Diese Szene ist noch immer purer Irrsinn. Denn so sehr man sein Hirn auch zermartert, es will keine auch nur ansatzweise vergleichbare Situation nach vorne ins Gedächtnis huschen. Ein Linienrichter, der einen Spieler so schwer verletzt, dass dieser Spieler zumindest die Gefahr des ungeplanten Karriereendes im Nacken spürt? Das ist vergleichsweise beispiellos. Als die Füchse zum Play-off-Auftakt der vergangenen Saison die Lindau Islanders mit 5:2 besiegten, da verkündete der Eishockey-Oberligist EV Duisburg auch die Vertragsverlängerung mit Martin Schymainski. „Schymmi“ – und das liegt nicht nur an dem in Duisburg auch aus TV-historischen Gründen Glückseligkeit auslösenden Spitznamen – ist ein Publikumsliebling. Er gibt auch mit 40 Jahren noch stets den letzten Schweißtropfen, hat über 1100 Profispiele absolviert, die meisten in der DEL. Und er ist waschechter Duisburger. Doch ausgerechnet er fehlte am Montagmittag beim Trainingsauftakt des EVD.

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„Die Situation wird von Woche zu Woche neu bewertet“, erklärt Tom Södler, der Geschäftsführer der Füchse. „Aktuell denken und hoffen wir, dass Schymmi Richtung November zum Team stoßen kann. Aktuell ist an Training nicht zu denken.“ Viermal arbeiten Physios mit dem EVD-Routinier. Dass der Linienrichter auf die zuvor schon oft verletzte Schulter stürzte, ist freilich unglücklich. Dass er dies aus, mit viel Wohlwollen, Übermotivation heraus tat, um eine Situation zu schlichten, die dessen nicht bedurfte und er dabei irgendwie, wie auch immer, hinfiel, geht über unglücklich hinaus. Zu ändern ist es freilich nicht mehr.

Wir wollen noch einen deutschen Stürmer vor dem Saisonstart verpflichten.

Tom Södler, Geschäftsführer der Füchse Duisburg

„Wir wollen noch einen deutschen Stürmer vor dem Saisonstart verpflichten“, sagt Södler klipp und klar. „Es gibt zwei Kandidaten.“ Einer dieser Kandidaten, das ist inzwischen ein offenes Geheimnis, ist Philipp Kuhnekath. Der Neffe des früheren EVD-Torhüters Ulrik Kuhnekath hat schon 2016/17 sechsmal für die Füchse auf dem Eis gestanden und dabei zwei Tore und eine Vorlage verbucht. Seit 2021 reifte er zum gestandenen DEL2-Spieler. Noch in dieser Woche wirde „Kuhne“ zum Team stoßen und zunächst einmal als Gastspieler am Training teilnehmen. „So kann er sich fithalten. Und vielleicht gefällt es ihm so gut, dass er dann auch fest zu uns kommt“, sagt Södler. Kandidat Nummer zwei will Södler nicht nennen. „Es könnten sich ja auch noch andere Vereine für ihn interessieren.“ Trainer Frank Petrozza sagt: „Wer es auch wird: Beide würden uns nach vorne bringen.“

Der EV Duisburg startet mit dem ersten Training in die neue Saison
Für Pascal Grosse und Co. hat die Eiszeit 2026/27 begonnen.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Es gibt aber auch Plan C. Bislang ist, wie schon oft verkündet, geplant, den dritten Importspieler im November zu verpflichten. „Sollten wir bis zum Saisonstart keinen deutschen Stürmer finden, könnten wir das natürlich vorziehen.“ So oder so: Bis zum Auftaktspiel am 16. September in Neuwied soll der neue Mann da sein.

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Derweil ist Trainer Frank Petrozza vom Trainingsauftakt angetan. Freilich, der Stamm eigener Spieler ist eher klein, aber die Masse der zur Verfügung stehenden Förderlizenzspieler aus Köln und Iserlohn ist groß. „Ich glaube, es waren acht oder neun“, sagt der Coach über das Auftakttraining. Neben den Torhütern Nico Wiens und Aaron Kaiser „werden Verteidiger Nikita Müller und Stürmer Tobin Brandt fest bei uns spielen“, verkündet Södler. Aus Iserlohn wird stets entweder Bence Farkas oder Daniel Geiger kommen. Auch Verteidiger-Toptalent Gordejs Radionovs soll nach Möglichkeit Einsätze in Duisburg bekommen. „Jederzeit herzlich willkommen. Der Junge ist top“, sagt Petrozza, der sich gerade auch von Nikita Müller begeistert zeigt. „Da sind sehr gute Jungs dabei. Wir werden mit diesem Team eine gute Rolle spielen können“, ist Petrozza überzeugt. Für den Coach gilt nach wie vor die „Team-First“-Mentalität. „Wenn du spielen willst, dann gib alles. Der Teamzusammenhalt macht 50 bis 60 Prozent aus“, sagt der Coach, der von den erfahrenen Förderlizenzspielern den nächsten Schritt erwartet, aber auch sagt: „Unsere Top-Spieler müssen unsere Top-Spieler sein.“

Den ersten Probelauf gibt es am Sonntag. Dann sind um 15 Uhr die Heilbronner Falken zum Testspielauftakt an der Wedau zu Gast. Am Dienstag trainieren die Füchse von 18 bis 19.45 Uhr – dazu sind auch die EVD-Fans eingeladen. Wie heißt es in einer berühmten Serie? „Winter is coming“!