Vom Fußballgott ist oft die Rede. Wenn es im Sportolymp einen übersinnlichen Kollegen mit dem Arbeitsbereich Eishockey geben sollte, dann hat er offenbar wirklich schlechte Wochen erwischt. Denn die personellen Rückschläge kurz vor und während der Play-offs kommen derzeit im Dauerfeuer. Wenn es keine Verletzungen sind, dann sind es die Kooperationspartner, die den Füchsen in der wichtigsten Phase der Saison Knüppel zwischen die Beine werfen. Denn die Adler Mannheim zogen Torhüter Leon Willerscheid aus Duisburg ab – damit er in der DEL auf Bank sitzen kann. Für ihn stand Marko Brlic im Tor, der zuletzt im Kasten der KEC-Junioren Spielpraxis sammelte. Das Gute an der Sache: Der junge Mann wurde zum Matchwinner, genauso wie Adam Zoweil, der im dritten Play-off-Achtelfinalspiel des Eishockey-Oberligisten EV Duisburg den Siegtreffer zum 4:3 (1:1, 1:2, 1:0, 1:0) nach Verlängerung erzielte. Damit führt der EVD in der Best-of-Five-Serie mit 2:1.
„Duisburg war heute bockstark. Und die Stimmung war hier genauso klasse wie bei uns. Ich freue mich jetzt schon auf Sonntag“, sagte Lindaus Trainer Michael Baindl. Auch Füchse-Coach Frank Petrozza betonte: „Ein Riesenkompliment an die Fans. Spielerisch haben wir das Spiel bis auf einen Hänger im zweiten Drittel, als wir zu viel wollten, dominiert.“ Es gab aber auch gute personelle Nachrichten: Sandis Zolmanis fühlte sich gut genug, um wieder für die Füchse auf dem Eis zu stehen. Und er bewies in gewohnter Manier seine Pucksicherheit und Übersicht. Und: Philipp Kuschel ist der nächste Baustein für die Saison 2026/27. Der Verteidiger wird auch in der kommenden Saison für den EVD auf dem Eis stehen.
Duisburg war heute bockstark.
Michael Baindl, Trainer der Lindau Islanders
Im ersten Drittel war klar, dass kein Team den entscheidenden ersten Fehler machen wollte. „Wir haben das Spiel kontrolliert“, sagte Kuschel nach den ersten 20 Minuten. Tatsächlich bestimmten die Hausherren das Geschehen, kamen aber nur einmal auf die Anzeigetafel. Dafür aber schick. Eine Vorlage aus der Ecke nutzte der vor dem Tor völlig frei stehende Philippe Sanche zur verdienten Führung. In der 14. Minute hatte Luis Üffing die Chance auf den zweiten Duisburger Treffer, doch praktisch im Gegenzug glich Lindau aus. Der Schuss wurde im Slot gegen die Laufrichtung von Marko Brlic abgefälscht. Die Unparteiischen überprüften den Treffer per Video, der Ausgleich blieb aber bestehen. Szenenapplaus gab es für den jungen Goalie in der 17. Minute, als er gut gegen Dominik Grafenthin parierte.
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Bitter wurde es für den EVD im zweiten Drittel, denn zwei Lindauer Konter fanden den Weg ins Tor. Doch in der Schlussphase des Abschnitts schlugen die Duisburger zurück: Erst verwandelte Philippe Sanche per Tip-in in Überzahl zum 2:3-Anschluss (38.). 30 Sekunden vor der Pause machten sich die Füchse per Konter erneut auf den Weg zum Islanders-Tor – allerdings wurde Sanche vor den Augen von Schiedsrichter Armin Finkel gefoult, der aber keine Veranlassung sah, seine Pfeife in den Mund zu nehmen. Warum? Das weiß wohl keiner so genau. Ohnehin gibt es bei Attacken gegen den kanadischen EVD-Stürmer in dieser Serie scheinbar einen Freifahrtschein.
Das letzte Drittel wurde dann zur Play-off-Schlacht. Die Füchse rannten an, kombinierten, passten, schossen. Die Fans sangen, wurden immer lauter, ehe sich die Energie in einem riesigen Jubelschrei entlud. Pascal Grosse hatte den Puck irgendwie reinbugsiert. Aber zählt der Treffer? Wieder Videobeweis. Schiri Jeroen Klijberg kommt aufs Eis zurück, wartet kurz – und zeigt auf die Mitte (54.). Kurz darauf hätte der EVD beinahe geführt: ein abgefälschter Schuss von Edwin Schitz senkte sich in einer Bogenlampe auf die Latte (57.).
In der Overtime schoss schließlich Adam Zoweil die Füchse ins Glück (63.). „Ich freue mich riesig für Marko Brlic“, sagte Frank Petrozza über den Goalie. „Er ist immer geduldig geblieben, hat das Team immer unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Ähnliches sagte er über den Siegtorschützen Adam Zoweil. „Adam ist solch ein guter Teamplayer. Er hat sehr stark gespielt. Auch er arbeitet immer vorbildlich.“
Die Füchse fahren bereits am Samstag nach Lindau. Das Spiel im Eisstadion am Bodensee beginnt am Sonntag um 18 Uhr.
Die Statistik:
Tore: 1:0 (8:42) Sanche (Üffing, Popoff), 1:1 (13:57) Farny (Jezovsek, Feigl), 1:2 (25:11) Jezovsek (Farny, Baßler), 1:3 (35:35) Farny (Grafenthin, Elo), 2:3 (37:44) Sanche (Üffing, Zolmanis/5-4), 3:3 (53:10) Grosse (Üffing), 4:3 (62:04) Zoweil (Nagtzaam, Virch).
Strafen: Duisburg 4, Lindau 4.
Zuschauer: 2007.



