Zusammenfassung
- Ein leerstehender Supermarkt in Gelsenkirchen-Ückendorf wurde von den 'Forsthaus locals' in eine Indoor-Skatehalle umgewandelt
- Die Skater haben die Halle selbst renoviert und mit selbstgebauten Rampen und Rails ausgestattet
- Die Gruppe hat ein Skate-Video gedreht, das auf YouTube veröffentlicht wurde
Alles was hier an einen alten Supermarkt erinnert, ist ein kleines Schild am Ende der großen Halle in Gelsenkirchen Ückendorf. Dort wo vor einiger Zeit noch Regale voller Lebensmittel standen, rollen und springen jetzt Atakan Basar (23), Christopher Richter (32) und ihre Freunde auf ihren Skateboards. HipHop dröhnt aus einer großen Musikbox.
„In Gelsenkirchen gibt es zwar in fast jedem Stadtteil einen Skatepark, viele davon sind aber nicht unbedingt gut“, sagt Atakan. Im Winter oder bei Regen ist es draußen außerdem gar nicht erst möglich vernünftig zu fahren. Hier, in dem ehemaligen Supermarkt, haben sie nun eine Möglichkeit gefunden, bei jedem Wetter zu Skaten und die Rampen so zu bauen, wie sie es haben möchten.
„Wir haben die Halle bei einer Veranstaltung in Ückendorf gesehen und haben bei der Stadterneuerungsgesellschaft Gelsenkirchen einfach mal angefragt, ob wir die Halle zum Skaten nutzen können. Die hatten da richtig Bock drauf und fanden die Idee gut“, sagt Atakan, „wir müssen nur für die Betriebskosten aufkommen, die wir auf zwölf Leute aufteilen. Das ist nicht viel für Jeden.“
Atakan und Christopher skaten schon lange, und so oft, wie es ihnen ihr Arbeitsleben erlaubt. Kennengelernt haben sie sich vor einigen Jahren im Skatepark am Forsthaus in Gelsenkirchen Erle – logisch, dass sich ihre Skatergruppe die „Forsthaus locals“ nennt.
Zwischen den Rails und Rampen in der großen Halle sieht alles perfekt aufeinander abgestimmt aus. Es fahren meistens zwei oder drei Leute gleichzeitig. Die anderen stehen am Rand, schauen zu. Wenn jemand einen vermeintlich schwierigen Trick schafft, wird geklatscht. Von Konkurrenzkampf keine Spur.
Ehemaliger Supermarkt stand seit über fünf Jahren leer
Der ehemalige Supermarkt steht seit über fünf Jahren leer und brauchte dementsprechend eine Renovierung. „Es war teilweise echt runtergekommen hier“, sagt Christopher. Der Boden habe teilweise großer Löcher gehabt, erklären die beiden Skater. Sie haben alle zusammen an dem Projekt gearbeitet. „An einem Tag hatten wir hier eine richtige Baustelle, wo alle mitgeholfen haben, die Halle auf Vordermann zu bringen“, sagt Christopher.
Selbstgebaute Rampen und sogenannte „Rails“, also Stangen, die geschliffen und am Boden montiert wurden, haben ihren Platz gefunden. Es gibt auch eine Sitzecke für eine Pause zwischendurch. An den Wänden sind Graffiti-Bilder zu sehen. Hinter einer Glastür ist sogar ein eigener Raum in dem ein Sofa steht und lila LED-Licht für eine gemütliche Atmosphäre sorgt.
„Forsthaus locals“ nutzen Skatehalle erst mal nur für den eigenen Bedarf
Atakan und Christopher haben mit ihren Freunden schon oft darüber gesprochen, ob sie aus der Skatehalle etwas Offizielles machen und vielleicht irgendwann Eintritt nehmen. Fürs Erste haben sie sich aber entschieden die Halle nur für den eigenen Bedarf zu nutzen.
„Wenn jemand Freunde mitbringt, ist das natürlich in Ordnung. Auch wenn jemand mit seinem Skateboard vor der Tür steht und fragt, ob er hier skaten kann, ist das auch kein Problem. Die Tür steht offen“, sagt Atakan. „Würden wir es offiziell machen, müssten wir natürlich auch die Verantwortung tragen, wenn hier etwas passiert. Unsere Halle ist noch nicht auf dem Stand, um dafür Geld nehmen zu können.“
Videopremiere der „Forsthaus locals“ in der Skatehalle
Vor einigen Wochen ist der ehemalige Supermarkt zum Schauplatz für eine Videopremiere der „Forsthaus locals“ geworden. 200 bis 300 Leute waren dort, um sich das knapp einstündige Skatevideo anzuschauen, was auch auf YouTube zu sehen ist. Der Eintritt war frei und zum trinken gab es kühles Bier und Limo. Das Video ist sehr gut angekommen, erklären Atakan und Christopher: „An dem Abend der Premiere und auch jetzt im Nachhinein haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen. Wir sind allen echt dankbar, die an dem Projekt beteiligt waren.“
Im Februar 2024 starteten die „Forsthaus locals“ das Projekt Skatevideo. Los ging es mit dem Dreh bei einem Urlaub in Barcelona, auch in Gelsenkirchen und Umgebung war die Kamera immer mit dabei. „Eigentlich wollten wir schon länger ein Video filmen, sind aber nie richtig drangeblieben. Atakan hat es immer wieder angesprochen und dann irgendwann einfach eine Kamera gekauft. In Barcelona ging es dann los“, sagt Christopher.
Im Video der Skater steckt über ein Jahr Arbeit
Jeder der Skater hat seinen eigenen Teil im Video, der zwischen fünf und zehn Minuten lang ist. Rund ein Jahr Arbeit steckt in dem Video, was seit Ende März auf YouTube zu sehen ist. „Die meiste Arbeit hatte unser Kumpel Lukas Schepers. Wir haben zwar unsere eigenen Parts immer zusammen geschnitten, aber den Feinschliff hat er alleine gemacht. Bei über 50 Minuten ist das schon eine Hausnummer“, sagt Atakan.
An ihrem Feinschliff auf dem Brett mit den vier Rollen können die Jungs jetzt zu jeder Tag- und Nachtzeit und bei jeder Witterung arbeiten. In einem ehemaligen Supermarkt, in dem nur noch ein kleines Schild an alte Zeiten erinnert.