Schwimmen

Manche schwammen dir hinten in die Beine

Olympische Schwimmstaffel Mexico 1968 im Grugabad , der Stätte ihres Wirkens : Wolfgang Kremer (hellblaues Hemd), Peter Schorning (dunkelblaues Hemd), Jürgen Schiller (gestreiftes hemd). Foto: Knut Vahlensieck

Olympische Schwimmstaffel Mexico 1968 im Grugabad , der Stätte ihres Wirkens : Wolfgang Kremer (hellblaues Hemd), Peter Schorning (dunkelblaues Hemd), Jürgen Schiller (gestreiftes hemd). Foto: Knut Vahlensieck

Die legendäre Kraulschmiede des Essener SV 06 trifft sich immernoch regelmäßig zur Kaffeerunde. Momentan ist das Lieblingsthema „50 Jahre Grugabad“.

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Der Jürgen hat Kuchen mitgebracht. Passt ja prima zur Runde der vier gestandenen Mannsbilder, die da im Sportinternat am Tisch beieinander sitzen. Nein, ein Kaffeekränzchen wird das nicht, sondern eine angeregte Plauderstunde über die Vergangenheit. „50 Jahre Grugabad“ ist das Thema. Doch die Herren schweifen gern mal ab, denn sie haben eine Menge zu erzählen.

Wolfgang Kremer (69), Peter Schorning (66), Jürgen Schiller (68) und Rainer Balke (70) zählten einst zu den besten Schwimmern Deutschlands. Dieses Quartett begründete die legendäre Kraulschmiede von Essener SV 06, ein Ausnahmeteam, das von 1967 an unter dem damals erfolgreichsten deutschen Trainer Werner Ufer Meistertitel sammelte, Rekorde purzeln ließ und weltweit als schnellste Vereinstaffel über 4x100-m Freistil gehandelt wurde. Diese Vier sind gewissermaßen die Gründungsväter des Essener Leistungsschwimmens.

Das Grugabad nimmt in dem Lebenslauf dieser Männer ein ausführliches Kapitel ein. Dort haben sie unzählige Stunden verbracht, haben täglich im Training ihre Bahnen abgespult, in den Semesterferien als Schwimmmeister ausgeholfen. Und Rainer Balke, ausgerechnet der ruhigste Vertreter im Team, lernte dort seine spätere Ehefrau kennen. Sie saß beim Training immer auf der Tribüne und schaute zu.

Wolfgang Kremer, bis zu seiner Pensionierung im Essener Sportreferat tätig, war wohl der beste Individualist der Truppe. Jahrelang war er über 100-m Freistil nicht zu bezwingen. 1967 bei der DM im Grugabad belegten er, Schorning und Balke über 100-m Freistil sogar die ersten drei Plätze. Eine tolle Leistung. „Und mit diesen Titelkämpfen ist auch die Legende widerlegt, dass das Becken dort Zentimeter zu kurz ist“, sagt Kremer.

Grugabad bot beste Bedingungen

1964, also im Jahr der Grugabad-Eröffnung, gab er in Tokio sein Olympia-Debüt, startete vier Jahre später noch einmal bei den Sommerspielen in Mexiko. Dort waren dann auch Schorning, Schiller und Balke dabei. Kremer, noch heute das Sprachrohr der Truppe, hatte sie zuvor in Essen zusammen getrommelt. Schorning wechselte vom Nachbarklub ESV Grün Weiß, Balke, der auch Mitglied der Wasserball-Nationalmannschaft war, kam aus Duisburg, Jürgen Schiller reiste aus Gelsenkirchen mit dem Fahrrad an. „In Duisburg haben wir uns die Bahn mit zehn Leuten und zwei Badegästen geteilt“, sagt Balke. Ähnliches weiß Schorning zu berichten. Die Trainingskollegen seien ihm schon mal von hinten in die Beine geschwommen, so voll war’s.

Das Grugabad jedoch bot beste Bedingungen, das Wasser klar und sauber, nicht so kalt wie im Duisburger Regattabecken, wo Balke Wasserball spielte. Und für alle freie Bahn. Allerdings sagt Balke auch: „Bei Wind war es auch dort ein welliger Acker.“

Das Grugabad war für diese vier Schwimmer ein zentraler Punkt in ihrem Leben. Sie standen stets im Wettbewerb untereinander, und unterschiedlich im Naturell sind sie auch. Doch die Freundschaft hat bis heute gehalten. „Ich bin stolz darauf, dass wir uns noch immer treffen, das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Peter Schorning. „Und dass wir noch alle gesund sind. Das ist wirklich schön.“

Mit Schwimmen hat heute nur noch Peter Schorning zu tun. Er ist Cheftrainer bei der SG Mülheim.

Rainer Balke hatte früher noch einige Einsätze bei den Masters. Der ehemalige Sozialarbeiter und Bewährungshelfer bereist heute aber lieber die Welt.

Jürgen Schiller gründete nach der Karriere eine private Schwimmschule und führte das Restaurant Kockshusen im Schellenberger Wald. Inzwischen unterstützt er seinen Sohn, der ein Cafe in Rüttenscheid betreibt.

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