Die Moskitos Essen befinden sich in finanzieller Not, die Krise spitzt sich immer weiter zu. Am Montag erklärten alle drei Aufsichtsräte des Gesamtvereins und zwei Gesellschafter der ausgelagerten GmbH den Rücktritt von ihren Ämtern.
Nun allein an der Klubspitze: Thomas Böttcher, Vorsitzender des Stammvereins und Geschäftsführer der GmbH und Co. KG. Doch welche Rolle spielt der eingetragene Verein genau? Und welche die Gesellschaft? Wir geben einen Überblick.
Moskitos Essen: Das ist die Rolle des Stammvereins
Über den eingetragenen Verein (e.V.) laufen die Eishockey-Nachwuchsabteilung und die gesamte Skaterhockey-Abteilung der Moskitos Essen. 400 Kinder sind auf Nachwuchsebene in den beiden Sportarten bei den „Mücken“ aktiv. Vereinsvorsitzender ist Thomas Böttcher. Als stellvertretender Vorsitzender ist Timo Struwe auf der Mitgliederversammlung im Februar gewählt worden, Simone Wettstein ist seit der Versammlung zurück als Schatzmeisterin. In dieser Funktion war sie schon von Dezember 2019 bis März 2023 tätig.
Im Amt bestätigt wurden auf der JHV die Aufsichtsräte Thomas Schiemann, Frank Skrube (Wohnbau) und Robert Gunz, die am Montag jedoch in einer gemeinsamen Mitteilung ihren Rücktritt erklärten. Sie hätten in den vergangenen Wochen Böttcher mehrfach zu Gesprächen eingeladen und dazu aufgefordert, den Finanzstatus des Vereins voll offenzulegen - allerdings „leider erfolglos“. Böttcher dementierte das auf Nachfrage dieser Redaktion.
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Der Stammverein wird derzeit, laut der Moskitos, von Altlasten „im unteren sechsstelligen Bereich von 150.000 bis 200.000 Euro“ bedroht. Genau beziffert werden könne die Summe aber noch nicht. Dabei handelt es sich um nachträgliche Forderungen der Sozialversicherungsträger und Verwaltungs-Berufs-Genossenschaft (VBG) nach einer Lohnsteueraußenprüfung für die Jahre 2015 bis 2020, in dessen Rahmen der Verein bereits im November des vergangenen Jahres rund 150.000 Euro an das Finanzamt nachzahlen musste.
Wie die Moskitos die weiteren Forderungen genau auffangen wollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Zuletzt hatten sie immer wieder an ihre Fans appelliert, zusammenzustehen. „Jeder könne etwas beitragen: durch Spenden, Engagement oder neue Ideen“, hieß es in einer Mitteilung. Dass sich die sechsstellige Summe allein durch Spenden der Anhänger auffangen lässt, erscheint jedoch unrealistisch.

Wichtig: Der Stammverein ist der Lizenzgeber für den Oberliga-Spielbetrieb. Bedeutet: Ohne eingetragenem Verein gibt es kein Oberliga-Eishockey in Essen. Im Falle einer Insolvenz des Stammvereins würde auch die Spielbetriebs GmbH und Co. KG ihre Funktion verlieren.
Andersherum bedeutet das aber auch: Geht die Spielbetriebs GmbH und Co. KG in die Insolvenz, muss das nicht zwangsläufig das Aus für die Moskitos als Stammverein bedeuten. Der Fokus der Verantwortlichen liegt also darauf, den e.V. zu retten.
Moskitos Essen: Das ist die Rolle der Spielbetriebs GmbH und Co. KG
Im vergangenen Sommer haben die Moskitos den Spielbetrieb der Oberliga-Profis vom eingetragenen Verein in eine Spielbetriebs GmbH und Co. KG ausgegliedert. Die Gesellschaft ist im Juli 2024 dem Handelsregister hinzugefügt und vor allem aus zwei Gründen ins Leben gerufen worden: Der Vereinsvorsitzende haftet nicht mehr mit seinem Privatvermögen wie beim e.V. und der Stammverein wird vor den finanziellen Herausforderungen der Profis geschützt.
Geschäftsführer ist Thomas Böttcher, der mit seiner Firma „TB Deko und Style Unternehmergesellschaft“ 12,5 Prozent (eine Stimme) und als Vereinsvorsitzender über den Stammverein weitere 50 Prozent (vier Stimmen) an der GmbH hält. Damit ist der 60-Jährige die entscheidende Person und kann viel alleine entscheiden.
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Seine Mitgesellschafter Schiemann (25 Prozent/zwei Stimmen) und Fabian Henn (12,5 Prozent/eine Stimme) erklärten am Montag ihren Austritt aus der Gesellschaft. Der Grund - derselbe wie bei den Aufsichtsräten des Stammvereins: Sie hätten in den vergangenen Wochen Böttcher mehrfach zu Gesprächen eingeladen und dazu aufgefordert, den Finanzstatus des Vereins voll offenzulegen – allerdings „leider erfolglos“.
Darüber hinaus teilten Schiemann und Henn mit, dass für die Gesellschaft bis vor wenigen Tagen offensichtlich „keinerlei Buchhaltung existiert“ habe. Das wiederum bestätigte Böttcher auf Nachfrage dieser Redaktion. Grund dafür können allerdings nicht die Altlasten aus der Vergangenheit sein, weil es die GmbH und Co. KG erst seit Juli des vergangenen Jahres gibt. Nur neun Monate nach der Gründung droht der Gesellschaft schon wieder das Aus. Dabei hatte Böttcher im September 2024 noch betont, die Ausgliederung sei „ein entscheidender Schritt für die Zukunft unseres Vereins“.




