Zusammenfassung

  • Die Essener Initiative gegen sexualisierte Gewalt im Kinder- und Jugendsport sensibilisiert Sportvereine und Schulen für Prävention und Schutzmaßnahmen.
  • Jüngst wurde ein ehemaliger Essener Fußballtrainer wegen sexueller Übergriffe verurteilt, was die Dringlichkeit des Projekts unterstreicht.
  • Acht neue Sportvereine und zwei Schulen nehmen am Projekt teil, um Strukturen gegen Missbrauch zu schaffen und das Bewusstsein zu stärken.

Ein besonderer Anlass wird durch die Wahl eines besonderen Orts noch einmal spezieller. Und so kamen in der Villa Hügel am Baldeneysee jüngst mehrere Sportvereine zusammen, um den Abschluss eines besonderen Projekts zu feiern und acht neue Klubs und zwei Schulen für deren Start alles Gute zu wünschen. Eine Art Staffelstab-Übergabe, die als solche auch inszeniert wurde – mit dem Überreichen eines blaugefärbten Aluminiumstabs wie beim Läuferwechsel in der Leichtathletik.

++ Kinder jahrelang missbraucht? Essener Fußballtrainer in Haft ++

Im dritten Jahr läuft die „Essener Initiative gegen sexualisierte Gewalt im Kinder- und Jugendsport“ unter der Feder­führung des Essener Sportbunds (Espo) und gefördert durch die Krupp-Stiftung mittlerweile. Das Ziel: Verantwortliche und Helfer in Sport­institutionen sollen für das Thema sensibilisiert werden und Strukturen schaffen, um mögliche Übergriffe zu verhindern. „Unser Wunsch ist, dass alles, was wir hier lernen, nie angewendet werden muss“, sagte Espo-Geschäftsführer Thorsten Flügel.

Staffelstabübergabe des Projekts „Essener Initiative gegen sexualisierte Gewalt im Kinder- und Jugendsport“ in der Villa Hügel: Schwimmerin Kara und Triathlet Matthi vom teilnehmenden Helmholtz Gymnasium.
Staffelstabübergabe des Projekts „Essener Initiative gegen sexualisierte Gewalt im Kinder- und Jugendsport“ in der Villa Hügel: Schwimmerin Kara und Triathlet Matthi vom teilnehmenden Helmholtz Gymnasium. © privat | petergwiazda

Zehn Sportinstitutionen, ein Ziel

Anfang dieses Jahres war das Thema in Essen ein viel diskutiertes: Ein 27 Jahre alter ehemaliger Fußballtrainer und Erzieher aus Essen wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt nach sexuellen Übergriffen auf zwei fünf und 13 Jahre alte Jungen. Wenig später wurde ein 57-Jähriger festgenommen, der in einigen Vereinen des Ruhrgebiets aktiv war und seine Schützlinge über Jahre schwer misshandelt und missbraucht haben soll. Ähnliche Meldungen aus den umliegenden Städten gibt es ebenso. Und dass selbst das deutsche Spitzenturnen ein Problem hat, ist nach Missbrauchsvorwürfen von mehreren Sportlerinnen bundesweit bekannt.

Als er einst die ersten zehn Vereine für das im März 2022 gestartete Projekt suchte, habe er noch viele Absagen bekommen, erinnerte sich Flügel. Die Skepsis war groß. Kein Klub wollte den Anschein erwecken, etwas mit sexualisierter oder psychischer Gewalt zu tun zu haben. Flügel: „Dabei geht es um Prävention. Dass schon im Vorfeld alles Mögliche getan wird, um diese zu verhindern.“ Damals war die MTG Horst unter den ersten Mitwirkenden. Und der Klub aus dem Essener Osten zeigte sich lernwillig. „Es müssen ja nicht die ganz großen Geschichten sein, sexualisierte Gewalt kann ja schon durch Interaktion entstehen“, sagte Michaela Kunst. „Wie verhalte ich mich also als Übungsleiter? Wie reagiere ich als Vereinsverantwortlicher in bestimmten Situationen? Man bekommt einen Leitpfaden an die Hand gelegt.“

Ihre Kollegin Dunja Rüping stimmte zu. „Das Thema ist nun im Verein bekannt, man hat einen Ansprechpartner. Ob man den Erfolg aber messen kann? Spürbar ist zumindest, dass das Bewusstsein für das Thema stärker ist.“ Und so fanden sich neben acht neuen Sportvereinen in der dritten Runde auch zwei Schulen mit dem Schwerpunkt Sport: die Elsa-Brändström-Realschule aus Bergerhausen und das Helmholtz Gymnasium aus Rüttenscheid. Und die Klubs aus der ersten und zweiten Runde? Die sind angelernt, ausgelernt aber haben sie nicht, wie Espo-Geschäftsführer Thorsten Flügel erläuterte: „Es kommen immer wieder neue Kinder in die Vereine. Immer wieder muss also aufs Neue sensibilisiert werden. Prävention ist ein laufender Prozess.“

Die Teilnehmer der Projekt-Runde 2025/26

  • Elsa-Brändström-Realschule
  • ESC Moskitos Essen
  • Essener Jugend-Eiskunstlaufverein
  • Helmholtz Gymnasium
  • Kanusport-Gemeinschaft Essen
  • SG Essen-Schönebeck 19/68
  • Sport- und Tanzinternat Essen
  • Startgemeinschaft Essen
  • Team Talente Essen (Bündnis von Klubs aus olympischen Ball- bzw. Mannschaftssportarten)
  • Turn- und Sportverein Essen Margarethenhöhe