Fußball-Oberliga

Ex-Aufsichtsrat attackiert den ETB-Vorstand

Schauen in eine dustere Zukunft: Die Spieler des ETB.

Schauen in eine dustere Zukunft: Die Spieler des ETB.

Foto: Michael Gohl

essen.   In einem offenen Brief werfen sie dem jetzigen Vereinsvorstand Missmanagement und Totalversagen vor , dieser reagiert jedoch gelassen.

Die Niederlage des ETB gegen TuRu Düsseldorf wurde von einigen Regentropfen begleitet, die vom bedrohlich dunklen Himmel fielen. Am Abend ging dann ein richtiges Gewittergrollen über dem Uhlenkrug nieder: Ehemalige Aufsichtsratsmitglieder rechneten in einem offenen Brief mit dem Vorstand des Fußball-Oberligisten ab, der nach dem 0:2 in akuter Abstiegsgefahr schwebt.

„Der heutige desaströse Spieltag des ETB basiert auf den Säulen des Missmanagements und Totalversagens des Vorstands. […] Der vor zwei Jahren zurückgetretene Aufsichtsrat distanziert sich von diesem Vorstand und seinem skandalösen Handeln“, heißt es in dem Schreiben. Jahrzehntelange wirtschaftliche und sportliche Arbeit von engagierten Menschen und Fans würde in nur vier Jahren ruiniert.

Initiiert vom Ex-Aufsichtsrat Ralph Cremer

Initiiert wurde der Brief vom ehemaligen Aufsichtsvorsitzenden Ralph Cremer. Gegen ihn und weitere Kritiker hat der Verein bereits ein Vereinsausschlussverfahren eingeleitet. Cremer erklärt auf Anfrage, dass er durch das Schreiben Trainer und Mannschaft vor den entscheidenden Spielen aus der Schusslinie nehmen wolle: „Der Wille der Spieler ist da, aber der Kopf ist aufgrund der desaströsen Situation des Vereins nicht frei. Das Vertrauen der Spieler in den Vorstand ist weg.“

Der ETB-Vorstand nimmt dieses Schreiben gelassen zur Kenntnis. „Ich fühle mich überhaupt nicht angesprochen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Klaus Imort auf Anfrage. „Ich bin erst seit viereinhalb Monaten hier. Was ich in dieser Zeit getan habe und was ich an wirtschaftlichem Vermögen in diesen Verein gesteckt habe, kann ich mit Zahlen belegen.“

Imort und Hofer sollen Geld bereitgestellt haben

Der ETB befindet sich einer der schwierigsten Spielzeiten der Klubgeschichte. Schon mindestens seit Oktober lasten verspätete Gehaltszahlungen auf der Stimmung der ETB-Spieler, wie Whatsapp-Nachrichten belegen, die dieser Redaktion vorliegen. Die letzten Zahlungen für die März-Gehälter soll der ETB erst am 18. Mai den Spielern zugesichert haben. Das Geld sollen schließlich Imort und Ehrenpräsident Heinz Hofer bereitgestellt haben. Gerade Letzteren sieht die Mannschaft als letzten Strohhalm. So schrieb ein Führungsspieler Mitte April über Hofer: „Auf ihn, und nur auf ihn, ist Verlass. So lange der da war/ist, kam immer alles an Kohle.“

Von dem türkischen Investor Hasan Sahin hat der ETB dagegen keine Hilfe mehr zu erwarten – obwohl der Vorstand mehrfach betont hatte, dass eine Einigung unmittelbar bevorstünde. „Ich habe leider erst auf den letzten Metern gemerkt, dass die aus dem ETB einen türkischen Verein machen wollten“, erklärt Imort. „Daraufhin haben wir die Verhandlungen abgebrochen.“

Türkische Seite widerspricht dem ETB

Die türkische Seite widerspricht dieser Darstellung. Der Redaktion liegt die Aussage eines an den Verhandlungen beteiligten Sahin-Vertrauten vor. Darin berichtet dieser, dass der ETB Druck auf Sahin aufgebaut habe: „Immer nur Geld, Geld, sie würden pleite gehen, wenn wir das nicht zahlen.“ Letztendlich war Sahin das Risiko zu groß, weil ihm kein Einblick in die finanzielle Situation des Vereins gewährt worden sei.

Das würde Sahin mit etlichen Fans, Gönnern und Sponsoren einen, die sich die finanziellen Engpässe nicht erklären können. Gerade die verspäteten Gehaltszahlungen zum Jahresanfang sorgten für Verwunderung, weil der Verein zu Jahresbeginn die Mitgliedsbeiträge erhielt – bei gut 400 Mitgliedern immerhin rund 50.000 Euro.

Mitglieder fordern endlich Jahreshauptversammlung

Teile des Vereins fordern deshalb unermüdlich eine Jahreshauptversammlung, in der der Vorstand eine detaillierte Bilanz vorlegen soll. Doch das eine solche nicht so ohne weiteres herbeizuführen ist, zeigt der Fall des ETB-Fans Dominik Lortz: Der Verein steht auf dem Standpunkt, Lortz die Mitgliedschaft verweigert zu haben, so dass dieser sich auch nicht auf seine Rechte als Vereinsmitglied berufen könne. „Ich bespreche das weitere Vorgehen mit meinem Anwalt. Ich strebe weiter eine Jahreshauptversammlung an und möchte auch eine Bilanz sehen“, sagt Lortz.

Zuletzt stellte der Vorstand dafür einen Termin im Herbst in Aussicht. Die bis dato letzte Jahreshauptversammlung läge dann 27 Monate zurück.

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