Es war jüngst etwas ruhig geworden um die Trainerfrage beim Frauen-Bundesligisten SGS Essen. Unter Interimstrainerin Jessica Wissmann ging es zuletzt bergauf, die Fußballerinnen aus Schönebeck verließen den letzten Tabellenplatz und stehen nun als Zwölfter wieder „über dem Strich“.

Doch schon nach der Trennung von Teamchef Robert Augustin und dem Sportlichen Leiter Thomas Gerstner Anfang Oktober war klar, dass die bisherige Co-Trainerin Wissmann keine Dauerlösung sein kann, weil ihr die dafür nötige Trainerlizenz fehlt. Nun hat die SGS eine Lösung gefunden: Heleen Jaques wird das Team ab Januar als Cheftrainerin führen. Wissmann bleibt im Trainerinnenteam und wird mit diesem weiter die täglichen Einheiten leiten.

Die 37-jährige Belgiern trainierte zuletzt den Club YLA, mit dem sie Platz vier in der Liga und das Pokalfinale erreichte, die Frauenabteilung des FC Brügge. Anschließend übernahm sie bis Oktober dieses Jahres den Trainerposten bei KAA Gent, den sie in der vergangenen Saison auf den siebten Rang führte. Zuvor war sie Trainerin von Belgiens U16-Juniorinnen-Nationalmannschaft und Jugendkoordinatorin des belgischen Fußballverbandes. Als Spielerin trug die Abwehrspezialistin unter anderem die Trikots von Brügge, RSC Anderlecht und der AC Florenz. In Deutschland lief sie 2010/2011 für den Herforder SV und 2012/2013 für Turbine Potsdam auf. Zweimal wurde sie belgische Meisterin, sie absolvierte 97 Partien in der Nationalmannschaft.

Jessica Wissmann. Frauen - Bundesliga - SGS Essen (weiß) gegen TSG Hoffenheim (rosa) im Stadion an der Hafenstraße in Essen am Freitag den 17.10.2025.
Ist aktuell die Interimsfrau an der Seitenlinie der Essenerinnen von der SGS: Jessica Wissmann. © FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

SGS Essen will Vereinsidentität pflegen und Klassenerhalt sichern

„Jessica und ihr Team haben der Mannschaft eine sehr gute Stabilität, Struktur und Organisation gegeben und unglaublich hart gearbeitet“, sagt Jaques. „Auf dieser Arbeit möchte ich nun aufbauen und die Mannschaft und das Trainerteam auf dem weiteren Weg unterstützen.“ Die SGS sei ein Verein mit einer sehr familiären Atmosphäre. „Das kurzfristige Ziel ist natürlich der Klassenerhalt, aber mittelfristig muss genau diese Identität des Vereins überall erkennbar sein – auf und neben dem Platz. Ich freue mich auch schon sehr auf die vielen lautstarken Fans im Stadion an der Hafenstraße. Wir wollen sie unbedingt weiterhin auf unsere Seite ziehen und eine Atmosphäre erschaffen, in der wir nur schwer zu schlagen sind.“

Florian Zeutschler, der Geschäftsführer der SGS, sagt: „In den persönlichen Gesprächen konnten wir von Beginn an spüren, dass Sie perfekt zu der Identität und den Zielen unseres Vereins passt. Wir sind überzeugt davon, dass sie gemeinsam mit Jessica Wissmann und dem gesamten Trainerteam den positiven Trend der letzten Wochen fortsetzen wird.“

SGS Essen: Nun fünf Trainerinnen in der 1. Liga

Dass die SGS weiter auf eine Frau als Trainerin setzt, ist auch in der Frauen-Bundesliga keine Selbstverständlichkeit. Der 1. FC Köln wird von Britta Carlson  trainiert, Werder Bremen von Friederike Krom, der Hamburger SV von Liése Brancão und Union Berlin von Marie-Louise Eta – und nun auch die SGS als letzter reiner Verein ohne Männer-Klub-Unterstützung von Heleen Jaques.

Unter Co-Trainerin Jessica Wissmann waren der SGS zuletzt mehrere Erfolge gelungen: Nach dem Horror-Start in die Bundesliga-Saison gab es vier Liga-Spiele ohne Niederlage und den Einzug ins Pokal-Viertelfinale zu bejubeln.