Und Mila Primke tanzte. Also sitzend. Während draußen in der Schauinsland-Reisen-Arena stimmungsvolle Musik die Läuferinnen und Läufer, die etwas länger brauchen, aber als Finisher des Rhein-Ruhr-Marathons in Duisburg ebenfalls Siegerinnen und Sieger sind, anspornte, wippte die Dortmunderin im Takt kurz vor Beginn der Pressekonferenz völlig aufgekratzt mit. Dass Laufen ihre Leidenschaft ist, ist ihr deutlich anzumerken. Bei der 43. Auflage des Duisburger Citymarathons gewann sie die Halbdistanz und kannte den eher überraschenden Sieger über die volle Strecke bei den Männern bestens: Denn Elias Kroll vom USC Bochum und Mila Primke hatten im vergangenen Jahr den Bochumer Halbmarathon für sich entschieden. „Ich hatte noch ein paar Kilometer im Tank“, erklärte der 23-Jährige, warum er sich für den vollen Marathon an Rhein und Ruhr entschieden hatte. Da stimmte die Tankanzeige ganz offenbar.
Ich hatte noch ein paar Kilometer im Tank.
Elias Kroll, Sieger des 43. Rhein-Ruhr-Marathons in Duisburg
Derweil sorgte Katharina Wehr einmal mehr für ein läuferisches Ausrufezeichen. Über die volle Distanz von 42,195 Kilometern war sie abermals die schnellste Frau. „Ich bin völlig platt, aber überglücklich“, sagte sie kurz nach dem Zieleinlauf mit einem Strahlen im Gesicht, das die komplette Arena hätte erhellen können. Denn mit diesem Erfolg stieg sie in den Olymp eines der ältesten Citymarathons Deutschlands auf: Nach ihrem Hattrick von 2022 bis 2024 und dem zweiten Platz im Vorjahr gewann die Athletin des ASV Duisburg nun schon zum vierten Mal in ihrer Heimatstadt und zog dadurch mit Antje Möller (2001, 2005, 2006, 2010) gleich. Das gleiche Kunststück gelang bei den Männern Winnie Spanaus (1995, 1996, 1998, 1999) und Magnus Kreth (2006, 2008, 2010, 2013). Bemerkenswert: Alle vier „Vierfachen“ liefen und laufen für den ASV.

„Das fühlt sich jetzt ein wenig alt an“, flachste Katharina Wehr nach ihrem Erfolg, die wie so viele andere bestätigte, dass die Unterstützung der Duisburgerinnen und Duisburger in diesem Jahr noch einmal etwas mehr herausragte als ohnehin schon. „Die Leute machen wirklich viel, um uns Läuferinnen und Läufer zu unterstützen“, berichtet sie. Einige Läufer nehmen das Ganze mehr wahr als andere. Simon Bong, nach 2022 und 2025 nun zum dritten Mal auf der halben Distanz siegreich: „Wenn es gut läuft, bin ich in einem Tunnel. Wenn es so läuft wie heute, nehme ich alles mit“, erklärte er mit einem Lachen. Der Hamburger berichtete, dass es irgendwo bei Kilometer 14 oder 15 ziemlich schwer wurde.

Derweil konnte sich Volldistanz-Sieger Elias Kroll auf seine Freundin Merle verlassen, die ihn auf dem Fahrrad begleitete. „Ich hörte immer: Komm schon, Elias!“, berichtet er hinterher mit einem Lächeln. Lange Zeit lief er in einem Quartett und setzte sich schließlich ab. Jan Neuens vom ASV Duisburg wurde Dritter und freute sich über den Podestplatz riesig. „Duisburg ist großartig. Hier muss ich einfach laufen“, sagte er über seinen Heimatwettbewerb. Kroll hatte übrigens eine Zeit von unter 2:30 Stunden angepeilt und war letztlich sogar noch zwei Minuten schneller.
Start und Ziel beim 43. Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg
Dramatisch verlief das Rennen bei den Frauen: Denn mit Vorjahressiegerin Stephanie Breitkreuz war eine weitere Favoritin aus Duisburg im Rennen, doch irgendwo zwischen Kilometer 25 und 30 musste sie diesmal das Handtuch werfen. „Das tut mir für Steffi sehr leid“, sagte die Zweitplatzierte Doris Kluge-Schöpp. Derweil erklärte Katharina Wehr: „Ich hatte zuletzt einige persönliche Bestmarken gesetzt und auch heute eine Bestzeit gelaufen. Aber wer gewinnt, hängt auch davon ab, wer sonst noch dabei ist.“ Dass es sich aber besonders schön anfühlt, abermals ganz oben zu stehen, das war der Duisburger Alleskönnerin anzumerken.

Derweil war Mila Primke von ihrem Sieg in Duisburg ein wenig geplättet. „Ich hatte in den letzten zwei Monaten immer mal wieder kleine Verletzungen und bin daher einfach mal losgelaufen“, berichtet sie. „Bei Kilometer zwölf dachte ich die Führende im Halbmarathon überholt zu haben, merkte dann aber, dass sie eine Marathonläuferin war. Ich war komplett lost. Selbst im Ziel war ich mir nicht sicher, ob ich nun wirklich gewonnen hatte.“ Simon Bong bestätigte ebenfalls, dass ihm die Stimmung und besonders der Zieleinlauf im Stadion gut gefallen. „Das ist der Grund, warum ich immer wieder so gerne nach Duisburg komme“, erklärte der Halbdistanzsieger.
Weiter geht es mit der 44. Auflage im Mai 2027. Der genaue Termin hängt aufgrund des Arena-Einlaufs vom Spielplan des MSV Duisburg in der kommenden Saison ab. Nach dem Rekordergebnis von 9336 Starterinnen und Startern „peilen wir für das nächste Jahr die 10.000er-Marke an. Man muss ja Ziele haben“, sagt Cheforganisator Peter Serfort.
Die Siegerinnen und Sieger
Marathon, Männer: 1. Elias Kroll (USC Bochum) 2:28:06 Stunden; 2. Max Komes (MTW Bruegemann) 2:30:32; 3. Jan Neuens (ASV Duisburg) 2:30:42; Frauen: 1. Katharina Wehr (ASV Duisburg) 2:50:29; 2. Doris Kluge-Schöpp 2:54:24; 3. Annika Blaskowski 2:55:53.
Halbmarathon, Männer: 1. Simon Bong (Laufteam Hamburg) 1:08:49; 2. Renee Bongers (Ayyo Team Essen) 1:13:50; 3. Yann Lahser (LC Adler Bottrop) 1:15:38; Frauen: 1. Mila Primke (Dortmund) 1:22:25; 2. Liv Schwarzer (Laufsport Bunert) 1:29:10; 3. Melina Schockmann (Dermasence) 1:29:40.
Inline-Marathon, Männer: 1. Alexander José Bastidas Rodriguez (SRC Berlin) 1:09:50; 2. Fabio Vanes (Sportsnutritionadvice.eu) 1:11:56; 3. Timo Lehnertz (Der-rollenshop WR Team) 1:16:32; Frauen: 1. Bianca Fliesenberg (SV Heepen Skate-Team Bielefeld) 1:26:05; 2. Dina Lihs (Ruhrboss 03) 1:345:58; 3. Laura Sopalla (VfR Büttgen) 1:35:05.






















































