Zusammenfassung
- Vor vier Jahren stieg die SG Wattenscheid 09 zum letzten Mal in die Regionalliga auf - heute kann es wieder so weit sein.
- In Erkenschwick reicht schon ein Sieg, um die Rückkehr in die vierte Liga perfekt zu machen, bis zu tausend Fans wollen das Team begleiten.
- Tom Sindermann war vor vier Jahren schon dabei und gehört auch dieses Jahr zu den Leistungsträger. Hier erinnert er sich.
Was für eine Ausgangslage für die SG Wattenscheid 09: Mit einem Auswärtssieg beim Rivalen in Erkenschwick kann die SG Wattenscheid 09 am Pfingstmontag (15 Uhr) die Rückkehr in die Regionalliga West perfekt machen. Als Wattenscheid das letzte Mal so eine Chance hatte, kamen am 6. Juni 2022 mehr als 6000 Fans zum Aufstiegsspiel gegen Rheine ins Lohrheidestadion und stürmten nach Schlusspfiff überglücklich das Feld, feierten das Aufstiegsteam um Trainer Christian Britscho und die Torschützen Emre Yesilova und Dennis Lerche.
So groß wird die Zahl am Montag zwar wohl nicht, aber mit bis zu tausend Wattenscheidern ist in Erkenschwick zu rechnen - und eine schönere Bühne als das Stimbergstadion gibt es in der Oberliga für so einen Anlass kaum.
SG Wattenscheid 09: Aufstieg stünde noch unter Vorbehalt
Der Aufstieg stünde zwar noch unter einem gewissen Vorbehalt - der SV Schermbeck hat am Freitag angekündigt, in jedem Fall Einspruch gegen das Sportgerichtsurteil vom Donnerstagabend einzulegen, unabhängig davon, ob man selbst den Klassenerhalt am Pfingstmontag perfekt mache. Wie aussichtsreich das ist, ist nach dem sehr deutlichen Urteil dahingestellt. Aber auch unabhängig davon hat Wattenscheid alles in eigener Hand.
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So wie vor vier Jahren. Tom Sindermann war damals schon dabei, er ist neben Mike Lewicki einer von zwei Spielern des aktuellen Kaders, die jedes der zahlreichen Hochs und Tiefs seit dem Neustart 2020 mitgemacht haben. Sindermann erinnert sich: „Was mir am prägendsten in Erinnerung ist, ist der vorletzte Spieltag. Wir sind mit einem Sieg in Erndtebrück auf Platz zwei gesprungen, das wussten auch alle auf der Bank, ich auf dem Feld aber nicht. Trainer Christian Britscho kam nach dem Schlusspfiff auf mich zu und rief: Wir haben unser Endspiel! Das vergesse ich nicht - und natürlich auch nicht den ganzen Tag, an dem wir aufgestiegen sind.“
Es sind Erzählungen, die auch die Mannschaft durch diese Saison getragen haben. Torjäger Robert Nnaji etwa erwähnte zuletzt, wie die Gespräche über den letzten Aufstieg seine Motivation und seine Lust auf die großen Spiele über die Saison angefeuert hat.
Tom Sindermann hat seinen Teamkollegen vom letzten Aufstieg erzählt
Sindermann sagt: „Auch wenn vom Verein aus vor der Saison der Aufstieg nicht das Ziel war: Gerade wenn man schon einen Aufstieg mitgemacht hat, merkt man ja, dass man fußballerisch genug Qualität im Kader hat. Wir merken tagtäglich im Training, was in der Truppe steckt. Und da hilft es, dem ein oder anderen zu erzählen, wie geil das sein kann, wenn solche entscheidenden Spiele anstehen. Das entfacht Vorfreude, das erzeugt positive Energie.“
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Gegen Rhynern und den ASC gab es vor mehr als zwei- bzw. sogar dreitausend Fans schon einen Vorgeschmack. Dabei hat Wattenscheid keine einfache Saison hinter sich - die sportliche Bilanz ist zwar herausragend, es gab aber immer wieder Nebenkriegsschauplätze: Ein Trainerwechsel, zwei Spielabbrüche (die beide für Wattenscheid gewertet wurden), ein andauernder Zwist zwischen Vorstand und Fanszene.
„Wir hatten auch Anfang des Jahres eine kleine Schwächephase“, erinnert sich Sindermann, „aber wir waren immer noch Erster. Leute haben mich gefragt: Glaubt ihr überhaupt noch dran? Da mussten wir auch manchmal schon auf die Tabelle zeigen.“ Zumal Sindermann das aktuelle Team sogar für individuell etwas besser besetzt hält als die letzte Aufstiegsmannschaft.
Zwei Spieltage vor Schluss: Wattenscheid kann Endspiele genießen
Auf der Mannschaft und dem Trainerteam um Richard Weber liegt aber durchaus Druck, oder „Verantwortung“ gegenüber den vielen Fans und Ehrenamtlichen, wie es Vorstandschef Ertan Ilce nennt, der seit eineinhalb Jahren im Klub ist und gerade zum ersten Mal die komplette Wattenscheider Wucht kennenlernt.


Vor der Saison nannten fast alle Konkurrenten Wattenscheid als Aufstiegskandidaten Nummer eins. Jetzt ist der größte Druck weg, Wattenscheid ist fast am Ziel und hat zwei Spiele zum Genießen vor sich. In Erkenschwick und im letzten Heimspiel gegen Lippstadt warten zwei Amateurfußball-Highlights in außergewöhnlichem Rahmen und nach Stand der Dinge mit einer sportlichen Krönung.
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Meisterschaft wäre mehr als 200.000 Euro wert
Tom Sindermann sagt: „Es hat sich durch das Urteil nicht viel geändert. Wir haben schon nach dem Abbruch in Schermbeck zusammengesessen und gesagt: Es ist egal, was kommt. Wenn wir alle Spiele gewinnen, steigen wir auf. Die Einstellung brauchen wir auch in den letzten beiden Spielen.“
Denn es geht ja nicht „nur“ um den Aufstieg, sondern auch noch um die Meisterschaft. Wattenscheid ist punktgleich mit Spitzenreiter Rhynern, der Meister zieht direkt in den DFB-Pokal ein und verdient damit auf einen Schlag gut 200.000 Euro, was bei der Finanzierung der folgenden Regionalliga-Saison sehr helfen würde. Daher betont Sindermann: „Es geht auch um den ersten Platz. Niemand fängt jetzt an zu rechnen, weil wir fünf Punkte vor sind.“

Die Wattenscheider Fanabteilung ruft zu einer „schwarz-weißen“ Invasion am Montag in Erkenschwick auf, es ist ein Duell zweier Traditionsvereine, auf das viele Augen gerichtet sind, tausende allein im Stadion. Tom Sindermann sagt: „Ich bin jetzt sechs Jahre hier, ich verspüre da keinen Druck mehr - für mich ist das einfach komplette Freude, vor so einer Kulisse zu spielen.“ Die Ausgangslage sei noch besser als vor vier Jahren, sagt Sindermann. „Ob der Platz, die Kulisse, der Gegner: Wir müssen bei uns bleiben. Wir sagen: Wir machen es jetzt auch, wir gehen jetzt durch die Tür. Und die Fans helfen uns dabei auf jeden Fall.“
Genau wie die SG Wattenscheid kann auch Westfalia Rhynern am Montag aufsteigen. Die WAZ überträgt beide Spiele im Livestream auf waz.de/waz-live.









