdings zur Zweitliga-Rückkehr nach drei Jahren Volleyball auf meist nur regionaler Ebene eine vierstellige Kulisse zusammenkommt, wird sich zeigen. Sport und Rahmen dürften im Enni-Sportpark attraktiv genug sein für interessierte Freunde des Rückschlagspiels.

Das ist der MSC-Kader mit Rückennummern

Das ist das Aufgebot des Moerser SC für die neue Saison: 1 - Jasper Theviot, 2 - Fabio Bertea, 3 - Tobias Tanneberger, 4 - Martin Djordjevic, 5 - Tim Ihde, 6 - Nico Haug, 7 - Lukas Schattenberg, 8 - Tom Tanneberger, 10 - Maksym Vandzhura, 11 - Andre Illmer, 12 - Niklas Pfersdorf, 13 - Jascha Pricken, 14 - Luis Bartsch, 15. Tim Broshog, 16 - Jan Lenkeit, 17 - Jona Pukownik, 23 - Luca Wagner.

Moerser SC geht mit drei Neuzugängen in die Saison

Ob einer der drei Neuzugänge in der Start-Sechs auflaufen wird, ist eher fraglich. Leistungsträger Martin Djordjevic ist selbst für MSC-Kapitän Andre Illmer eine Wundertüte: „Wegen seiner Knieblessur ist er noch eingeschränkt unterwegs. Seine Grundtechnik sieht aber schon sehr gut aus.“ Zuspieler Nico Haug vom TV Rottenburg sieht Illmer „als Riesentalent, der beim MSC Sport und Studium unter einen Hut bringt und seinen Weg machen wird“. Gleichwohl hat Stammzuspieler Fabio Bertea aktuell die Nase vorn.

Drei vielversprechende Neuzugänge für den Moerser SC: (von links) Makysm Vandzhura, Martin Djordjevic und Nico Haug.
Drei vielversprechende Neuzugänge für den Moerser SC: (von links) Makysm Vandzhura, Martin Djordjevic und Nico Haug.© MSC

Den Ukrainer Maksym Vandzhura sieht Illmer nicht als wirklichen Neuzugang. „Er trainiert ja schon einige Monate bei uns mit, braucht aber Spielpraxis, um auf Annahme/Außen für uns wertvoll zu werden“, betont der Kapitän. Der nun in Oberhausen lebende Kriegsflüchtling Vandzhura war zwei Jahre lang ohne Volleyball und sogar drei Jahre ohne einen Spieleinsatz in der heimischen ersten Liga unterwegs.

2. Volleyball-Bundesliga: Favoriten sind Schüttorf und Mondorf

Vorn sieht Andre Illmer in der neuen Saison übrigens den FC Schüttorf 09, der mit einer Profimannschaft antreten will, sowie den TuS Mondorf, Meister der Jahre 2022, 2023 und 2024. Das Team, das in der Bonner Hardtberghalle seine Heimspiele austrägt, hat in Mittelblocker Veit Bils einen Ex-Adler in seinen Reihen. Der 2,06 Meter lange Diagonalspieler Nils Becker hat dazu schon in der Bundesliga mitgemischt.

Einst für den Moerser SC in der 2. Bundesliga unterwegs, bevor es zum Studium in die USA ging: Mittelblocker Veit Bils (in Schwarz) beim Schmetterball am Netz.
Einst für den Moerser SC in der 2. Bundesliga unterwegs, bevor es zum Studium in die USA ging: Mittelblocker Veit Bils (in Schwarz) beim Schmetterball am Netz.© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Die Volleyball-Gallier aus dem niedersächsischen 1700-Einwohner-Dorf Aligse vor den Toren von Hannover dürften sich mit dem MSC und weiteren Teams hinter den Favoriten einreihen. „Wäre schon klasse, wenn wir den Auftakt erfolgreich bestreiten würden“, hebt Andre Illmer hervor. Nach einem punktspielfreien Wochenende, wo die Moerser im WVV-Pokal bei den Rhein-Sieg Volleys in Much am 21. September gefordert sind, wartet gegen Mitaufsteiger SV Lindow-Gransee am 27. September (19.30 Uhr) gleich das nächste Heimspiel.