Wenn der Herner EV am Freitagabend in der Hannibal Arena um wichtige Punkte im Playoff-Rennen kämpft, werden zwei der treuesten Anhänger nicht mehr dabei sein. Natascha Hartmann und Alexander Lukas starben vor rund zwei Wochen - beide waren Stammgäste in der Hannibal-Arena, beide starben an Krebs. Nicht einmal 24 Stunden lagen zwischen den traurigen Ereignissen, die auch im Umfeld des Herner Eishockeyvereins für Entsetzen sorgten: „Das hat uns alle sehr getroffen, gerade weil es zwei Menschen aus unserer Mitte waren“, sagt Fanbetreuerin Mona Zawodny, die vor allem mit Hartmann eine enge Freundschaft verband.
Natascha Hartmann, die in Herner Kreisen alle nur „Taschi“ nannten, war beim HEV fast schon eine Institution. Spiele verpasste sie in der Regel keine, weder zu Hause noch auswärts. Ihr Stammplatz bei Heimspielen war die Stehtribüne. „Egal wo man in der Halle war, egal wie das Spiel lief, Taschi hat man immer gehört“, erinnert sich Pressesprecher Joel Böhm. „HEV-Spiele ohne sie konnte man sich in den letzten Jahren eigentlich gar nicht vorstellen. Ihre Stimme wird in Zukunft fehlen.“ Selbst wenige Tage vor ihrem Tod war sie noch in der Eishalle - „um ihren HEV zu sehen“, wie Mona Zawodny erzählt.
Auch in der Mannschaft war „Taschi“ für ihre hilfsbereite und fröhliche Art bekannt. Vor ihrer Krebserkrankung arbeitete sie lange in einem Herner Kiosk, zu ihren Stammkunden gehörten auch einige Spieler des HEV. „Wenn ein Spieler Geburtstag hatte, hat er häufig auch ein Geschenk von Taschi bekommen - das hat sie immer gerne gemacht“, erinnert sich Zawodny.
Natascha Hartmann organisierte vor einem Jahr noch einen Fanmarsch von Herne nach Duisburg
Eine Aktion, die ihren Freunden aber besonders in Erinnerung geblieben ist, ist der Fußmarsch zum Derby nach Duisburg: Eigentlich hatte Hartmann eine Planwagenfahrt nach Essen geplant. Weil diese aber nicht stattfand, plante sie kurzerhand um: „Dann laufen wir eben nach Duisburg“. Aus einer Schnapsidee entstanden, setzte sie ihren Plan in die Tat um. Gemeinsam mit einer kleinen Fangruppe machte sie sich vor einem Jahr auf den rund 40 Kilometer langen Weg nach Duisburg. Sponsoren unterstützen die Aktion, der Erlös ging an die Young Miners, der Nachwuchsabteilung des HEV.

„So war sie einfach“, sagt Zawodny. „Wenn es um den Verein ging oder generell darum, anderen zu helfen, war Taschi immer an vorderster Front dabei.“ Gleiches galt auch für Alexander Lukas. Nachdem er vor drei Jahren schon einmal eine Krebserkrankung überwunden hatte, hatte er sich seitdem zurück ins Leben gekämpft. Er ging wieder arbeiten und wollte in der kommenden Saison als ehrenamtlicher Betreuer beim Herner EV einsteigen. Doch der Krebs kam zurück, diesmal umso stärker.
HEV und Freunde sammeln für Familien der verstorbenen Eishockey-Fans
So unerwartet die beiden Todesnachrichten kamen, so schnell stand für Verein und Fans fest, dass sie ihren verstorbenen Eishockey-Freunden etwas zurückgeben wollen. Für die Hinterbliebenen der beiden sammeln Verein und Freunde Spenden, um unter anderem die jeweiligen Beerdigungskosten zu decken. Auf der Spendenseite gofundme wurden zwei Spendenaufrufe gestartet, zudem steht bei Heimspielen des HEV eine Spendendose bereit. Die daraus entstehende Summe will der Verein am Ende zwischen beiden Familien gleichermaßen aufteilen.
Bislang sind über die Online-Spendenaufrufe in Summe bereits über 5.000 Euro gespendet worden. Die Spendenaktion vor Ort läuft noch bis Anfang März, wenn die Zwischenrunde mit dem Heimspiel gegen Erfurt endet.



