Es ist, nicht nur von der Sportart an sich, ein kompletter Kontrast zu einem (Jugend-)Fußballtraining. Alle stehen ganz ruhig da, heben immer wieder die Pistole über den Kopf, senken sie langsam ab. Ruhig und bedacht sehen die Abläufe aus, es wird nicht gesprochen. Die einzigen Geräusche sind die zischenden Schüsse der Luftpistolen.
Ein- oder zweimal die Woche trainiert die Nachwuchsabteilung auf den Schießständen des SuJC Bottrop im alten Bunker am Boyer Markt. Sie alle vereint eine gewisse Faszination an einem sportlichen Wettbewerb, der für sie „faszinierender als Fußball“ ist oder andere Sportarten, die bei der breiten Masse von Gleichaltrigen populärer sind.
Jugend-Sportschießen: Bei Eltern müssten teilweise noch Vorurteile abgebaut werden
„Ich wurde aber von Mitschülern oder Freunden nie dafür ausgelacht oder so“, erzählt Leon Sgraja vom SuJC. Der mittlerweile 20-Jährige fing bereits im Alter von zehn mit dem Sportschießen an. Seine Leidenschaft und Talent dafür haben den Bottroper schon öfters zur Deutschen Meisterschaft geführt – inklusive diverser Top-10-Platzierungen.

„Was ich bei vielen Jugendschützen eher bemerkt habe: Bei deren Eltern kommt das oft schwierig an“, lacht Leon. „Vor allem, wenn die Eltern selber keinen Bezug zu dieser Sportart haben, ein Kind ganz ‚normal‘ zum Fußball geht, das zweite zum Schwimmen – und das Dritte dann plötzlich zum Schießen will.“ Da müssen dann Vorurteile abgebaut werden.
SuJC Bottrop: „Sportschießen ist kein Film oder Kirmes“
Er selber ist aber durch seinen Vater Michael, der auch im SuJC Bottrop aktiv ist, zum Sport gekommen. Michael Sgraja kenne Vorurteile gegenüber dem Schießsport zur Genüge: „Nicht nur bei den Eltern, auch wiederum beim interessierten Nachwuchs selber. Es kamen schon so einige zu uns, die denken, hier können sie schießen wie in einem John-Wick-Film oder auf der Kirmes. Wenn die dann sehen, es geht um Sport und auf Punkte auf Ringe schießen, verlieren sie schnell das Interesse.“
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Nachwuchsschützin Jana Skorczyk (17) hat das nicht getan. Auch, weil sie ebenso bereits einen familiären Bezug zum Schießsport hatte. „Ich habe kurz nach meinem 14. Geburtstag beim SuJC Bottrop angefangen. Mein Vater war früher auch hier im Verein und wir wohnen nur fünf Minuten entfernt.“
Dass Kinder durch ihre Eltern zum Sportschießen finden, klingt wie eine typische Randsportarten-Biographie, bei den Bottroper Schützen sei das aber, wie die Erfahrungen von Leon und Vater Michael zeigen, nicht der Regelfall. „Es sind eigentlich die Wenigsten“, überlegt Leon kurz.
Bottroper Nachwuchsschützen fahren wieder zu Deutschen Meisterschaft
Ob mit oder ohne elterlichen Bezugspunkten: Die Nachwuchsarbeit beim SuJC Bottrop scheint zu fruchten. Dafür hat auch Vereinsikone und -mitgründer Günther Kientopp gesorgt und tut das immer noch. Im hohen Alter von 92 Jahren ist er immer noch aktiv und hat kümmert sich seit Jahren mit um die Jugendarbeit, dient sozusagen als Mentor.
So sei die Zahl der Jugendlichen im Verein stets stabil und der Bottroper Nachwuchs erfolgreich. Leon und Jana sind am 20. August zur Deutschen Meisterschaft in München. Jana hat sich 2025 zum ersten Mal qualifiziert. Was sie dort von sich erwartet? „Schwierig“, grübelt sie etwas, „bei der Deutschen Meisterschaft wird auf anderen Anlagen geschossen, die bin ich noch nicht gewöhnt. Dazu kommt, dass meine Konkurrenz erfahrener ist. Ich mache mir keine Hoffnungen. Dabeisein ist erstmal alles.“
Leons Ambitionen hingegen sind dieses Jahr höher: „Die Top 3 sind nicht unrealistisch.“ Und der Gedanke in Zukunft einmal bei Olympia teilzunehmen vielleicht auch gar nicht so abwegig. „Aber ich habe mir kein Ziel gesetzt. Es ist auch sehr schwierig im Sportschießen immer sehr gute Leistungen zu bringen. Von daher: Profi zu werden, ist hier auch nicht einfacher als im Fußball.“


