Das war nicht der Tag von Sebastian van Santen. Der Kicker von Rhein Fire gilt als einer der besten auf seinem Gebiet in der American Football League Europe. Doch diesmal? Da scheiterte er im Spiel gegen die Alpine Rams in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena gleich bei vier Extrapunktversuchen. Außerdem ging ein Field-Goal-Versuch daneben. Dass der frühere Fußballer, der einst in der Jugend für den MSV Duisburg der runden Ballvariante hinterherjagte, dennoch mit fünf erfolgreichen Versuchen eine positive Quote beim „Point after Touchdown“, wie das Ganze offiziell heißt, aufweisen konnte, sagt eine Menge über das Spiel aus. Denn die Hausherren gewannen vor 5136 Zuschauern mit 59:6 (12:0, 28:6, 6:0, 13:0) gegen die Gäste aus dem schweizerischen Biel.

Dass der erwähnte Field-Goal-Versuch fünf Minuten nach Beginn des dritten Viertels in die Binsen ging, ist übrigens alles andere als ehrenrührig: Van Santen unternahm dieses Unterfangen aus 59 Yards Entfernung. Den meisten Statistiken zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, das Spielgerät dann noch zwischen den Pfosten zu versenken, bei 50 Prozent oder weniger. Dennoch war der Modellathlet diesmal scheinbar nicht ganz im Vollbesitz seiner eigentlichen Fähigkeiten. Denn auch so mancher Kick-off landete im Seitenaus, sodass die Schweizer regelentsprechend an der eigenen 40-Yard-Linie starten konnten. Doch das alles spielte keine Rolle. Also wirklich überhaupt keine.
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Dabei hatten die Rams sogar in ordentlichem Maße Ballbesitz und zumindest in der frühen Phase des Spiels den einen oder anderen offensiven Moment, waren aber defensiv komplett überfordert. Denn zu den neun tatsächlich gezählten Touchdowns kamen noch zwei weitere hinzu, die allerdings aufgrund von Fouls der Gastgeber während des jeweiligen Spielzugs wieder zurückgepfiffen worden sind. Das war ganz besonders rund drei Minuten vor der Halbzeitpause bitter, denn Nazir Streater trug einen Punt-Return praktisch über das ganze Feld in die Endzone, bemerkte aber schon ein, zwei Schritte vor dem Ziel, dass eine gelbe Flagge der Schiedsrichter auf dem Spielfeld lag und sein mitreißender Lauf damit für die Katz‘ war. Kaum eine Minute später wurde es aber dennoch schick, als Quarterback Kenji Bahar einen Pass von Höhe der Mittellinie auf Kaylon Geiger warf, der damit den wohl spektakulärsten Touchdown der Partie feiern durfte. Übrigens: Der andere nicht anerkannte Touchdown wäre ebenfalls auf Geigers Konto gegangen – auch bei ihm wäre es ein Punt-Return gewesen.
Alles zu Rhein Fire:
Ab dem dritten Viertel konnte sich Rhein Fire den Luxus erlauben, dem Backup-Quarterback Tom Wolf Einsatzzeit zu verschaffen, der sich nach einigen wackligen Pässen zu Beginn der zweiten Halbzeit dann aber sichtlich über einen erfolgreichen Touchdown-Pass auf Sven Breidenbach freute. Eine Sache bleibt übrigens auch nach dem Liga-Neustart der AFLE, der in der Summe eine Menge Zuschauer kostete, gleich: Die Leidenschaft, die Fans und Helfer bei Rhein Fire investieren, ist bemerkenswert. Dafür war eine Szene symptomatisch: Als vor Spielbeginn die Feuerfontänen in den Himmel schossen und die Spieler wie üblich aufs Feld stürmten, da ging ein Betreuer, der sich um die Getränke auf der Fire-Bank kümmert, voll mit. Er sprang immer wieder in die Luft und klatschte dem Team zu. Der Enthusiasmus, der diesem Team trotz aller Probleme entgegengebracht wird, ist beachtlich.
In der regulären Saison stehen für Rhein Fire, das mit diesem Sieg die Play-offs auch rechnerisch erreicht hat, noch drei Auswärtsspiele an: in Berlin (9. August), in Florenz (16. August) und in Palma de Mallorca gegen London (22. August).
Rhein Fire – Alpine Rams 59:6
Touchdowns: Kaylon Geiger, Jonathan Scott (je 2), Harlan Kwofie, Joshua Scott, Sven Breidenbach, Sergej Kendus, Giacomo De Pauli; Extrapunkte: Sebastian van Santen (5).



