Würde Tabellenführer Arminia Klosterhardt beim SV Burgaltendorf wirklich ausrutschen und der Reserve von Rot-Weiss Essen am Freitagabend somit Schützenhilfe im spannenden Titelrennen der Bezirksliga geben? Lange sah es in Essen im Duell des Ersten gegen den gastgebenden Dritten danach aus. Dann folgte die 98. Minute – und alle Dämme auf Seiten der Arminen brachen.

Schon von Beginn an bewiesen sich die Essener als unangenehmer Gegner für den Ligaprimus. „Wir haben uns keine klaren Torchancen herausgespielt, lediglich einzelne Halbchancen. Gegen einen tiefstehenden, unangenehmen Gegner, der alles investiert und sich in alles reingeschmissen hat, haben wir keine guten Lösungen gefunden“, befand Klosterhardt-Coach Marcel Landers. Torlos ging es in die Kabinen.

SV Burgaltendorf - DJK Arminia Klosterhardt
Zwischenzeitlich sah es in Burgaltendorf nicht gut aus für Tabellenführer Arminia Klosterhardt um Hamza Velic.© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Gewitter sorgt für 45-minütige Unterbrechung: „Das Problem hatte die andere Kabine“

Statt der üblichen Viertelstunde wurde dann knapp 45 Minuten lang kein Fußball gespielt. Grund dafür war ein starkes Unwetter, das über der Essener Windmühle seine Kreise zog. Die ersten Zuschauer spekulierten, ob überhaupt noch weitergespielt werden könne. Gegen 20:30 Uhr gab es Gewissheit und der Ball rollte wieder. Für die Trainer ging es in dieser Zeit darum, die Köpfe der Spieler hochzuhalten.

„Das war ein Problem, aber für beide Mannschaften“, so Landers. Sein Gegenüber Andreas Krippel meinte hingegen: „Das Problem hatte die andere Kabine. In so einer Phase arbeiten die Köpfe da richtig. Bei uns ist der Druck raus und wir wollen ja auch Spaß haben. Das ist gerade bei uns ganz wichtig. Über den Spaß kamen wir dann auch ins Spiel.“

Spaß hatte seine Mannschaft sehr wohl, denn nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff ging der SVA in Führung. Eine Ecke von Kamperhoff fand Innenverteidiger Tim Karkau im Zentrum, der den Ball über die Linie brachte. In der Folge kämpfte Burgaltendorf wie schon in der ersten Halbzeit um jeden Ball, Zweikämpfe wurden bejubelt wie Tore. Nachdem dann sogar Klosterhardt-Motor Fabian Abel in der 96. Minute mit Rot vom Platz flog, sah alles nach einem Heimsieg der Essener aus. Doch dann kam Emre Yalcin.

Klosterhardt-Wahnsinn in letzter Sekunde: „In Unterzahl weiter daran geglaubt“

Die Arminia war noch einmal im Ballbesitz und schlug den Ball einfach nach vorne. Die sieben Minuten Nachspielzeit waren bereits um, als der Ball dann vor den Füßen von Yalcin landete. Der Verteidiger zögerte nicht lange, brachte das Leder aus kurzer Distanz im Tor unter und sorgte so für den Ausgleich. Spieler, Trainer und Fans waren außer sich vor Freude. Danach war Schluss.

Landers. „Die Jungs haben in Unterzahl weiter daran geglaubt. Das ist mega, und das nehmen wir auch mit. Dieses Glück haben wir uns über die Saison vielleicht auch erarbeitet. Jetzt schauen wir, was am Sonntag bei RWE II passiert, und haben es dann nächsten Sonntag in der eigenen Hand.“ Zur Einordnung: Aufgrund des direkten Vergleichs würde Klosterhardt bei Punktgleichheit aufsteigen. RWE II muss also nun auf einen weiteren Punktverlust hoffen und die eigenen Hausaufgaben erledigen.

Burgaltendorf kämpft bis zum Schluss für den Heimsieg: „Mannschaft hat alles dafür gegeben“ 


Bei Burgaltendorf-Trainer Andreas Krippel überwog nach Abpfiff der Stolz auf seine Mannschaft: „Die Mannschaft wollte sich im letzten Heimspiel noch einmal schön verabschieden. Das haben wir, glaube ich, geschafft. Dass wir einem Nachbarn aus der Stadt helfen wollten, ist ja klar. Leider hat es in letzter Sekunde nicht funktioniert. Aber die Mannschaft hat alles gegeben.“

Bei einem Sieg gegen Klosterhardt hätte sich der SVA wohl auf einige Liter Freibier von der Seumannstraße freuen dürfen. Dass es am Ende nicht gereicht hat, nimmt Krippel mit Humor. „Wenn man Burgaltendorf Bier anbietet, dann ist das zu wenig. Das trinken wir bei uns schon manchmal nach dem Spiel weg. Wenn also noch einmal so eine Situation kommt, dann kann man ruhig noch eine Null hinten dranhängen.“

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Fremdbild
Der SV Burgaltendorf trifft am Freitagabend auf Arminia Klosterhardt.© Hans Blossey | Hans Blossey

Die Ausgangslage vor dem Spiel

Das Meisterrennen in der Bezirksliga wird immer heißer: Zwei Spieltage vor Saisonende duellieren sich Arminia Klosterhardt (78 Punkte) und Rot-Weiss Essen II (76 Punkte) um den direkten Aufstieg in die Landesliga. Zur Einordnung: Der Meister steigt direkt auf, der Tabellenzweite muss in die Relegation. Dort ermitteln die sechs Tabellenzweiten dann in zwei vorher ausgelosten Dreiergruppen zwei weitere Aufsteiger in die Landesliga. 

Während Rot-Weiss Essen II erst am Sonntag (16 Uhr) gegen Fortuna Bottrop gefragt ist, hat Arminia Klosterhardt die Möglichkeit, im Aufstiegskampf vorzulegen. Bereits am Freitagabend (19 Uhr) ist der Tabellenführer zu Gast beim Tabellendritten SV Burgaltendorf. Eine schwierige Aufgabe, doch einen Patzer darf sich der Primus nicht erlauben. Jeder Punktverlust könnte im Saisonendspurt entscheidend sein. „Wir rechnen nicht, wir wollen uns nicht auf andere verlassen und spielen deshalb wie immer voll auf Sieg. Das ist zumindest der Plan“, betont Arminia-Coach Marcel Landers. Der Ex-Profi von Rot-Weiß Oberhausen hat großen Respekt vor Burgaltendorf: „Wir treffen auf eine sehr gute Mannschaft, die in der Liga das wohl beste Umschaltspiel besitzt.“

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RWE II hofft natürlich auf Schützenhilfe vom Burgaltendorf. Dessen Trainer Andreas Krippel will im Aufstiegsrennen das entscheidende Rad sein: „Wir wollen Klosterhardt schlagen und wünschen RWE II den Aufstieg. Ich glaube, diese Bezirksligagruppe ist so stark, dass sich der Zweite in der Relegation durchsetzen wird.“ Sollten beide Mannschaften gewinnen, läuft alles auf ein dramatisches Saisonfinale am letzten Spieltag hinaus.