Es war ein wahnsinnig spannendes Wochenende. Tusem Essen war dem Klassenerhalt in der 2. Handball-Bundesliga am Freitagabend plötzlich ganz nah. Im letzten Heimspiel der Saison setzte sich die Mannschaft von Trainer Kenji Hövels mit einer bärenstarken Leistung gegen die HSG Nordhorn-Lingen mit 35:34 (21:18) durch und baute den Vorsprung auf Verfolger Krefeld aus. Gebannt gingen die Blicke dann am Folgetag auf die Partie der Krefelder gegen TuS N-Lübbecke. Und das Duell in der Seidenstadt endete denkbar knapp, Krefeld verlor 33:34. Der Tusem hat damit drei Punkte Vorsprung auf Krefeld und einen Nichtabstiegsplatz, bei nur noch einem verbleibenden Spieltag ist also klar: Tusem Essen bleibt Zweitligist!
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Es war am Freitagabend ein starker Kampf der Essener, die von Beginn an in der ausverkauften Sporthalle „Am Hallo“ voll da waren. Die Abwehr packte gut zu, im Angriff hatten die Essener immer wieder gute Lösungen parat. In einem sehr intensiven Spiel brauchten die Gäste etwas Zeit, um anzukommen. Aber vor allem Oscar Gentzel und Maximilian Lux waren für die Gastgeber nur schwer zu bremsen. Zudem erwies sich HSG-Torwart Luca Tschentscher als harter Gegner für die Essener Offensive.

Tusem Essen: Disziplin und Köpfchen
Aber der Tusem hielt vielen Widerständen stand und überzeugte nicht nur durch eine kämpferische Leistung, sondern auch durch Disziplin und Köpfchen. Vor allem in der Schlussphase, als das Spiel auf Messers Schneide stand, setzte sich das Team von Trainer Kenji Hövels mit viel Willen durch und rettete den knappen Vorsprung in spannenden Schlusssekunden über die Zeit.
Überragend waren dabei die Paraden von Dominik Plaue in seinem letzten Heimspiel für den Tusem. Er bewahrte seine Mannschaft Mitte der zweiten Halbzeit vor dem drohenden Rückstand. Auch wenn der 30-Jährige voll fokussiert war, konnte er die Partie noch genießen: „Am Vorabend kam schon die erste Überraschung meiner Frau. Sie hat mir ganz viele Videobotschaften meiner Familie und Freunde gezeigt. Da fing das Emotionale schon an. Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft, weil der Druck immens war.“
Tusem Essen:
Zudem waren die Bogenlampen-Würfe von Felix Mart von der Mittellinie nicht nur Hingucker, sondern auch wichtig. Ebenso die Willenstreffer von Max Neuhaus, Alex Schoss, Valentin Willner und Co. Sehr stark zudem die Abwehrleistung um Tom Wolf, der die HSG immer wieder zur Verzweiflung trieb.
„Ich liebe es, mit der Mannschaft zu kämpfen“, sagte Tusem-Trainer Kenji Hövels nach dem Heimsieg und führte aus: „Am Ende des Tages ist sie immer da, wenn man sie braucht. Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber noch nicht den letzten.“
Nach der Partie wurde in der Halle ordentlich gefeiert. Klar war aber zu diesem Zeitpunkt auch, dass der Klassenerhalt noch nicht eingetütet war, solange Krefeld noch nicht gespielt hatte. Keine 24 Stunden später dann aber die Gewissheit: Krefeld verlor und wird absteigen, der Tusem bleibt Zweitligist.
Tusem Essen - HSG Nordhorn-Lingen: der Live-Ticker zum Nachlesen

Tusem Essen - HSG Nordhorn-Lingen: die Ausgangslage vor dem Spiel
„Gemeinsam schaffen wir das!“, sagt Kapitän Max Neuhaus. „Kommt alle in die Halle!“, fordert Kreisläufer Valentin Willner. Und Torhüter Dominik Plaue verspricht, dass „wir das Herz auf der Platte lassen!“ Keine Frage, der Tusem ist bereit und erwartet eine rappelvolle Halle am Hallo. Über 2000 Karten wurden bereits verkauft. Der Gegner ist jedoch keine Laufkundschaft: Die HSG belegt den fünften Platz und absolviert nach Essen mit gut 130 Kilometern die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison. Und: Das letzte Spiel bestreiten die Niedersachsen ausgerechnet gegen die HSG Krefeld - das Team von Trainer Mark Bult wird damit ein entscheidender Faktor im Abstiegskampf.
Zuletzt verpasste der Tusem wichtige Punkte im Tabellenkeller. Nach einem klaren Heimsieg gegen Coburg unterlagen die Essener am vergangenen Wochenende knapp mit 28:29 beim TuS N-Lübbecke. Doch noch ist alles weiter offen im Abstiegskampf: Verfolger HSG Krefeld verlor am Folgetag 34:36 beim HSC Coburg. Zwei Spiele sind noch zu spielen, der Tusem hat einen Punkt Vorsprung. Die Ausgangslage bleibt also bestehen: Mit zwei Siegen können die Essener die Klasse aus eigener Kraft sicher halten.
Tusem Essen - HSG Nordhorn-Lingen: Wiedersehen mit Christian Wilhelm
Das Hinspiel kurz vor Weihnachten gewann die HSG in der Emsland-Arena deutlich mit 36:28. Nach ausgeglichener erster Halbzeit setzte sich Nordhorn-Lingen nach der Pause klar durch, zwischenzeitlich schwappte sogar die La-Ola-Welle durch die Halle. Auch der direkte Vergleich spricht klar für die HSG: Seit dem gemeinsamen Bundesliga-Abstieg gab es neun Duelle – acht Siege für Nordhorn-Lingen, einmal Remis. Insgesamt ist die HSG seit 14 Spielen gegen Essen ungeschlagen. Der letzte Tusem-Sieg datiert aus dem Jahr 2018.
Eine besondere Partie wird es zudem für Christian Wilhelm. Der 24-Jährige wechselte vor der Saison vom Tusem nach Nordhorn-Lingen, zählt weiterhin die Essener Finn Wolfram und Felix Eißing zu seinen engen Freunden und trifft nun erstmals als HSG-Spieler in Essen auf seinen ehemaligen Verein. „Ich würde Essen den Klassenerhalt gönnen“, sagt der Kreisläufer, stellt aber gleichzeitig klar: „Es ist unser Job, gegen Essen und auch gegen Krefeld alles reinzulegen – und genau das werden wir tun.“


