Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr an jenem 9. Oktober 1976. Wie von der Tarantel gestochen rannte Friedel Rausch († 2017) durch die endlosen Weiten des Münchner Olympiastadions und herzte seine Schützlinge. Einige Spieler umarmte Schalkes Chefcoach gleich mehrmals – egal: Schließlich gewinnt man nicht alle Tage mit 7:0 beim großen FCB. „Die Bayern in Grund und Boden gespielt“, titelte die WAZ nach dem epochalen Erfolg durch Treffer von Klaus Fischer (4), Erwin Kremers, Manni Dubski und Rüdiger Abramczik. S04-Präsident Günter Siebert befand gar: „Wir haben die Alpen verschoben!“

Ein gutes halbes Jahr zuvor hatte der frühere S04-Profi Rausch, bis dato Jugend- und Co-Trainer, eine völlig verunsicherte Schalker Bundesliga-Mannschaft übernommen. Vorgänger Max Merkel („Das Schönste an Gelsenkirchen ist die Autobahn nach München“) hatte mit seiner selbstherrlichen Art alle und jeden im Verein gegen sich aufgebracht. Der humorvolle und sympathische Rausch kam da gerade recht, denn er war quasi der Gegenentwurf zum ewig grantelnden Wiener. Im März 1976 trat er Merkels Nachfolge an – die perfekte Wahl, wie Rüdiger Abramczik (damals 20) bis heute meint: „Friedel war das komplette Gegenteil von Merkel. Zudem kannte er fast alle von uns, er wusste, wie wir ticken und war ein absoluter Erfolgstyp. Außerdem wollte er immer offensiv spielen – und bei uns hatte er genau die richtigen Leute dafür!“