Max Neuhaus initiierte den ganz großen Jubel, die Zuschauer skandierten immer wieder „Tusem, Tusem“: Derr Handball-Zweitligist von der Margarethenhöhe besiegte am Sonntagabend den HSC Coburg mit 37:28 (18:14) und rückt damit am viertletzten Spieltag wieder auf einen Nichtabstiegsplatz. Auch, weil Konkurrent HSG Krefeld gegen Balingen 34:42 verlor. Aber eben auch, weil das Team in den roten Trikots endlich wieder einen Sieg feiern konnte. Der letzte Zwei-Punkte-Erfolg gelang am 25. Februar gegen Krefeld. Lange ist es her.
- „Supergeil“: Fans bejubeln TuSEM Essens Talente trotz klarer Pleite gegen Füchse Berlin
- Nach Krimi gegen Dresden: Darum zieht Tusem Essen seinen Einspruch zurück
- Mit Tusem Essen kämpft er gegen Abstieg - und bald mit neuem Klub um Aufstieg
Und so standen sie auch nach dem Ende des Spiels noch minutenlang gut gelaunt auf dem blauen Spielfeld der heimischen Sporthalle am Hallo. Die Tusem-Profis gaben dem Nachwuchs Autogramme und umarmten Familienmitglieder und Freunde. Große Erleichterung im Abstiegskampf, der in den vergangenen Wochen viele Nerven gekostet hatte und dies auch noch weiter tun wird. Drei Spieltage sind noch zu absolvieren, doch können diese nun mit erhöhtem Selbstvertrauen angegangen werden. Die vergangenen Wochen waren gute, neben drei Unentschieden gab es auch bei den knappen Niederlagen gegen höher eingestufte Teams starke Leistungen. Die Fans demonstrieren schon länger Rückhalt, 2083 waren am Sonntag gekommen und zuletzt traten sie auch bei Auswärtsspielen in verstärkter Anzahl auf. Die Botschaft: Gemeinsam für den Klassenerhalt. Und die Essener Mannschaft zahlte es nun in der gut gefüllten Halle in Stoppenberg zurück.

Tusem Essen gegen HSC 2000 Coburg: Stark in der Abwehr
„Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft, sagte Trainer Kenji Hövels. Ob er überrascht von dem hohen Erfolg sei? Der Tusem-Coach schüttelte den Kopf: „Die vergangenen Wochen waren von Einsatz und Konzentration geprägt. Jetzt kam endlich einmal alles für uns zusammen.“
Dabei war der Beginn noch ein wackeliger. Die Gäste aus Bayern übernahmen in den Anfangsminuten das Handeln, führten 3:1 und der erste vergebe Siebenmeter der Essener ließ Böses erahnen. Doch dann fand das Hövels-Team immer besser in die Parte. Da war Spielmacher Nils Homscheid, der nach seiner langen Verletzungs-Zwangspause mit sechs Toren schon in der ersten Halbzeit zeigte, wie enorm wichtig er in der finalen Ligaphase ist. Da war Kapitän Max Neuhaus, der wie entfesselt die Coburger Abwehrreihe traktierte und mit vier Treffern bis zur Pause herausstach. Und nicht zu vergessen Torhüter Finn Knaack mit seinen acht Paraden bis zur Pausensirene. Auch der Rest des Teams überzeugte, kämpfte um jeden Ball und nutzte gegnerische Unkonzentriertheiten zu Kontern. Der Innenblock um Valentin Willner und Tom Wolf erwischte zudem einen Sahnetag. Es lief beim Tusem.
Die vergangenen Wochen waren von Einsatz und Konzentration geprägt. Jetzt kam endlich einmal alles für uns zusammen.
Kenji Hövels, Tusem-Trainer
Homscheid hatte am Ende neun Treffer auf dem Konto, Neuhaus acht und Knaack zwölf Paraden. Zweifelsohne allesamt herausragend in dieser Partie, die aber vor allem ein Mannschafts-Erfolg war. In der Deckung wurde um jeden Ball gekämpft, im Angriff führten auch Fehlwürfe und schlechte Pässe nicht zu hängenden Köpfen. Und so gab es auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nur eine kleine Schwächephase, in der Coburg noch einmal auf 17:19 herankam, dann aber abreißen lassen musste. Einzig Mikael Helmersson bekamen die Essener selten in den Griff, der 22-jährige italienische Nationalspieler verhinderte für seine Mannschaft Schlimmeres. Die Essener zogen davon, zwischenzeitlich führten sie mit sieben, dann mit acht und letztendlich mit elf Toren. Veteran Alexander Becker feierte einen Torerfolg und auch der scheidende Torhüter Dominik Plaue konnte sich in den Schlussminuten auszeichnen.

