Manchmal ist es so im Leben – wie man es macht, macht man es falsch. Nach der dramatischen 87:89-Niederlage der ETB Miners - trotz der sie die Tabellenführung in der 2. Basketball Bundesliga ProB verteidigten - vor 717 Fans am Hallo gegen die Eagles aus Itzehoe stand die Frage im Raum, ob man die letzten 37 Sekunden der Partie nicht anders hätte angehen können.
In einem bisweilen tollen Basketball-Spiel hatte der Pro B-Primus ETB gegen die hoch eingeschätzten Norddeutschen ein zwischenzeitliches Defizit von zwölf Punkten aufgeholt und besagte 40 Sekunden vor Schluss mit einem Punkt in Führung gelegen. Auszeit Essen, Ballbesitz Essen.
Essener treffen taktisch falsche Entscheidung
Doch statt schnell den Abschluss zu suchen, um auch den letzten Angriff des Spiels vortragen zu können, hatte sich Headcoach Lars Wendt dazu entschieden, die 24 Sekunden auszuspielen. Die Folge: keine Punkte für die Miners, Sven Cikara versenkte stattdessen zwei Sekunden vor dem Ende seinen Dreier – die Partie: verloren!

„Wir hatten bislang keine guten Erfahrungen mit schnellen Abschlüssen gesammelt“, erkläre Wendt nach der Partie. Hinzu kam der Umstand, dass Itzehoe in den Schlusssekunden noch einmal die eigene Defense umgestellt hatte. „Wir haben uns so wohler gefühlt.“ Und auch mit dieser Entscheidung gab es die Chance auf den Sieg, doch die Miners verloren die letzten Auseinandersetzungen am Brett – und dann wird es eben schwer.
ETB Miners ziehen Zwischenfazit nach starkem Saisonstart
Vor dem Spiel gegen Itzehoe war eine kurze Pause für die Miners, aber immerhin war es ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen nach bis dahin elf ausgetragenen Duellen in dieser Saison. Und so eine Pause lädt auch immer dazu ein, ein Zwischenfazit zu ziehen und auf dessen Basis an bestimmten Schräubchen zu drehen. Nun, man muss wohl nicht fürchten, mit der Tür ins Haus zu fallen, wenn man kurz und knapp festhält, welch außergewöhnlich starke und erfolgreiche Saison die Essener bis zu diesem Zeitpunkt hingelegt haben. Zehn Siege bei nur einer Niederlage (gegen Wedel), Platz eins der Tabelle – besagtes Zwischenfazit musste einfach positiv sein.
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Das sieht auch Headcoach Lars Wendt so, der sich und seinen Jungs verdientermaßen ein paar freie Tage gegönnt hatte. „Und die Jungs sind in einer guten Verfassung zurückgekommen, mehr noch: Wir haben wieder mehr Energie, das haben wir in den letzten Tagen deutlich gespürt.“
ETB Miners: Nie konstant - aber immer mal wieder
Alles gut also? Auf jeden Fall. Aber damit das auch langfristig so bleibt, darf man sich dann doch den einen oder anderen Punkt genauer anschauen. So wurde beispielsweise in dieser Saison die Tatsache hervorgehoben, bei den Miners präge immer mal wieder ein anderer Spieler eine Partie, und würde ausgleichen, was ein Leistungsträger nicht zu leisten im Stande war. So weit, so richtig und positiv. Doch im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass es eben zu oft Leistungsträger gibt, die unter ihren Möglichkeiten bleiben. Nie konstant. Aber immer mal wieder.

Im Fokus wieder einmal: Quashawn Lane. Der US-Amerikaner steht seit der Vorbereitung unter besonderer Beobachtung, so scheint es. Es lasten große Erwartungen auf ihm, die Lane in seinen ersten sieben bockstarken Spielen fast pulverisierte, in den vergangenen zwei, drei Spielen aber nicht mehr in dem Maße hatte erfüllen können. Abgesehen vom schwachen Spiel gegen Herten, vermochten das zwar die Statistiken zuletzt nicht unbedingt zu untermauern, was aber nur zeigt, was dem Point Guard eigentlich alles zugetraut wird. Lars Wendt: „Wir brauchen wieder mehr von ihm, er ist unser Dreh- und Angelpunkt.“ Lane sei zu passiv gewesen zuletzt, er müsse wieder aggressiver werden. „Er soll sich wieder mehr zutrauen.“
ETB Miners: Drei Spiele bis zur Weihnachtspause
Auch nach dem mühsam eingefahrenen Sieg zuletzt in Westerstede (84:78) hatte Raphael Wilder, Sportlicher Leiter und Co-Trainer, insgesamt bemängelt: „Der eine oder andere spielt gut, gleichzeitig spielen drei Jungs nicht so gut. Und das ist das, was wir zukünftig wieder besser machen wollen, auch um mehr durchwechseln zu können.“
Wir wollen das Gewinnen nicht aus den Augen verlieren, ist doch klar.
Lars Wendt, Trainer ETB Miners
Dies ist ein zweiter Punkt, den Lars Wendt noch ein wenig ausführte: „Wir wollen auch Jungs wie Raik Gäbler oder Lukas Ophelders mehr Eisatzzeiten geben, das ist in den vergangenen Wochen etwas zu kurz gekommen.“ Und Wendt machte auch klar, dabei auf Spielstände immer weniger Rücksicht nehmen zu wollen. „Wir wollen das Gewinnen nicht aus den Augen verlieren, ist doch klar. Aber wir haben das Vertrauen und müssen die Belastung steuern, dann profitieren wir am Ende der Saison auch davon.“
Und so richtete sich der Blick unmittelbar nach dem Spiel auch direkt auf die beiden letzten Aufgaben vor Weihnachten, mit der Zielsetzung, die Tabellenführung zu behaupten und sich eine gute Ausgangsposition für den schweren Januar zu schaffen. Bei den 49ers in Stahnsdorf und am 20. Dezember zu Hause am Hallo gegen Herten (19.30 Uhr) – „wir wollen beide Spiele unbedingt gewinnen“, so Lars Wendt. „Und genau das war die Stimmung in der Umkleidekabine.“


