Damit hätten wohl die wenigsten gerechnet, als am Mittwochabend die ETB Miners bei der Orange Academy Ulm gastierten.

Die Mannschaft von Lars Wendt verlor das erste Finalspiel mit 71:107 und steht im Rückspiel vor einer Mammutaufgabe.

ETB Miners kommen gut ins Spiel – dann verliert die Defensive den Zugriff

Dabei kam die Starting-Five um Quashawn Lane, Mychael Paulo, Niclas Sperber, Jonathan Almstedt und Marc Friederici ordentlich ins Spiel. Nach einem kurzweiligen ersten Viertel lagen die Essener lediglich mit 21:25 hinten. Doch dann passierte das, wovor der ETB-Übungsleiter wohl in der Vorbereitung aufs Spiel gewarnt haben dürfte.

Das mit vielen Nachwuchsspielern der Ratiopharm Ulm gespickte Farmteam lief im zweiten Viertel besonders von der Dreierlinie heiß und ließ den Gästen aus Essen kaum Luft zum Atmen. Auch die Gäste-Defensive, die bisher das Prunkstück war, tat sich häufig schwer und ließ zu einfache Abschlüsse zu. So ging es mit 56:38 in die Halbzeit. Junge Ulmer überrennen behäbige Gäste

Ulm gibt auch in der zweiten Halbzeit das Tempo vor

Und auch im zweiten Abschnitt sollte sich das Bild nicht ändern. Besonders über die beiden Guards Teo Milicic und Joel Cwik legten die Ulmer ein extrem hohes Tempo auf das Parkett, was die Essener Defensive kaum stoppen konnte. Hinzu kamen zu leichtfertige Fouls, durch die die Gastgeber auch an der Freiwurflinie einfach punkten konnten.

Trainer Lars Wendt musste in Ulm die erste Play-off-Niederlage der ETB Miners mit ansehen.
Trainer Lars Wendt musste in Ulm die erste Play-off-Niederlage der ETB Miners mit ansehen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Offensiv kamen die Gäste nur selten in aussichtsreiche Positionen, weil die im Durchschnitt gerade einmal 18‑jährigen Ulmer oft ihre Hände mit im Spiel hatten. Und da in diesem Final-Format mit nur zwei Spielen jeder Punkt wichtig werden könnte, hielten die Gastgeber das hohe Tempo bis zur Schlusssirene hoch. Unter anderem mit einem Buzzer-Beater von Meissa Faye.

ETB Miners: Essens Trainer ärgert sich über verpasste Chance

Nach dem Spiel ärgerte sich Miners-Headcoach besonders über die verpasste Chance, mit einer makellosen Auswärtsbilanz in die Sommerpause zu gehen. „Es ist jetzt ein bisschen schade, dass wir das erste Auswärtsspiel dieser Saison verlieren, ausgerechnet im Finale.“

Das junge Ulmer Team verlangte den Essenern auf beiden Seiten des Feldes alles ab. Die deutliche Niederlage führte der 33-Jährige vor allem auf einen entscheidenden Faktor zurück: „Sie waren ready für das Spiel, was man von uns jetzt nicht sagen kann. Sie haben uns mit ihrer Intensität, ihrer Energie einfach überrannt. Und einfach verdient gewonnen.“

Trotz der deutlichen Klatsche sei die Mannschaft direkt nach dem Spiel motiviert gewesen, im Rückspiel in Essenam Sonntag (16 Uhr) doch noch das Wunder zu schaffen. Für das schwere Heimspiel zeigte er sich zudem kämpferisch: „Wir wollen uns am Sonntag mit erhobenem Haupt von unseren Fans verabschieden. Vielleicht gibt es ja auch ein Wunder und wir wollen genau die Intensität, die Ulm heute aufs Parkett gebracht hat, am Sonntag auch zu Hause zeigen.“

Rückspiel am Sonntag bringt die Entscheidung

Durch die hohe Niederlage stehen die Miners zum ersten Mal in diesen Playoffs mit dem Rücken zur Wand. Allerdings gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer für das Team von Trainer Lars Wendt. Sollte das NBBL-Team der Ulmer am Samstag ins Finale einziehen, dürften Spieler wie Cwik oder Milicic nicht mit nach Essen reisen. Ob die Essener daraus einen Nutzen ziehen und das Wunder am Hallo wahrmachen können, bleibt abzuwarten.

Unabhängig vom Ausgang der Partie am Sonntag steht fest: Die beiden Finalisten werden in die zweitklassige Pro A aufsteigen, das ist zumindest sportlich sicher und muss nur noch mit Blick auf die Lizenz-Unterlagen bestätigt werden.

Der Liveticker zum Nachlesen

Orange Academy Ulm gegen ETB Miners Essen: Ausgangslage vor dem Spiel

Die Pflicht ist erfüllt, nun folgt die Kür: Die ETB Miners haben die Zweitklassigkeit vor Augen, im Finale gegen die Orange Academy aus Ulm geht es „nur noch“ um den Meistertitel der drittklassigen Pro B. Am Mittwoch steigt das erste Finalspiel der Zweier-Serie in Ulm (19.30 Uhr). Hier gibt es den Live-Ticker.

Die beiden Finalisten werden in die zweitklassige Pro A aufsteigen, das ist zumindest sportlich sicher und muss nur noch mit Blick auf die Lizenz-Unterlagen bestätigt werden. Zuvor spielen die beiden künftigen Zweitligisten aber noch den Meistertitel der diesjährigen Pro B aus. Die Essener hatten zuletzt den BBC Coburg auch im 2. Spiel des Halbfinales geschlagen (80:64) und dabei einen bockstarken Auftritt gezeigt. Das Team von Trainer Lars Wendt dominierte von Beginn an - und hielt das Niveau durch. Nun geht es also gegen das beste Team der Pro-B-Südhälfte. Ulm besiegte im Halbfinale LOK Bernau in zwei Spielen.

Basketball in Essen
Benjamin Uzoma (l.) und die ETB Miners spielen nun um die Meisterschaft.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Nach dem Lizenzentzug und dem Zwangsabstieg vor sieben Jahren ist die Rückkehr ins Basketball-Unterhaus für die Essener ein weiterer Meilenstein im Wiederaufbau des Vereins. Beeindruckend: Die Miners sind in den Play-offs bisher ungeschlagen und feierten inzwischen ihren 16. (!) Auswärtssieg in Serie. Das zweite Finalspiel steigt übrigens am  Sonntag, 17. Mai, um 16 Uhr in der Sporthalle „Am Hallo“.