Und nun? In den finalen drei Spielen geht es am 23. Mai zuerst zum Tabellenneunten Lübbecke, dann Ende Mai zu Hause gegen den Sechsten aus Lingen und zum Schluss am 6. Juni zum 14. nach Ferndorf. Danach soll nach Wunsch der Essener der Klassenerhalt noch ausgiebiger gefeiert werden als nun der Etappenerfolg gegen Coburg. Trainer Kenji Hövels ist positiv gestimmt: „Wir haben jetzt noch drei Spiele und ich sehe keinen Grund, warum wir davon eines verlieren sollen.“
Tusem Essen gegen HSC 2000 Coburg: der Live-Ticker zum Nachlesen

Tusem Essen gegen HSC 2000 Coburg: die Ausgangslage vor dem Spiel
Der Kampf um den Klassenerhalt ist wieder ein wahrer Krimi. Tatort am Sonntag ist die Sporthalle am Hallo, im Mittelpunkt stehen die Zweitliga-Handballer des Tusem Essen. Tabellenvorletzter und somit vier Spieltage vor dem Saison-Ende arg unter Druck. Am Sonntag kommt der HSC Coburg (17 Uhr).
Dass die Halle in Stoppenberg wieder gut gefüllt sein wird, ist schon fast selbstverständlich. Selbst bei den jüngsten Auswärtsspielen waren die Tusem-Fans in großer Anzahl vertreten, der Klub tut gerade alles, um Geschlossenheit zu zeigen und sich in größtmöglicher Präsenz zu präsentieren. Die Botschaft ist klar: Gemeinsam für den Klassenerhalt! Und so gab es in den jüngsten Wochen durchaus wichtige Erfolge zu verzeichnen: Das jüngste Remis beim VfL Lübeck-Schwartau, der kämpferische Auftritt gegen Elbflorenz Dresden, das Unentschieden beim VfL Potsdam - allesamt starke Auftritte gegen stark favorisierte Gegner.
Tusem Essen: „Werden weiter kämpfen“
Und nun? Gegen Coburg kann Tusem-Trainer Kenji Hövels wieder auf fast alle Spieler bauen, lediglich Rechtsaußen Jan Reimer fehlt wegen einer Trainingsverletzung. „Wir haben gezeigt, dass wir voll da sind im Abstiegskampf“, sagte jüngst Spielmacher Nils Homscheid. „Wir arbeiten jede Woche unfassbar hart, wir wissen um die Situation. Wir werden weiter bis zur letzten Minute kämpfen!“

Jenen Kampfgeist lassen die Coburger derzeit vermissen. Die Bayern unterlagen zuletzt nach einer ernüchternden Vorstellung mit 27:33 dem TuS Ferndorf. Für die Siegerländer war es der wohl entscheidende Schritt zum Klassenerhalt, während Coburg Gefahr läuft, eine Saison, in der das Ziel „Top Fünf“ verpasst wird, austrudeln zu lassen. Eine laxe Einstellung, kein Aufbäumen, offensiv und defensiv auf überschaubarem Niveau: In dieser Verfassung ist die Mannschaft von Trainer Anel Mahmutefendic ein gern gesehener Gegner in der Schlussphase der Saison. Ob der HSC sich noch einmal in Essen zusammenreißt?


