Radsport: 26. City-Nacht

Der Berliner Theo Reinhardt will in Schaffrath wieder siegen

Wer sonst? Die Geste von Sieger Theo Reinhardt im vergangenen Jahr in Schaffrath ist eindeutig.

Wer sonst? Die Geste von Sieger Theo Reinhardt im vergangenen Jahr in Schaffrath ist eindeutig.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.  In Oberhausen hat Theo Reinhardt, der in Schaffrath als Titelverteidiger startet, Pech: einen Platten im Hinterreifen. In Köln wird er Zweiter.

Eigentlich war er nach Oberhausen gekommen, um seinen Vorjahressieg zu wiederholen und sich erneut feiern zu lassen. Doch als Tim Schlichenmaier aus Kempten auf dem obersten Platz des Siegertreppchens beim 69. Pfingstradrennen stand, war Theo Reinhardt nur noch Zuschauer.

Es war noch nicht einmal die Hälfte des 80-Kilometer-Rennens absolviert, da rollte der Berliner dem Feld nur noch hinterher. Die Musik an der Spitze spielte ohne ihn weiter. Was war passiert? Etwas ganz Normales, das wohl jedem Radfahrer schon mal widerfahren ist: ein Platten im Hinterrad. Der Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren von 2018 und 2019 mit Roger Kluge nahm den Ausfall gelassen. „Das ist Schicksal. Das kann schon mal passieren“, sagte der 28-Jährige. „Aber das ärgert mich doll. Das wäre ein gutes Training vor einem tollen Publikum gewesen.“

WM-Titel im polnischen Pruszków mit Roger Kluge verteidigt

Das ist aber natürlich nur ein Teil. Der Radprofi vom Team „Heizomat rad-net.de“ hatte nämlich eine weite Anreise. Rund 600 Kilometer war er einen Tag zuvor von Berlin gefahren, um dann in Neuss bei seinem Teamkollegen Nils Schomber zu übernachten und in Oberhausen sowie Köln zu starten. In Longerich wurde er bei der Cologne Classic dann Zweiter – ein kleines Trostpflaster.

Theo Reinhardt ist das Siegen gewohnt. Er gehört der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und ist Profi. Bei den Bahn-Weltmeisterschaften Anfang März im polnischen Pruszków verteidigte er zusammen mit Roger Kluge den ein Jahr zuvor im niederländischen Apeldoorn errungenen Titel. „Das war schon etwas Besonderes“, sagt der Berliner. „Ich hatte nicht gedacht, zweimal Weltmeister zu werden. Das war schon sensationell.“

Ziele sind die Heim-WM und die Olympischen Spiele

Die Weltmeisterschaften in Polen bildeten den Abschluss der ersten Hälfte der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und die sind natürlich auch das Ziel Theo Reinhardts. „Es ist alles auf Olympia ausgelegt. Wir visieren eine Medaille an. Aber wir trainieren für Gold“, sagt er selbstbewusst.

Zuvor aber hat er noch ein zweites Ziel vor Augen. Ende März, Anfang April 2020 wird er bei den Bahn-Weltmeisterschaften Heimvorteil. Im Berliner Velodrom, dem Zentrum des Berliner Radrennsports, will er sich vor 12.000 Zuschauern sein drittes WM-Gold sichern. Spätestens dann wären Theo Reinhardt und Roger Kluge auch die Topfavoriten auf Gold in Tokio.

285 Tage in jedem Jahr für den Radsport unterwegs

Theo Reinhardt ist zu Beginn seiner Radkarriere viele Rundfahrten gefahren. „Ich stand kurz vor einem Profivertrag“, sagt er. Doch dann hat er sich auf kleinere Straßenrennen und vor allem auf die Bahn konzentriert. Natürlich trainiert er sehr viel auf der Straße. „Das ist die Grundlage. Ich schätze, ich trainiere 70 Prozent auf der Straße und 30 auf der Bahn.“ Wenn er zum Training draußen ist, dann „ist nichts unter hundert Kilometern“, erzählt er. Hinzu komme viel Krafttraining, vor allem für die Beine.

285 Tage ist er im Jahr für seinen Sport unterwegs. Urlaub ist da nicht viel drin. Vor allem nicht, wenn Olympia im kommenden Jahr ansteht. Am Mittwoch macht sich der Berliner wieder auf den Weg aus der Hauptstadt ins Ruhrgebiet. In Topform wird er nach 600 Kilometer nicht sein. Aber dennoch wird er um den Sieg fahren – wie im vergangenen Jahr. „Es gehört auch Glück dazu“, sagt Theo Reinhardt. „In Oberhausen hatte ich mal Pech.“

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