Regina Kunanz war ihre Freizeit am Wochenende irgendwann zu schade, um durch das Ruhrgebiet zu pendeln und stundenlang in einer Sporthalle an der Platte zu stehen. „Die Motivation war einfach nicht mehr da“, erinnert sich die heute 47-Jährige an die Zeit vor knapp 20 Jahren zurück. Es fiel ihr nicht schwer, ihre Karriere erstmal zu beenden, „wenn man im Arbeitsleben steht, hat man nicht mehr die Lust und die Energie noch viel zu trainieren. Dann habe ich einfach aufgehört.“ Es schien ein Abschied für immer – bis zum zweiten Mal ihre Familie ins Spiel kam.
Wie schon ganz am Anfang ihrer Tischtennis-Karriere. Damals nahm ihr älterer Bruder Stephan Haacke sie und ihren anderen Bruder Christoph Haacke mit zum ersten Tischtennis-Training. Während Stephan dem Sport irgendwann den Rücken kehrte, spielt Christoph immer noch und das seit Jahren in der ersten Mannschaft des TTC Herne-Vöde. Und seit knapp drei Jahren greift auch Regina Kunanz wieder zum Schläger. Ihr Sohn Jona suchte einen Sportverein. Nach mehreren Fehlversuchen nahm ihn Christoph Haacke mal mit zum Tischtennis bei Vöde und ganz schnell war Regina Kunanz wieder Jugendtrainerin, um nur wenig wieder selbst an der Platte zu stehen und ihr altes Talent erneut unter Beweis zu stellen: Seit drei Jahren ist sie ungeschlagen.
Hernerin Regina Kunanz spielte in der Tschtennis-Oberliga
„Erst sollte ich nur einmal aushelfen“, erklärt sie. In der 2. Kreisklasse sei Not am Mann beziehungsweise der Frau gewesen. Als sie dort die ersten Siege einfuhr, wurde der Verein wieder auf sie aufmerksam. „Sie meinten, es wäre ganz gut für den Verein, wenn ich wieder spielen würde“, sagt sie. Das Tischtennis hat sich in ihrer Auszeit verändert, so schnell wie früher kann sie mit dem heutigen Material nicht mehr spielen. Trotzdem reicht es noch locker für ihre Gegner in der 1. Bezirksklasse. Über 60 Siege in Folge konnte sie seit dem 11. Februar 2023 für die Vöder einfahren.

Ihre größten Erfolge hatte sie zuvor beim DJK Germania Holthausen und beim Nachfolgeverein TTC Ruhrstadt Herne feiern können. In der höchsten Schülerinnen-Klasse nahm sie an den Deutschen Meisterschaften teil, war dann bei Ruhrstadt lange Teil des Teams der Oberliga-Damen. „Herne ist im Tischtennis ja eine eher kleine Community, aber ich war in meinem Jahrgang wahrscheinlich schon ein großes Talent.“
Lesen Sie auch
Eine ähnliche Siegesserie wie jetzt ist ihr damals nicht gelungen. „Natürlich habe ich damals auch Spiele verloren“, sagt sie. „Ich war keine Star-Spielerin.“ Das war dann eher ihre ehemalige Doppel-Partnerin bei Ruhrstadt, die aus Russland kam. „Sie war schon sehr engagiert und hatte einen ganz anderen Fokus auf Tischtennis“, erinnert sich Kunanz. „Ich dagegen war nicht so der ehrgeizige Typ.“
Je höher ich spiele, desto schwieriger wird es.
Regina Kunanz, TTC Herne-Vöde
Es ging und geht ihr vor allem um den Spaß: Den hat sie nun, neben der Motivation, wiedergefunden – und neben ihrer Siegesserie konnte sie noch einen weiteren schönen Moment erleben: Gemeinsam mit ihrem Sohn an der Platte zu stehen. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt sie. Ob in Zukunft noch weitere Spiele mit dem Doppel Kunanz/Kunanz hinzukommen, ist fraglich.
Das Team Vöde V ist mit Regina Kunanz in dieser Saison in die 2. Bezirksliga aufgestiegen, aber auch Einsätze in höherklassigen Teams stehen für sie zur Debatte. „Ich gehe davon aus, dass meine Serie reißen wird“, sagt Kunanz. „Je höher ich spiele, desto schwieriger wird es.“ Aber auch wenn irgendwann die erste Niederlage dastehen sollte, dürfte zwischen dem letzten und dem nächsten Spiel von Kunanz wohl nicht noch einmal knapp 20 Jahre liegen.





