Professioneller, qualitativ besser, hungriger: Das Projekt Fußball der Frauen hat auf Schalke die nächste Stufe erreicht. Erstmals gibt es in Schalkes Frauen-Team I, das in der vergangenen Saison knapp hinter Borussia Dortmund Vizemeister wurde, einen großen Promifaktor und feste Verträge. „Du benötigst Türöffner. Unsere Neuzugänge Mandy Islacker und Laura Radke stehen genau dafür“, stellt Boris Liebing, der bei Schalke für den Fußball der Frauen verantwortlich ist, fest. Die WAZ hat die wichtigsten Fragen und Antworten kurz vor dem Pflichtspielstart im Westfalenpokal gegen den 1. FFC Recklinghausen (17. August, 15 Uhr, Parkstadion) zusammengefasst.
Was hat sich finanziell bei den Schalker Frauen verändert?
„Wir verfügen über ein etwas größeres Budget als zuletzt. Unser Bestreben ist es, möglichst viele Sponsoren und Partner an Bord zu holen, weil uns das natürlich auch hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten weiterhilft. Mit Flaconi konnten wir einen richtig tollen neuen Hauptpartner gewinnen, der unter anderem sichtbar auf dem Trikot sowie der Trainingskleidung ist“, skizziert Boris Liebing. Für den Verantwortlichen für den Fußball der Frauen ist wichtig, „dass sich alles die Waage hält.“ Liebing: „Wir geben nur das aus, was wir auch erwirtschaften.“

Wo steht der Fußball der Frauen auf Schalke nach dem Start im Jahr 2021?
Team I spielt in der Westfalenliga, Team II geht in der Landesliga an den Start. Team III wurde nach der letzten Kreisliga-Saison abgemeldet. Die Juniorinnen spielen in der hochkarätig besetzten WDFV-U19-Liga unter anderem gegen Bayer 04 Leverkusen, den 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach oder die SGS Essen. „Wir haben auch im Juniorinnenbereich richtig spannende Spielerinnen und wollen uns grundsätzlich in diesem Bereich auch weiterentwickeln“, erläutert Boris Liebing, „wir brauchen noch mehr Sichtbarkeit. Der Fußball der Frauen auf Schalke muss weiter wachsen. Wir haben bisher kleine, gute Schritte gemacht und merken, wie das Interesse an unserer Fußball-der-Frauen-Abteilung stetig wächst.“ Auch logistisch sind die Schalke-Frauen gut aufgestellt. Es stehen zukünftig eigene Umkleidekabinen und Spiel- und Trainingsmöglichkeiten für alle Mädchen- und Frauen-Teams auf dem Vereinsgelände zur Verfügung. „Sowohl Vorständin Christina Rühl-Hamers als auch Sportvorstand Frank Baumann und Kaderplaner Ben Manga stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Liebing, der sich über die große Unterstützung der S04-Chefetage freut.

Was ist neu auf Schalke?
„Wir sind erstmals an dem Punkt, an dem wir mit festen Verträgen für die Spielerinnen in der Westfalenliga arbeiten. Wir haben lange überlegt, wie wir das Ganze angehen und haben auch unsere Spielerinnen miteinbezogen und für Schalke 04 eine sinnvolle Lösung gefunden“, stellt Boris Liebing erfreut fest. Alle Spielerinnen, ganz gleich ob Talent oder Deutsche Meisterin, erhalten das gleiche Geld. Somit hat Schalke einen möglichen Neidfaktor bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Liebing: „Das Thema Geld spielt in unserem Kader überhaupt keine Rolle – das ist großartig.“ Früher oder später wird Schalke allerdings an den Punkt kommen, an dem die Verträge angepasst werden müssen.
Wie lautet das Saisonziel der Schalker Frauen?
Trainer Stefan Colmsee hatte die Marschrichtung mit „oben angreifen“ zwar schon relativ klar formuliert, aber das Wort Aufstieg bei seiner Saisonprognose noch nicht offiziell in den Mund genommen. Boris Liebing wird jetzt konkreter: „Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen in die Regionalliga aufsteigen. Generell wollen wir mit allen Mannschaften das Bestmögliche erreichen.“

Wie stark ist die Schalker Westfalenliga-Mannschaft?
„Selbst, wenn man Mandy Islacker und Laura Radke nicht Teil des Kaders wären, hätten wir einen Top-Kader. Bei uns haben alle Spielerinnen ein sehr hohes Niveau. Einige Spielerinnen bringen sogar Bundesligaerfahrung mit. Das geht aktuell ein bisschen unter, weil alle noch ein wenig unter dem Radar fliegen. Das kann aber im Umkehrschluss auch ein Vorteil sein, wenn sich vieles auf Mandy und Laura konzentriert“, sagt Boris Liebing.
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Wie groß ist der Druck, für Schalke 04 zu spielen?
Mandy Islacker kann mit der enormen Erwartungshaltung bestens umgehen. „Ich habe Ähnliches beim VfB Stuttgart erlebt. Alle Gegner sind gegen solche Klubs besonders motiviert“, erklärt die Olympiasiegerin. Boris Liebing weiß aber, dass es nicht für alle Fußballerinnen leicht ist, für Königsblau aufzulaufen. „Ein Schalke-Trikot zu tragen, das ist etwas anderes, als für einen kleineren Club zu spielen“, stellt Liebing fest.


