Als Lenny Soccio am Freitagabend im VIP-Raum der Hannibal-Arena das Spiel seiner Mannschaft einordnen sollte, merkten die anwesenden Fans und Vereinsverantwortlichen schnell, dass sich bei dem Headcoach des Herner EV in den vergangenen Wochen eine Menge Ärger angestaut hatte. Auch im Derby gegen die Füchse Duisburg leistete sich seine Mannschaft immer wieder teils haarsträubende Fehler im Spielaufbau und verlor entsprechend verdient mit 3:6.
Der Headcoach der Miners redete sich bei der anschließenden Pressekonferenz in Rage. Aus dem Publikum gab es dafür sowohl Raunen als auch Applaus. Sein Trainerkollege Frank Petrozza nickte teils zustimmend, teils mitfühlend. Hier gibt es Soccios Statement im Wortlaut:
„Es gibt immer Gründe, aber für mich ist das keine Entschuldigung, die Leistung zu bringen, die wir zurzeit bringen. Man versucht, die ganze Woche oder die ganzen Wochen, Positivität reinzubringen. Man versucht, ein paar Jungs aus der Krise rauszubringen, in der sie aktuell sind.
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Herner EV: Headcoach Soccio vermisst Führungsspieler – „kann nicht für sie spielen“
Man versucht, die Spieler besser kennenzulernen, ob es bei ihnen zu Hause Probleme gibt oder sonst etwas ist. Man versucht, ihnen zu helfen. Du machst dein Training, aber änderst auch Dinge auf Wunsch der Mannschaft und versuchst, Dinge zu vereinfachen.
Die ganze Woche reden wir über das Derby, aber die Taktik für heute war, erstmal die ersten paar Minuten die Energie mitzunehmen. Ich sage: Egal ob die Scheibe reinzushippen, Körperspiel, Puck zum Tor, alle ins Spiel bekommen. Entweder bekommst du einen Check oder blockst einen Schuss, irgendwas, dass du ins Spiel kommst. Und ich finde, zurzeit habe ich keine Führungsspieler, die das machen, die Mannschaft zu führen.

Ich kann die Mannschaft als Trainer führen, aber ich kann nicht für sie spielen. Ich kann das nur diktieren und versuchen, alles was möglich ist, zu tun, um ihnen zu helfen. Mit Video, mit Sprechen, so positiv wie möglich. Aber dann kriegst du kein Feedback. Und die Jungs kriegen alles, was sie brauchen, um hier Eishockey zu spielen.
Soccio sieht schwierigste Phase seiner Karriere – „jeder macht zurzeit sein eigenes Ding“
Aber die Jungs, die jetzt gerade auf dem Eis sind (zeigt auf die Hobbymannschaft auf dem Eis) geben, was ich sehe, gerade mehr Herz als meine Mannschaft. Und das kann so nicht weitergehen. Irgendwas muss sich ändern. Man kann es lieb und nett versuchen und das habe ich wochenlang, versucht, das Beste aus der Mannschaft rauszukriegen.
Ich spiele Eishockey, seit ich vier Jahre alt bin und ich finde, das zurzeit, ist die schwierigste Zeit, die ich in meiner Karriere habe, als Trainer, als Spieler. Wir machen Dinge auf dem Eis, die haben mit unserem System nichts zu tun. Dann fangen wir an, dass jeder was anderes versuchen will, um der Mannschaft zu helfen, aber jeder macht zurzeit sein eigenes Ding – und das ist kein Team.
Wir, der Vorstand, Geschäftsführer, wir tun alle unser Bestes, dass die Jungs aufs Eis kommen und glücklich sind, aber wir kriegen das zurzeit nicht zurückbezahlt, sorry.“



