Leicht haben es die Badminton-Spieler der Bottroper BG derzeit wahrlich nicht. Nach sportlich herausfordernden Jahren wurde die BBG Anfang Oktober einmal mehr vor ein Problem gestellt: Die Trainerposition war plötzlich vakant. Die bisherige Trainerin Miriam Mantell, ehemalige Zweitligaspielerin und Inhaberin der A-Lizenz, stand aus zeitlichen Gründen nicht länger zur Verfügung.

Damit musste sich der Verein erneut umorientieren und auf dem ohnehin dünn besetzten Trainermarkt adäquaten Ersatz finden - keine einfache Aufgabe für die Bottroper. Die Erlösung folgte aber noch im gleichen Monat und sie ging mit einer Überraschung einher. Denn fortan setzt die BBG bei der Trainerstelle auf junges Talent – und geht damit einen mutigen Schritt.

Karl Sufryd spielt mit dem 1. BV Mülheim in der Bundesliga

In der Szene dürfte sich Karl Sufryd gewiss schon einen Namen gemacht haben. Immerhin geht er mittlerweile in seine zweite Bundesligasaison mit dem 1. BV Mülheim. In Bottrop war der gerade erst 21-Jährige aber bisweilen noch ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt. „Ich kannte aber schon einige aus der Trainingsgruppe“, erzählt Sufryd. Durch Freunde sei schließlich der Kontakt zur BBG zustande gekommen.

Ein glücklicher Zufall, wie sich für den Bottroper Verein herausstellen sollte. „Ich habe mitbekommen, dass die vorige Trainerin leider nicht mehr weitermachen konnte“, führt der junge Spieler aus, „es hat dann als spontane Idee angefangen. Wir dachten, dass es doch eigentlich ganz cool wäre, immerhin brauchte die Gruppe dringend einen neuen Trainer und mir kam das aufgrund von Training und Uni ebenfalls gelegen.“

Karl Sufryd ist selbst Spiueler und Trainer der Bottroper BG.
Karl Sufryd ist selbst Spiueler und Trainer der Bottroper BG.© FUNKE Foto Services | Oliver Müller

Bottroper setzen auf jungen Trainer aus Mülheim: Beeindruckende Vita

Schließlich sollte aus einem losen Gedankenspiel tatsächlich ernst werden, eine Einigung zwischen der BBG und Sufryd wurde schnell erzielt. Viel Überzeugungsarbeit bedurfte es dabei aus Sicht des 21-Jährigen nicht mehr: „Ich arbeite sehr gerne mit Menschen, habe Freude daran, ihnen bestenfalls etwas beizubringen. Deshalb hatte ich wirklich Lust auf diese Aufgabe“, so Sufryd, „ich erhoffe mir natürlich, dass das Training Spaß macht und ich bei der Weiterentwicklung der Spieler helfen kann.“ Hauptaufgabe sei demnach die Vermittlung des eigenen Wissens und Könnens, wie das junge Talent ergänzt: „Ich glaube aus eigener Erfahrung, dass das gut funktionieren kann, weil wir uns im Training neben dem Feedback der Trainer gegenseitig unterstützen und uns so helfen. Ich freue mich auf die Aufgabe und bin sehr motiviert.“

Wen die Bottroper auf der wichtigen Position des Übungsleiters hinzugewonnen haben, wissen sie durchaus – und schätzen die bisherigen Leistungen des neuen BBG-Trainers. Der machte immerhin schon mit 17 Jahren erste Erfahrungen in der zweiten Liga, wurde 2018 Deutscher Schülermannschaftsmeister und feierte in diesem Jahr mit dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft und dem Vizetitel des Deutschen Meisters in der Altersklasse U22 große Erfolge. Trotz des jungen Alters kann Sufryd bereits eine erstaunliche Vita vorweisen und ist neben seinem frischen Engagement bei der BBG auf dem besten Weg, sich im Profibereich als aktiver Spieler zu etablieren.

Hier selbst auf dem Feld für Mülheim, in Bottrop als Trainer aktiv: Karl Sufryd.
Hier selbst auf dem Feld für Mülheim, in Bottrop als Trainer aktiv: Karl Sufryd.© FUNKE Foto Services | Oliver Müller

Zweifel daran, dass der Mülheimer Akteur der Aufgabe und Verantwortung womöglich nicht gewachsen sein könnte, die ihm in Bottrop zukommt, taten sich bei der BBG derweil im Zuge der Verpflichtung nicht auf. „Sein Alter war für uns gänzlich nebensächlich“, heißt es von Seiten des Vereins, „er war uns schon vorher bekannt, trainiert regelmäßig mit den besten Trainern des Landes, ist hervorragend ausgebildet und hat dadurch bereits viel Erfahrung sammeln können.“ Mit ihm wird die Hoffnung verbunden, etwa in den Trainingseinheiten wieder für mehr Kontinuität zu sorgen. „Derzeit zählen wir eher zum Breitensport, künftig wollen wir uns aber auch wieder in Richtung Leistungssport entwickeln.“

Bottroper setzen auf jungen Trainer aus Mülheim: Auge und Technik

Seit dem 13. Oktober coacht Sufryd den Landesligisten. Erste spürbare Folgen hatte der Einstieg des 21-Jährigen bei den Bottropern bereits. „Das Training bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau“, äußert sich BBG-Spielerin Safia Binder, die weiterhin von viel positivem Feedback der gesamten Mannschaft berichtet: „Wir sind glücklich, dass er uns derart unterstützt. Er besitzt das Auge und die Technik, ist spielerisch hervorragend ausgebildet und passt auch menschlich sehr gut zu unserer Gruppe.“ Nun ist die Hoffnung groß, dass das Team eine positive Entwicklung nimmt. Denn der Saisonauftakt verlief holprig, nicht zuletzt die verletzungsbedingten Ausfälle einiger Akteure führten zu vier Niederlagen und momentan zum letzten Platz. Luft nach oben ist demnach da – und mit Sufryd soll die Trendwende gelingen.