Interview

Luke Hemmerich: Auf dünnen Beinchen in die Bundesliga

Schnell und dynamisch – so hat sich Luke Hemmerich (rechts) in der Vorbereitung präsentiert. Das Bild zeigt den Hattinger im Training mitAlessandro Schöpf.

Schnell und dynamisch – so hat sich Luke Hemmerich (rechts) in der Vorbereitung präsentiert. Das Bild zeigt den Hattinger im Training mitAlessandro Schöpf.

Gelsenkirchen/Hattingen.  Der Hattinger Luke Hemmerich hat den Sprung von der U19 zu den Schalker Profis geschafft – das hätte er selbst fast nicht geglaubt.

Einen Profivertrag hat Luke Hemmerich noch nicht unterschrieben. Geht es nach dem 19-Jährigen, wird sich das bald ändern. „Ich hoffe natürlich, dass das passiert“, sagt er. Trainer Domenico Tedesco schätzt vor allem die Vielseitigkeit des beidfüßigen Außenverteidigers, der in der vergangenen Saison noch in der Schalker U19 spielte. Während der China-Reise erzielte Luke Hemmerich im Test gegen Besiktas Istanbul sogar sein erstes Tor. Im WAZ-Interview spricht der Hattinger über die ersten Wochen bei den Profis, seine Ziele und über Warnungen seiner Eltern.

Wieviel Freude wird Ihr Kumpel Vinzent eigentlich in der nächsten Saison an Ihnen haben?

Luke Hemmerich: Ich hoffe, viel Freude. Aber wieso?

Er hat Ihnen auf Ihrer Facebook-Seite geschrieben, dass er Sie nicht unter Druck setzen will, aber bei einem Online-Manager-Spiel 176 000 Euro für Sie bezahlt hat.

Stimmt, das habe ich gelesen. Ich hoffe, dass es gut angelegtes Geld ist (lacht). Ich träume davon, dass ich ein paar Spiele in der Bundesliga machen kann – und dann wäre sein Geld ja schon gut investiert.

Ist eine Ausleihe vom Tisch? Unter anderem hat Zweitligist FC St. Pauli Interesse an Ihnen gehabt.

Stand jetzt bleibe ich auf Schalke. Das ist auch das, was ich will. Ich will mich hier durchbeißen und bin gespannt, was dabei herumkommt.

Im Trainingslager in China haben Sie gegen Besiktas Istanbul Ihr erstes Tor erzielt und stark gespielt. Hat Domenico Tedesco Ihnen schon gesagt, was er mit Ihnen vorhat?

Der Trainer ist sehr kommunikativ, er lobt mich häufig und sagt mir im Training, was ich verbessern muss. Nach meinem Tor hat er mich auch sehr gelobt und mir gesagt, dass ich das richtig gut mache. In welche Richtung das zum Saisonstart geht, kann ich aus den Gesprächen aber noch nicht ableiten.

Der Trainer lobt Ihre Vielseitigkeit. Welche Position können Sie eigentlich nicht spielen?

Torwart! Sonst gibt es die eine oder andere Position, die ich vielleicht etwas besser oder schlechter spielen kann. Meine Lieblingsposition ist die Außenbahn – ob links oder rechts ist egal.

Wie ist es, plötzlich mit Spielern auf dem Rasen zu stehen, die Sie sonst vielleicht mal auf der PlayStation gesteuert haben?

Am Anfang war es ungewohnt, aber das hat sich schnell geändert. Man gewöhnt sich daran und genießt es. Alle Spieler sind sehr nett. Die etablierten Spieler helfen uns jungen Spielern. Ich kann Benedikt Höwedes oder Naldo jederzeit fragen. Sie sind sehr hilfsbereit und geben mir wertvolle Tipps.

Wie hat sich Ihr Leben in den vergangenen drei Monaten verändert? Können Sie noch unerkannt durch Ihre Heimatstadt Hattingen laufen?

Die Leute in meinem Alter kennen mich schon. Aber ich kann durch die Stadt laufen, ohne dass mich jeder anspricht. Ich wohne noch bei meinen Eltern – in Niederwenigern, ein Dorf an der Grenze zu Essen. Ich habe unten im Haus eine eigene Wohnung. Ich genieße es, nach einem anstrengenden Training nach Hause zu kommen.

Wann hatten Sie das Gefühl, dass es mit dem Traum vom Profifußball klappen könnte?

Bis vor drei Monaten dachte ich noch, dass ich es vielleicht nicht schaffe. Das hat sich spät entschieden – erst nach der Deutschen Meisterschaft mit der U19, nach dem Halbfinale gegen Bayern München gab es konkretere Gespräche zwischen Schalke und meinem Berater.

Haben Sie einen Plan B?

Im Moment konzentriere ich mich nur auf Fußball. Ich habe mein Abitur gemacht und hätte mir auch ein Sportmanagement-Studium vorstellen können. Aktuell zählt aber nur der Fußball.

Sind Sie sich darüber im Klaren, dass junge Spieler auch Geduld haben müssen?

Auf jeden Fall. Junge Spieler müssen sich hinten anstellen und viel Geduld mitbringen. Irgendwann bekommt man hoffentlich die Chance und die sollte man dann möglichst nutzen. Die Chance wird auf jeden Fall kommen. Ich wäre mir auch nicht zu schade, in der U23 zu spielen. Das Wichtigste ist Spielpraxis.

U19-Trainer Norbert Elgert hat gesagt, dass Ihre positive Entwicklung nicht unbedingt absehbar war.

Vor zwei Jahren habe ich auch nicht damit gerechnet, diesen Weg einzuschlagen. Ich weiß, dass ich nicht das allergrößte Talent bin – das ist alles harte Arbeit bei mir. Daran hat auch Norbert Elgert einen großen Anteil, die zwei Jahre in der U19 bei ihm waren eine geile Zeit.

Und er hat gesagt, dass man Ihnen mit ihren „Beinchen“ gar nicht zutraut, mit beiden Füßen so schussstark zu sein.

Wenn man sich meine Waden anschaut, kann man auch nur denken, dass der Ball auf dem Weg zum Tor verhungert. Auf dem Platz ist das aber etwas anders (lacht).

Manager Christian Heidel hat vor Wochen einen Facebook-Post von Donis Avdijaj kritisiert. Einige Ihrer Mitspieler bedienen die sozialen Medien ziemlich intensiv. Auf Ihren Seiten ist es da eher ruhig.

Man muss da aufpassen und vorsichtig sein. Durch Posts in den sozialen Medien ist schon einiges schiefgelaufen. Manche Einträge werden falsch gedeutet, sodass dann falsche Meldungen geschrieben werden. Meine Eltern raten mir auch immer dazu, mich bei Facebook zurückzuhalten.

Zurück zum Managerspiel. Hätten Sie Luke Hemmerich auch gekauft?

Ich spiele solche Manager-Spiele gar nicht. Es ist aber toll, plötzlich selbst dabei zu sein. Allein deshalb hätte ich mich auch gekauft.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben