Christoph Lörcks ist im Dauerstress. Sein Handy? Das steht nicht still, klingelt beinahe im Minutentakt. Das ist für einen General Manager eines Football-Clubs zum Saisonstart kaum etwas Ungewöhnliches. Doch dieser Saisonstart ist eben doch speziell. Zum zweiten Mal nach 2007, als die NFL Europe dem Team von Rhein Fire unter den Füßen zusammenbrach, ist die Liga, in der die Weinroten spielen, die so viele Fans – einst nach Düsseldorf und Gelsenkirchen, inzwischen nach Duisburg – ins Stadion locken, im Chaos versunken. Die European League of Football bot sportlich von 2021 bis 2025 ein gutes Produkt. Rhein Fire gewann in den Jahren 2023 und 2024 die Meisterschaft, beim ersten Mal in einer ausverkauften Schauinsland-Reisen-Arena.

Mark Ridgley ist der neue Cheftrainer von Rhein Fire.
Mark Ridgley ist der neue Cheftrainer von Rhein Fire.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Doch hinter den Kulissen des schönen Scheins in einer Sportart, die die Show so liebt, brodelte es gewaltig. Der Streit mit Ligachef Zeljko Karajica um mangelnde Transparenz und finanzielle Fragwürdigkeiten führte nach der vergangenen Saison zum Crash der ELF. Es geht zwar für die meisten Teams weiter, doch auch der Neustart brachte Sorgenfalten. Denn ein Teil der Teams entschied sich, die Franchise-Vereinigung European Football Alliance (EFA) zu einer Liga umzurüsten. Andere, darunter Rhein Fire, entschieden sich für das Alternativprojekt, die American Football League Europe (AFLE). Gespräche über eine künftige Fusion der Ligen oder aber zumindest ein gemeinsames Endspiel – ganz dem Vorbild der Entstehung des Superbowls folgend – gibt es scheinbar, doch zumindest 2026 werden beide Ligen, AFLE und EFA, getrennt voneinander agieren.

Unser Anspruch muss es sein, dass wir 8000 bis 10.000 Zuschauer haben.

Christoph Lörcks, General Manager von Rhein Fire

„Wir müssen bei den Fans Vertrauen zurückgewinnen“, sagt Christoph Lörcks vor dem Heimspiel am Samstag (18 Uhr, Schauinsland-Reisen-Arena) gegen die London Warriors. Aktuell deuten die Ticketverkäufe daraufhin, dass sich die Zuschauerzahl zur Saisonpremiere bei rund 5000 einpendeln dürfte. Das ist in Augen und Ohren anderer Teams ein Luxusproblem, doch der Fire-GM sagt ganz klar: „Unser Anspruch muss es sein, dass wir 8000 bis 10.000 Zuschauer haben.“

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Lörcks selbst sagt, dass es ligaintern nie Zweifel darüber gab, dass das Team aus London auch tatsächlich an den Start gehen werde, „dennoch bin ich von unseren Zuschauern begeistert, dass sie in solch hoher Zahl Karten gekauft haben“. Denn das Team aus der britischen Hauptstadt hat erst seit wenigen Wochen einen Namen. Es schien lange unklar zu sein, ob das Projekt auch wirklich an den Start gehen würde. Zum Saisonauftakt vor einer Woche gab es für die Engländer eine 21:41-Niederlage gegen die Wroclaw Panthers. Zum einen sind die Polen so etwas wie das Team in Lauerstellung hinter Rhein Fire und den Vienna Vikings. Zum anderen konnten die Warriors nur mit einem Importspieler antreten. „Alle anderen werden gegen uns wohl zum ersten Mal auflaufen“, sagt Lörcks. Keine Frage: Der Zusammenbruch der ELF sorgte dafür, dass viel mit der heißen Nadel gestrickt werden musste.

Marvellous Imade ist einer der Runningbacks von Rhein Fire.
Marvellous Imade ist einer der Runningbacks von Rhein Fire.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Für Fires neuen Headcoach Mark Ridgley und sein Trainerteam machte dies die Aufgabe, das Team aus der Rhein-Ruhr-Region auf den ersten Gegner vorzubereiten, nicht gerade einfacher. Sportlich ist aber davon auszugehen, dass Rhein Fire zu den heißen Anwärtern auf die erste Meisterschaft der AFLE gehört. Passenderweise ist wie 2023 in der ELF erneut ein Finale im eigenen Stadion möglich, denn der „Gold Bowl“, wie das Endspiel getauft worden ist, wird am 6. September in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena ausgetragen.

Die Männer für den „Foot-Ball“: Punter Maximilian Eisenhut (links) und Kicker Sebastian van Santen.
Die Männer für den „Foot-Ball“: Punter Maximilian Eisenhut (links) und Kicker Sebastian van Santen.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Ein Garant für den sportlichen Erfolg – neben vielen anderen neuen wie alten bekannten Spielern – ist der Quarterback des Teams: Mit Kenji Bahar haben die Weinroten einen Spielmacher gefunden, der bei den Baltimore Ravens sogar schon NFL-Erfahrung sammeln konnte. Weil das so ist, können die Duisburger eine andere Personalie wohl auch ganz gut verkraften. Nach dem Aus der Madrid Bravos in der EFA wechselte deren Headcoach Dave Warner nach Duisburg und kümmerte sich um die Quarterbacks. Nun hat er das Angebot bekommen, die Prague Lions, ebenfalls in der EFA, zu übernehmen. „Diesem Wechsel wollten wir nicht im Weg stehen“, sagt Lörcks. „Die wichtigste Arbeit in der Vorbereitung ist erledigt. Neben unserem Offensive Coordinator Rohat Dagdelen kann auch Kenji Bahar das Coaching für die weiteren Quarterbacks übernehmen“, sagt der Fire-GM.

Alles zu Rhein Fire:

Gut für die Fire-Fans: Mit AFLE+ hat die neue Liga einen eigenen Streamingdienst ins Leben gerufen. Außerdem werden viele Spiele, darunter auch alle Auswärtsspiele von Rhein Fire, im Free-TV von Sport1 übertragen. „Unser erstes Heimspiel nicht“, sagt Lörcks, der mit einem Augenzwinkern hofft, dass noch viele Fans Tickets an der Abendkasse kaufen werden. Denn rein sportlich sollte das Produkt Rhein Fire einmal mehr gehobenen Ansprüchen, aus deutscher beziehungsweise europäischer Sicht, genügen. Bleibt für den Club nur zu hoffen, dass diese Liga nun beständiger sein wird.

Der Rhein-Fire-Spielplan 2026

Sa., 30. Mai, 18 Uhr: Rhein Fire – London Warriors; Sa., 6. Juni, 16.45 Uhr: Vienna Vikings – Rhein Fire; Sa., 13. Juni, 18 Uhr: Rhein Fire – Paris Lights; So., 21. Juni, 17.10 Uhr: Rhein Fire – Berlin Thunder; Sa., 27. Juni, 17.10 Uhr: Alpine Rams (Biel) – Rhein Fire; So., 12. Juli, 16.55 Uhr: Rhein Fire – Wroclaw Panthers; Sa., 18. Juli, 17.10 Uhr: Rhein Fire – Vienna Vikings; So., 26. Juli, 16.40 Uhr: Paris Lights – Rhein Fire; Sa., 1. August, 18 Uhr: Rhein Fire – Alpine Rams; So., 9. August, 16.10 Uhr: Berlin Thunder – Rhein Fire; So., 16. August, 16.40 Uhr: Firenze Red Lions – Rhein Fire; So., 23. August, 16.10 Uhr: London Warriors – Rhein Fire.