Als die Kickerinnen des MSV Duisburg gerade ihr zwölftes von am Ende 14 Toren im Auftaktspiel gegen Rhenania Hamborn erzielten, kam der zu erwartende Kommentar von der Tribüne: „Ich finde das unfair, solche Mannschaften gegeneinander spielen zu lassen.“ Gut, für die Zukunft des gerade wieder aus der langjährigen Pause geholten Hallen-Stadtpokals der Frauen blieben dann nur zwei Optionen: auf die Teilnahme des mit Abstand stärksten Vereins der Stadt zu verzichten oder diesem gleich kampflos die Trophäe zu überreichen. Ansonsten werden sportlich einseitige Duelle dieser Art nicht zu vermeiden sein. Der Ausgang des Turniers in der Halle an der Krefelder Straße war ebenfalls der erwartbare: Niederrheinliga-Spitzenreiter MSV marschierte ohne Gegentreffer ins Endspiel durch und landete auch dort einen klaren 5:0-Sieg gegen Eintracht Duisburg.

Fußball
Ein Turnier für alle: Die acht beteiligten Teams stellten sich vor dem Beginn zum gemeinsamen Erinnerungsfoto.© SSB

Es ist letztlich vor allem der Initiative des MSV zu verdanken, dass es diesen Vergleich zwischen den noch acht verbliebenen Frauenteams der Stadt überhaupt wieder gibt. 2013 wurde letztmalig um den Stadtpokal gekickt, als Duisburg noch einen Bundesligisten namens FCR 2001 hatte und dieser wegen turmhoher Überlegenheit schon längst nicht mehr mit seiner ersten Mannschaft antrat. Selbst die „Zweite“ war dann in der Regel konkurrenzlos; den bis zu diesem Wochenende letzten Titel holte sich allerdings Eintracht Duisburg. Tarek Ruhman, nach dem Rückzug der Zebras aus dem Quasi-Profibereich als Abteilungsleiter der verantwortliche Mann, setzte sich dann im vergangenen Jahr mit Fachschaftsleiter Jürgen Wöhrmann in Verbindung, um die Möglichkeit eines Wiederauflebens zu erörtern. Der nahm die Idee gern auf, um eine Ergänzung zum nur noch von den Männern aufgetragenen Stadtpokal schaffen zu können.

Da sind wir nur Beiwerk.

Tarek Ruhman, Abteilungsleiter der MSV-Frauen, zum Auftritt von Maskottchen Ennatz

Das Kuriose an der ganzen Sache ist naturgemäß, dass der noch zu Jahrtausendbeginn massiv populäre Hallenfußball ansonsten inzwischen überhaupt keine Rolle mehr spielt und viele Akteurinnen den Parkettkick nur vom Hörensagen kennen. „Einige haben sich sogar neue Schuhe dafür geholt“, berichtet Tarek Ruhman, der mit Chefcoach Abdul Saket exakt eine Testeinheit unter dem Dach absolvieren konnte: in der kleinen Halle der Jugendherberge im Sportpark, für 80 Euro zwei Stunden lang. Ganz unvorbereitet wollte man ja nun noch der Sache nicht begegnen. Auch sonst wurde nichts dem Zufall überlassen. Auf dem Spielberichtsbogen fanden sich die Namen von gleich neun Teamoffiziellen und 15 Spielerinnen. Ein eigener Fotograf war dabei, zwei Trommler und zur Freude gerade der jüngeren Fans der mit Jubelschreien begrüßte Ennatz. Dass Team und Tross gegenüber dem mit Fotowünschen belagerten pelzigen Maskottchen in den Hintergrund traten, nahm Tarek Ruhman augenzwinkernd zur Kenntnis: „Da sind wir nur Beiwerk.“

SPORT DU-WEST/Rheinhausen: Turnier um den Fußball-Stadtpokal der Frauen. 11.01.2026 Duisburg
Im Endspiel ohne Chance, aber am Ende guter Zweiter: Eintracht Duisburg.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Die Eindeutigkeit der Auftaktpartie nahm im weiteren Turnierverlauf ab. Gerade im zweiten Spiel gegen „Titelverteidiger“ Eintracht, in der Landesliga auf einem Abstiegsplatz überwinternd, ging es zumindest ergebnistechnisch wesentlich enger zu. Dass es am Ende 1:0 hieß, lag an der starken Abwehrarbeit des Gegners, aber auch an eigenem Chancenwucher. Höhepunkt: Hanna Hamdi zielte aus etwa 30 Zentimetern Entfernung etwa sieben Meter über den leeren Kasten. Es folgten ein 7:0 gegen den SV Duissern und im Halbfinale ein 4:0 gegen den Bezirksligisten Turnerschaft Rahm, ehe im Finale erneut die Eintracht wartete, die sich zuvor mit 2:0 gegen die überraschend stark auftrumpfende DJK Vierlinden durchgesetzt hatte. Das Duell um den Titel war dann eine klarere Angelegenheit als zuvor: Der MSV ließ beim 5:0 keine Zweifel am Turnierziel aufkommen und auch im fünften Anlauf keinen Gegentreffer zu. Dritter wurde die DJK Vierlinden (2:1 gegen Rahm). Landesligist SV Wanheim 1900 scheiterte überraschend ebenso in der Vorrunde wie die Kreisligisten SV Duissern, Rhenania Hamborn und Eintracht Walsum.

„Wir sind sehr zufrieden, es ist alles gut gelaufen. Alle sind fair miteinander umgegangen“, lautete das positive Fazit von Fachschaftschef Jürgen Wöhrmann, der über den Tag verteilt 350 Zuschauerinnen und Zuschauer zählte. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist fest ins Auge gefasst.