Ultralauf

Anja Tegatz gewinnt die TorTour de Ruhr

Anja Tegatz vom LC Duisburg unterschreibt am „improvisierten“ Rheinorange. Das Original ist aktuell eingerüstet.

Anja Tegatz vom LC Duisburg unterschreibt am „improvisierten“ Rheinorange. Das Original ist aktuell eingerüstet.

Foto: NRZ

Duisburg.   Die 41-jährige Duisburgerin ist die schnellste Frau beim mit 230 Kilometern längsten Nonstop-Lauf Deutschlands. Dabei stellt sie sogar eine neue Bestmarke auf.

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Marathonläufer kennen das. Irgendwann auf den letzten Kilometern – da kommt der „Hammer“. Wo ist der Ort, wann der Zeitpunkt für einen Ultraläufer? „Ich hatte keinen einzigen Tiefpunkt“, staunte Anja Tegatz über sich selbst. Sie lief und lief und lief. Am Ende hatte sie die 230 Kilometer bei der TorTour de Ruhr, dem längsten Nonstop-Lauf Deutschlands, von der Quelle im Sauerland bis zur Rhein-Mündung in Duisburg in 29 Stunden, 54 Minuten und 16 Sekunden absolviert. Das war nicht nur ein neuer, um knapp drei Stunden schnellerer Streckenrekord für Frauen – es war auch der Gesamtsieg. „Damit geht ein Lebenstraum für mich in Erfüllung“, sagte die 41-Jährige.

Der Sieg für eine Ultraläuferin bei einer derart großen Herausforderung – und das auch noch mit dem Ziel in ihrer Heimatstadt. Tegatz kam aus dem Strahlen nicht mehr hinaus. Vor zwei Jahren, bei ihrer ersten TorTour-Teilnahme, brauchte sie bei allerdings auch deutlich höheren Temperaturen 36 Stunden und 48 Minuten. Als sie damals im Ziel ankam, war die Duisburgerin völlig fertig. Als sie diesmal am allerdings eingerüsteten Rheinorange als Zielmarke eintraf, wirkte sie trotz eines mehr als eintägigen Laufs wie das „blühende Leben“. „Wenn man sich dann aber setzt, geht der Kreislauf runter. Da werden die Beine schonmal weich.“

Eine Zeit von unter 30 Stunden. War das von Beginn an das Ziel? „Nein“, schüttelt Tegatz den Kopf. Aber es lief einfach. „Das war einfach mein Tag.“ Nach 5:15 Stunden hatte sie die 50 Kilometer geschafft, nach 10:45 Stunden die 100 Kilometer. „Da wurde uns klar, dass da etwas möglich ist.“ Das Wort „uns“ ist ein wichtiges Stichwort bei der TorTour de Ruhr. Eine Crew ist vorgeschrieben bei dieser unglaublich langen Strecke. Dazu gehörte auch Physiotherapeut Tim Grütters. „Er kam alle 30 bis 40 Kilometer an die Strecke, massierte und lockerte meine Beine“, so Tegatz. So lief es weiter bestens. Als 24 Stunden um waren, hatte die Duisburgerin 194 Kilometer unter den Füßen. Auch das ist eine neue persönliche Bestleistung für Tegatz. „Ich war fokussiert, das Wetter war optimal“, fasste sie zusammen.

„Die TorTour ist das Größte“, freut sich Tegatz. Tatsächlich gibt es hierzulande nichts Größeres, vor allem nichts Längeres. Das „Mekka“ der Ultraläufer ist der Spartathlon – ein 246 Kilometer von Athen nach Sparta. „Nur“ 16 Kilometer mehr als die TorTour de Ruhr. Dafür aber mit vielen Höhenmetern und bei höheren Temperaturen. Auch ein 217 Kilometer Wüstenlauf durch das Death Valley hatte es auf den Tegatz’schen Radar geschafft. Als nächstes steht in Delmenhorst die Qualifikation für die 24-Stunden-Europameisterschaft in Albi (Frankreich) an. „Die Leistung bei der TorTour de Ruhr müsste doch eigentlich das direkte Ticket nach Albi sein“, sagt die Duisburgerin mit einem Augenzwinkern.

Jetzt ist aber erstmal Erholung angesagt. Das muss ja auch mal sein – auch für eine Ultraläuferin.

LC-Läuferinnen feiern Dreifach-Sieg:

Bei der TorTour de Ruhr gibt es neben dem 230-Kilometer-Lauf auch Konkurrenzen über 100 Kilometer und 160 Kilometer (also 100 Meilen). Bei den Frauen war alles fest in der Hand der Läuferinnen des LC Duisburg: Denn neben Tegatz, die den Hauptlauf gewann, setzten sich auch Annette Hausmann über 100 Kilometer (10:17:19 Stunden) und Angelika Kirchberg über 160 Kilometer (22:04:40 Stunden) durch.

Bei den Männern gewann Oliver Schoiber von der BSG Springorum aus Bochum auf der Komplettlänge in 25:30:20 Stunden und stellt wie Tegatz einen neuen Streckenrekord auf. Robert Etter (LG Gerbersport, Schweiz, 17:15:03 Stunden) siegte über 160 Kilometer. Rafael Rodriguez Baena (TC Kray, 8:16:19 Stunden) war über 100 Kilometer der schnellste.

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