Kampfsport

28 Athleten lernen beim VfL Grafenwald fürs Leben

Großmeister Robert Macioszek (l.) zeigt eindrucksvoll, wie ein Gegner am Boden fixiert wird. Seine Schülerin schaut aufmerksam zu.

Großmeister Robert Macioszek (l.) zeigt eindrucksvoll, wie ein Gegner am Boden fixiert wird. Seine Schülerin schaut aufmerksam zu.

Foto: Oliver Mengedoht

Die Kampfsportler kommen aus Grafenwald, aber auch aus Hamburg, um am dreitägigen Camp teilzunehmen. Übungen könnenauch im Alltag nützlich sein.

Die Sonne strahlt über dem Kunstrasenplatz des VfL Grafenwald. Auf dem Feld sind aber nicht etwas Fußballspieler in kurzen Shirts und kurzen Hosen, sondern 28 Kampfsportler in ihren dicken Anzügen. Das Sommercamp der Kampfsportabteilung des VfL Grafenwald hat für drei Tage sein Quartier aufgeschlagen. Intensivtraining für jung und alt, für Mann und Frau.

Aus Hamburg, vom TuS Finkenwerder sind sie gekommen, nicht zum ersten Mal trainieren sie mit den Kollegen aus Grafenwald. „Mir geht es auch darum, Kontakte aufzubauen, sich auszutauschen“, sagt Nadine Johl, die zum wiederholten Male den Weg aus der Hansestadt ins Ruhrgebiet angetreten ist.

Auf dem Fußballplatz schauen Robert Macioszek und Joachim Walterfang genau hin, was ihre Schützlinge machen. Die beiden Großmeister leiten das Camp, haben sich für jeden der drei Tage ein anderes Motto überlegt. Zunächst stand die Wahrnehmung auf dem Programm, es folgten Form und Struktur, am Abschlusstag waren Formlosigkeit und Instinkt verlangt. „Alles was wir hier lehren soll auch dann einsetzbar sein, wenn es im Alltag zu einer Gefahrensituation kommt“, sagt Robert Macioszek und ergänzt: „Wir wollen auf der Straße aber nicht aussehen wir Kampfsportler.“

Zwei Sportarten im Fokus

Die Selbstverteidigung ist eines der großen Themen im Camp, gerade auch für Frauen oder Kinder. So ist Agustin Kopelmann, der mit seinem Vater aus Hamburg kam und im Wohnwagen übernachtet, der jüngste Teilnehmer. „Am besten gefallen mir Hebeltechniken und der Schwertkampf“, sagt der zehnjährige. Schwerter sind am Sensenfeld aber keine zu sehen.

Das liegt auch daran, dass es bei dem Camp um eine Mischung aus zwei verschiedenen Sportarten handelt. Robert Macioszek trainiert im Taekwondo, Joachim Walterfang kommt vom Bujinkan Budo Taijutsu, einem traditionellem japanischen Kampfsport. „Dieser Sport kommt aus einer Zeit, als in Japan noch Krieg geführt wurde“, erklärt Walterfang. Im Budo-Camp der Wöller werden beide Kampfstile geübt.

Reflexe und Wahrnehmung wichtiger als Muskelmasse

Mit dem klassischen Teakwondo, das der geneigte Sportfan von den Olympischen Spielen kennt, haben die Trainingsformen hier wenig zu tun. „Wir machen keinen reinen Wettkampfsport. Reflexe und Wahrnehmung sind uns wichtiger als Muskelmasse“, sagt Macioszek.

Entsprechend ruhig und konzentriert gehen die Sportler zur Sache, gefährlich sieht es nicht aus. Schläge werden nur angedeutet, sobald der Trainingspartner bei einer Hebeltechnik auf dem Boden abschlägt, wird der Griff gelockert. „Wir wollen hier auch zeigen, wie man sich kontrolliert zur Wehr setzen kann, ohne seinen Gegenüber direkt zu verletzen“, sagt Walterfang. Und Macioszek ergänzt: „Ein präziser und geübter Tritt gegen das Schienbein kann manchmal auch sehr effektiv sein.“

Der 18-jährige Tizian Lietz ist begeistert vom Trainingscamp – und den Trainingspartnern. „Es geht mir auch um den geistlichen, psychologischen Austausch. Menschen mit einem guten Herz sind hier dabei“, findet der Teenager. Dadurch, dass die Anzahl derjenigen, diese Sportart betreiben überschaubar sei, würden viel schneller Freundschaften entstehen: „Wir teilen alle die gleichen Interessen, man sieht oft die gleichen Personen wieder.“

Das Alter ist dabei auch keine Barriere – beim gemeinsamen Mittagessen sitzen alle zusammen am Tisch, fachsimpeln und genießen den wenigen Schatten. Danach geht es auch schon wieder weiter. „Das familiäre Miteinander sorgt für eine besonderes Stimmung“, freut sich Robert Macioszek. Die Begeisterung bei den Teilnehmern bestätigt ihn. Und er betont: „Hier kann jeder von jedem lernen. Jung von alt und Meister von Schüler.“

Jeder soll sich selbst einschätzen

Und das nicht nur für die Zeit auf dem Sportplatz sondern auch fürs „echte“ Leben. Denn auch dort sollen die Athleten ihre Fähigkeiten und ihre Gegenüber durch die Übungen im VfL-Camp besser einschätzen können. Auch wenn die Sonne mal nicht so strahlt.

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