Was genau in sieben Monaten durch seine Adern fließen wird, das weiß der ehemalige Europameister Marius Kusch selbst noch gar nicht. Anabolika, Testosteron, Wachstumshormone - bei den Enhanced Games im kommenden Mai ist all das erlaubt und erwünscht. Über konkrete Medikamente allerdings „sprechen wir noch nicht“, sagt der Schwimmer, das nervt ihn ein wenig: „Ich bin schon neugierig und will wissen, was es bringt. Das ist auch ein Teil meiner Motivation.“ Der 32-Jährige aus Datteln schwamm von 2009 bis 2023 für die SG Essen, im Rüttenscheider Hallenbad hatte er sich zum Spitzenschwimmer im Schmetterlingsstil gemausert.
- „So doof kann man gar nicht sein“ - Schwimmer sorgt für Entsetzen
- Essener: Drei Triathlons, drei Länder, drei Wochen – und drei Knochenbrüche
- Samstag startet sie beim Ironman auf Hawaii - vorher konnte Anna Schäfer kaum schwimmen
Kusch ist in Deutschland mittlerweile das Gesicht dieser „Doping-Spiele“, die 2026 in Las Vegas erstmals stattfinden sollen, sein Bekenntnis zur Teilnahme hat ihm einige Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik von anderen Sportlern eingebracht. Unter der Woche sprach er mit dem ZDF, nun gab er dem Spiegel ein ausführliches Interview. Der 32-Jährige betont darin die ärztliche Aufsicht, unter der die Mittel ausgewählt werden und auch noch einmal die großen finanziellen Verlockungen dieser Wettbewerbe.

Essener Skandal-Schwimmer: „Empfehlung“ mit Blick auf die Dopingmittel
Zum Kern der Sache wird er selbst erst in einigen Monaten vorstoßen. Schon jetzt befinden sich einige Sportlerinnen und Sportler in Las Vegas, „eine Art Trainingslager“ finde dort statt. Im kommenden Jahr geht es dann gemeinsam nach Abu Dhabi, wo es ernst wird: Das Ärzteteam spreche „jedem Sportler individuell“ eine „Empfehlung“ mit Blick auf die Dopingmittel aus. Die Athleten seien aber „komplett autonom“ in ihrer Entscheidung, ob und welche Präparate verabreicht werden.
Die Einnahme ist allerdings der ganze Sinn der Veranstaltung. Es geht darum, Grenzen auszutesten und irgendwie auch darum, Schaulust zu befriedigen: Welche Rekorde sind dem Menschen möglich, wenn Doping freigegeben wird? Genau dafür geben sich die Sportlerinnen und Sportler her, es sei „Entertainment“, sagt Kusch, gelockt wird mit hohen Prämien: Jeder einzelne Wettkampf soll mit einem Gesamtpreisgeld von 500.000 US-Dollar dotiert sein, für den ersten Platz gibt es 250.000 US-Dollar. Das Geld kommt von milliardenschweren Investoren, unter anderem aus Saudi-Arabien. Auch der libertäre US-Unternehmer Peter Thiel, ein Geburtshelfer der politischen Karriere Donald Trumps, spielt eine Rolle.
Essener Skandal-Schwimmer: „Einfach nur traurig“
Bekannte Schwimmer aus der Region reagierten fassungslos: „Das ist einfach nur traurig“, befand das Essener Schwimm-Idol Mark Warnecke. „Damit verrät er die Werte des Sports und verliert seinen Status als Vorbild für den Nachwuchs“, sagte der Welt- und mehrfache Europameister über 50 m Brust. Die gebürtige Bottroperin Kathrin Demler schwamm ebenfalls lange für die SG Essen. „Es kann passieren, dass junge Sportler künftig denken, sie können die Mittel auch nehmen, und nichts passiert. So öffnet man dem ganzen Thema eine Tür - und keiner weiß, wohin die führt.“ (Gold/SID)


