Rolf Hempelmann geht

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Der RWE-Präsident ist fünf Tage vor der Jahreshauptversammlung zurückgetreten. Der Berufspolitiker fühlt sich nach zehnjähriger Amtszeit nicht mehr in der Lage, die anstehenden Projekte im Klub im Ehrenamt zu managen

FUSSBALL ROT-WEISSNach dem sportlichen Absturz in die Viertklassigkeit und der schier unendlichen Stadion-Diskussion war zuletzt doch etwas Ruhe eingekehrt bei den Rot-Weißen. Der Kader für die kommende Saison steht, die Spielzeit ist finanziert, die modernen Strukturen sind vorgestellt. Und dann der Schock: Präsident Rolf Hempelmann tritt nach zehnjähriger Amtszeit zurück!

"In den letzten Tagen habe ich zahlreiche Gespräche über die Zukunft von Rot-Weiß geführt. RWE steht mit den zu bewältigenden Strukturveränderungen und dem Stadionprojekt vor großen Herausforderungen", begründet Hempelmann. "Die Vereinsführung wird alle Kräfte bündeln müssen, um die Aufgaben zu meistern." Ihm als Berufspolitiker sei es in letzten Jahren immer schwerer gefallen, den ehrenamtlichen Pflichten bei RWE nachzukommen. "Gerade jetzt braucht der Verein aber einen Präsidenten, der präsent ist und die Projekte im Griff behält."

Hempelmann wird als letzte Amtshandlung die Jahreshauptversammlung am Sonntag im Cinemaxx leiten. Ein Nachfolger ist (noch) nicht in Sicht. "Soweit es notwendig sein sollte, stehe ich natürlich für eine Übergangszeit zur Verfügung", so Hempelmann.

Das Personal auf der Geschäftsstelle wurde von dieser Entscheidung ebenso überrascht wie die Vorstandskollegen. Das RWE-Büro reagierte betroffen. "Das tut in der Seele weh. Damit hat niemand von uns gerechnet", sagte Barbara Voigt. Die Sekretärin hatte 1998 gemeinsam mit Rolf Hempelmann an der Hafenstraße angefangen.

Stefan Meutsch war auf Geschäftsreise im Süden, als ihn Hempelmann - wie alle anderen Vorstandsmitglieder auch - per Handy informierte. "Es war eine souveräne Entscheidung", stellte Meutsch fest, der vor kurzem noch dem Präsidenten den Rücken gestärkt hatte. Er halte es für einen fatalen Fehler, wenn Hempelmann zurückträte. "Ich habe aber großen Respekt vor dieser Entscheidung und hoffe, dass es uns gelingt, eine Persönlichkeit zu finden, die sich ähnlich engagiert für RWE. Denn eines ist sicher: Präsident zu sein, ist ein Fulltime-Job, den man nur mit 100 prozentigen Einsatz bewältigen kann."

Auch aus dem Hause "Evonik", dem langjährigen Hauptsponsor, gab es einen lobenden Abgesang. Man danke Rolf Hempelmann für seinen unermüdlichen Einsatz für den Verein und für die stets "vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit". Hempelmann habe sich "wie kein anderer für Rot-Weiß engagiert und den Verein auch in sportlich und wirtschaftlich schwierigen Zeiten nie im Stich gelassen. Sein Einsatz war vorbildlich", schrieb PR-Leiterin Inken Ostermann.

Vor einer Woche hatte Rolf Hempelmann gesagt, er wolle auf der JHV die Vertrauensfrage stellen, weil er die versprochene Finanzierung des neuen Stadions nicht vorlegen könne. Nun aber hat er seinen Klub mit dem Rücktritt unter Druck gesetzt. Denn wie sagte Stefan Meutsch jüngst: "Ich sehe niemanden, der RWE-Präsident werden möchte."

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