Wo ist die Heimat? Das kann eine schwere Frage sein. Für Josef Capousek pendelt die Antwort zwischen klein und groß. Der 73-Jährige wohnt in Duisburg. In Rheinhausen-Oestrum, um genau zu sein. Von sich selbst sagt der gebürtige Tscheche: „Ich bin Europäer.“ Verheiratet ist er mit Liu Xinhua, die aus dem Süden Chinas stammt. Daher hat das Paar auch eine Wohnung in Zhuhai, der Stadt der hundert Inseln. Eine Millionenmetropole in der Nähe von Macau.

Als Capousek 1980 Bundestrainer wurde und nach Duisburg kam, wohnte er in Wanheimerort. Er konnte also zu Fuß zur Regattabahn laufen. „Das hatte seine Vor- und Nachteile“, sagt einer der erfolgreichsten deutschen Bundestrainer überhaupt. „Wenn jemand seinen Schlüssel vergessen hatte, hieß es immer: Josef, kannst du eben schnell aufschließen?“ Wenn der Mann, der als Bundestrainer für 17 olympische Goldmedaillen verantwortlich zeichnet, für etliche Silber- und Bronzemedaillen obendrein, und dazu auf ungezählte Siege bei Welt- und Europameisterschaften blickt, erzählt er dies mit einem verschmitzten Unterton. Ein Lächeln umspielt seine Lippen. Der Kanurennsport war und ist Capouseks Leben.