Diesen freien Nachmittag hatte Johannes Benien dringend nötig. Das Trainingslager, die Wetterlage und die anstrengenden letzten Monate forderten ihren Tribut. Ruhe war angesagt. Einmal die Beine hochlegen, ja nichts riskieren und dem ohnehin schon strapazierten Immunsystem Zeit zur Regeneration geben. Denn das Jahres-, das Saison-Highlight wartet erst noch auf ihn und Tobias Strangemann.
Da befanden sich die beiden Kirchhellener am südöstlichen Zipfel von Berlin. Auf der Regattastrecke Berlin-Grünau bereiten sich das Duo zusammen mit dem übrigen U19-Nationalkader des Deutschen Ruderverbandes (DRV) auf die U19-Weltmeisterschaft in Paris vor. Mittlerweile sind sie in der französischen Hauptstadt angekommen, zogen als Vorlaufschnellste souverän ins Halbfinale ein. Am Samstag steht das an, am Sonntag soll es um die Medaillen gehen.
Bottroper haben WM-Erfahrung im Achter
Neuland ist die WM für die beiden Athleten des RV Dorsten nicht. Die Erinnerung an ihre erste Teilnahme dürfte noch ganz frisch sein. Erst im vergangenen August holten sie bei ihrer Premiere Gold im Achter mit Steuermann. Ein erster internationaler Wettkampf, den die beiden so schnell nicht vergessen dürften.
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Auch wenn sie den Trubel und die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft schon kennen. Dieses Mal ist es etwas anders. Anstatt im Achter gehen Benien und Strangemann, die seit diesem Jahr auch durch das Leistungssportprojekt in Bottrop gefördert werden, im Zweier ohne Steuermann an den Start. In den Regionalausscheidungen und auch unter den Augen des Bundestrainers habe sich herausgestellt, dass sie derzeit das stärkste Boot in dieser Klasse sind, berichtet Strangemann. „Bisher sind wir ungeschlagen“, meint er nicht ohne Stolz. Ende Juni bestätigten sie ihre Leistung mit dem Deutschen Meistertitel in der U19, sowohl im Zweier als auch im NRW-Achter.
Volle Konzentration auf ein Boot – und der Traum vom Gold
Ein Doppelstart bei der WM kommt aber nicht infrage. „In Deutschland wird das nicht gemacht. Wir konzentrieren uns auf ein Boot“, sagt Strangemann. Und die Konzentration soll sich bei der U19-Weltmeisterschaft auch in Mitbringbarem niederschlagen. „Wir peilen schon das A-Finale an“, meint Strangemann. „Dort dann einen Podiumsplatz. Der Traum wäre da natürlich Gold.“

Die Erfolge der vergangenen zwölf Monate haben aber nicht das Urteilsvermögen getrübt. „Im Zweier ist es schon sehr schwierig. Es gibt eine Menge junger Talente, die sich zum ersten Mal präsentieren. Das ist unberechenbar“, blickt Strangemann auf seine Konkurrenz. Dennoch dürften er und Johannes Benien genügend Selbstvertrauen erarbeitet und angesammelt haben, um ihr Licht nicht komplett unter den Scheffel zu stellen.
Olympische Spiele? Kirchhellener Duo muss sich erst einen Namen machen
So erfolgreich das Kirchhellener Duo auch ist, noch stehen sie relativ am Anfang ihrer Ruder-Karriere. Erst vor sechs Jahren haben sie angefangen, seitdem geht es scheinbar immer nur nach oben. Da wäre die logische Konsequenz doch nur die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Genau auf der Strecke, auf der Benien und Strangemann derzeit bei der Weltmeisterschaft am Start sind.
Strangemann sieht dieses Vorhaben von zwei Seiten: „Theoretisch wäre das möglich. Allerdings müsste der DRV erst einmal die Qualifikation dafür schaffen. Wir könnten dann auch trotz unseres Alters schon bei den Senioren starten. Aber realistisch stehen die Chancen eher schlecht. Wir müssen uns erstmal einen Namen machen. Noch sind wir kleine Namen.“
Wechsel nach Dortmund ist eine Option
Die beiden wollen erst einmal den „normalen Weg“ gehen. Sprich, sich über die U23 weiter nach oben, nach vorne arbeiten. „Da kann man zeigen, dass man sich bewiesen hat, dass man es kann“, meint Strangemann. Im Optimalfall wollen sie diesen Weg zusammen gehen. Das kommende Jahr könnte dabei Veränderungen mit sich bringen.
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Johannes Benien steht vor seinen Abitur-Prüfungen, Tobias Strangemann beendet seine Ausbildung. „Durch Rudern allein kann man nicht leben“, weiß Strangemann. Ein Wechsel der Trainingsstätte steht im Raum. Von Dorsten könnte es nach Dortmund gehen, wo die Riemen-Ruderer, unter anderem der Deutschland-Achter, trainieren. „Das wäre auch nicht so weit weg“, meint der 18-Jährige.
Das ist noch Zukunftsmusik. Was nächstes Jahr sein wird, dürften die beiden jetzt nur in groben Zügen erahnen können. Ohnehin sind genaue Daten gerade nicht der Freund der beiden Kirchhellener. „Im Trainingslager vergisst man schon mal, welcher Tag ist“, sagt Strangemann mit einem Lachen. Die Startzeiten bei der WM dürften sich beide allerdings ganz genau notiert haben.



