Eine Weltmeisterschaft ohne Deutschland? Im Männerfußball zwar in grauer Vorzeit schon mal dagewesen, aber heutzutage eigentlich undenkbar. Im Rollhockey gilt das grundsätzlich auch, wobei die Ergebnisse für die Auswahl des Deutschen Rollsport- und Inlineverbandes (DRIV) gerade in der jüngeren Vergangenheit eher wenig erfreulich ausfielen. Wenn im Oktober dieses Jahres die World Skate Games einschließlich des Kampfes um die Rollhockey-Welttitel in Paraguays Hauptstadt anstehen, wird die schwarz-rot-goldene Fahne aber nicht zu sehen sein.

Auch interessant

Vor einigen Tagen wurde auf der Facebook-Seite der Sportkommission Rollhockey im DRIV eine Mitteilung veröffentlicht, die für Aufsehen sorgte: „Der Vorstand der Sportkommission Rollhockey hat die Nationalspielerinnen und Nationalspieler sowie den Staff der Damen-, der Herren- und der U19-Herren-Nationalmannschaft darüber informiert, dass wir an den World Skate Games 2026 (...) nicht teilnehmen werden. Dies habe zum einen organisatorische, vor allem aber finanzielle Gründe. Eine Reise nach Südamerika für drei Teams ist derzeit einfach nicht finanzierbar. Die Kosten müssten nahezu vollständig auf Spieler/innen und Vereine umgelegt werden. Die World Skate Games 2024 in Italien zeigten zudem: Ohne Aufstiegsmöglichkeit in die A-WM ist auch der sportliche Anreiz für eine Teilnahme an der B-WM einfach nicht gegeben.“

Stölzel hat Verständnis

Die Reaktionen fielen gemischt aus. Während der finanzielle Aspekt teilweise auf Verständnis stieß, sahen andere einen weiteren Schritt zum Ende des längst nur noch Nischenstatus besitzenden Rollhockeys in Deutschland. „Ich kann den Ansatz mit dem finanziellen Grund schon verstehen“, sagt Jens Stölzel, Abteilungsleiter bei der RESG Walsum. Der Rekordmeister wäre zwar bei Herren und Damen nicht betroffen gewesen, dafür aber bei der U-19-Auswahl, für die der Walsumer Spielertrainer Miquel Vila als Coach verantwortlich ist. Die RESG-Spieler Julian Haubrock und Florian Keil hätten sich zudem Hoffnung auf die Reise zur WM machen dürfen. Freilich bedauert Stölzel, selbst früher deutscher Nationaltorwart und mehrfacher Weltmeisterschaftsteilnehmer, die Absage aus sportlicher Sicht: „Gerade die internationale Erfahrung ist so ungemein wichtig.“ Die geht vielen deutschen Akteuren schon dadurch ab, dass ihre Vereine aus finanziellen Gründen auf die Teilnahme an den Europapokalwettbewerben verzichten.

Rollhockey-Bundesliga: RESG Walsum gegen TuS Düsseldorf Nord
Auch RESG-Talent Julian Haubrock wird mit dem deutschen U-19-Team nicht nach Paraguay reisen.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Rein aus Rollhockey-Perspektive fällt es schwer, die Auswahl des Austragungsortes zu verstehen, zumal Paraguay nicht einmal selber am Turnier teilnimmt. Hintergrund ist, dass die World Skate Games sämtliche Rollsport-Disziplinen umfassen, vom Tretroller-Freestyle über den Rollkunstlauf bis zum Vollkontaktsport Roller Derby. Ob es eine so gute Idee ist, dies alles zusammenzufassen, statt die WM in einer speziellen Sportart in einem Land auszutragen, in dem sie auch populär ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Anreise per Flugzeug dauert einen ganzen Tag und wäre entsprechend teuer, die Unterkunft müsste ebenso finanziert werden. Zuschüsse von Bundesseite gibt es bekanntlich nicht, da Rollhockey ja keine olympische Sportart ist. Vor vier Jahren, als die Weltmeisterschaft im argentinischen San Juan stattfand, war die Finanzierung der strapaziösen 40-Stunden-Anreise übrigens noch möglich gewesen. Seinerzeit machten sich der Walsumer Christopher Nusch als Assistent von Nationaltrainer Tobias Wahlen und RESG-Betreuer Stephan Lettau mit auf den langen Weg über die Anden.

Kein A-Jugend-Camp

Die nächste Negativnachricht folgte am vergangenen Wochenende: Da verkündete die Sportkommission Rollhockey, dass das in diesem Jahr geplante Trainingscamp für die deutschen A-Jugendlichen in den Niederlanden nicht stattfinden kann. „Grund für die Absage ist, dass sich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine ausreichende Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern angemeldet hat, um das Camp wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll durchführen zu können“, heißt es in der Mitteilung. Dies sei sehr bedauerlich, da das Jugendcamp „eine wichtige Maßnahme zur Förderung der Nachwuchsspielerinnen und -spieler“ darstelle.

Nur wenige Tage vorher hatte die Sportkommission Rollhockey bereits eine Mitteilung veröffentlicht, die bei Freundinnen und Freunden der Sportart nicht sehr gut angekommen war. Demnach musste die Austragung einer Endrunde um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen A-Jugend bereits jetzt abgesagt werden. Der Grund: Es fand sich kein Ausrichter für das entsprechende Endturnier – obwohl „sich mehrere Vereine gemeldet haben, die mit einer Mannschaft an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen wollten“, wie es in der Mitteilung heißt. Im männlichen Nachwuchsbereich wurden je zwei Meisterschaftsturniere nach Cronenberg und Düsseldorf sowie eines nach Remscheid vergeben. Der TuS Düsseldorf-Nord ist überlegener Erster der NRW-Landesliga bei der weiblichen A-Jugend, die IGR Remscheid liegt auf Platz drei. Die RESG Walsum ist bei den Mädchen nicht vertreten. 2023 hatte der Verein zuletzt die deutsche U-13-Meisterschaft ausgerichtet.