Der Wahnsinn geht weiter! Basketball-Pro B-Aufsteiger ETB Miners steht im Playoff-Halbfinale, im entscheidenden dritten Spiel der Runde der letzten acht Teams feierten die Essener einen 70:66-Sieg bei den Sixers in Sandersdorf. Nun heißt der Gegner Wolmirstedt, am Sonntag geht es nach Sachsen-Anhalt (15 Uhr), am darauffolgenden Freitag (16. Mai) steht Spiel 2 am heimischen Hallo an (20.15 Uhr). „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, meint Raphael Wilder. Eine vielleicht noch größere Sensation – ist der Sportliche Leiter der Miners doch sonst nie um Analysen und Worte verlegen.

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Doch dieses Team beeindruckt in diesen Tagen und lässt viele in ihrem Umfeld – im positivsten aller Sinne – vielleicht nicht ganz ratlos, aber doch fast sprachlos zurück. Und so ist dem ETB auch gegen Wolmirstedt alles zuzutrauen. Die Sachsen-Anhalter treten mit dem Selbstbewusstsein von 15 siegreichen Spielen in Folge an. Seit Mitte Januar sind die Ostdeutschen ungeschlagen. Doch die K.o.-Phase mit einer nur knappen Heimniederlage und einem Spiel in der Fremde, das die Miners trotz personeller Probleme lange offengestaltet hatten, hat gezeigt, dass man mit dem ETB weiter rechnen muss.

ETB Miners: Keine guten Voraussetzungen

Dieses Essener Team scheint nur schwer zu stoppen zu sein derzeit. Dabei waren die Steine, die den Schwarz-Weißen vor der Partie in den Weg gelegt wurden, riesig. Brian Dawson hatte kurz vor dem Sprungball passen müssen. Schon länger kämpft der Point Guard um seine Gesundheit, spielte krank und immer lange. In Sandersdorf ging es dann doch nicht mehr. Auch Noah Westerhaus war kurzfristig wegen Fersenproblemen ausgefallen. „Das waren keine rosigen Voraussetzungen“, so denn auch Headcoach Lars Wendt.

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Doch die Miners verteilten die Last. Überzeugten vor allem mit einer bockstarken Defense. Wusste Raphael Wilder kurz nach der Partie noch nicht, wen er loben sollte oder wollte, stellte Lars Wendt eine Mütze Schlaf später dann doch mit Sam Mpacko und Tim Schneider die Dawson-Vertreter ein Stückchen heraus. Tatsächlich hatten die beiden Kontrolle, was sich vor allem auch in der übersichtlichen Zahl der Turnover widerspiegelte: Ganze 13 waren es in 40 Minuten, die Sixers leisteten sich mit 25 Ballverlusten fast doppelt so viele. Es war erneut ein ganz enges Spiel – erneut hatten die Miners eine Antwort mehr.

Führt sein Team zu weiteren Erfolgen: Miners-Trainer Lars Wendt.
Führt sein Team zu weiteren Erfolgen: Miners-Trainer Lars Wendt.© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

ETB Miners: Saisonziele sind mehr als erreicht

Was ist da passiert? Nach einer Rückrunde zum Vergessen wirken die Essener in den Playoffs wie angeknipst. Schon im letzten Spiel der Hauptrunde in Leverkusen (damals unter Wilder, der den erkrankten Lars Wendt vertreten hatte) schien das Team wie ausgewechselt und konservierte eine starke Leistung für die Postseason, die die Miners nur dank der schwächelnden Konkurrenz erreicht hatte. Und nun? Gehört das Team zu den vier besten Teams der gesamten Pro B. Lars Wendt: „Wir können befreit aufspielen, die Saisonziele sind mehr als erreicht.“ Das tue der Mannschaft offensichtlich gut, „wir haben Spaß, wir spielen zusammen“. Im Kampf um die Playoffs, gerade gegen die Kellerkinder der Liga vor heimischem Publikum, habe man doch extremen Druck verspürt. „Der ist nun weg.“

Was Fragen aufwirft, die aber erst in der Sommerpause beantwortet werden dürfen. Denn: Ein Team muss perspektivisch natürlich gerade unter Druck performen können, sollte es am Basketball-Standort Essen doch noch einmal um mehr gehen irgendwann. Zukunftsmusik. In diesen Wochen geht es in Essen erst einmal darum, eine weitere Pro B-Saison zu finanzieren. Ende offen. Doch das Team macht derzeit gute Werbung – das darf man festhalten.