Meister sollen aufsteigen. So lautete die Maxime, unter der Ende letzten Jahres eine DFB-Arbeitsgruppe zur Reform des Regionalligasystems im deutschen Fußball ihre Tätigkeiten aufnahm. Nach jahrelangen Diskussionen um die Gerechtigkeit beim Drittliga-Aufstieg sollte endlich eine Lösung dafür gefunden werden.
- Kommentar zum Kompass-Modell: DFB-Arbeitsgruppe arbeitet am Thema vorbei
Rund drei Monate Tagen, Beraten und Konzipieren später scheint diese gefunden, wie die Redaktion des MDR-Formats „Sport im Osten“ berichtet. Demnach könnte ein erster Schritt zu einer neuen Regionalliga-Struktur bereits Auswirkungen auf den Spielbetrieb in der kommenden Saison haben.
Landesverbände blockieren das Kompass-Modell - noch keine Empfehlung
Am Dienstag (17. Februar) beriet die DFB-Arbeitsgruppe nämlich vor allem über das sogenannte „Kompass“-Modell: Statt fünf Regionalliga-Staffeln würde es nur noch vier geben, den vier Himmelsrichtungen eines Kompass entsprechend. Dann könnten, anders als jetzt, alle Regionalliga-Meister aufsteigen. Und die Zahl der Absteiger in den einzelnen Staffeln wären auch planbar und nicht mehr von der regionalen Verteilung der Drittliga-Absteiger abhängig.
Noch gibt es aber keine endgültige Empfehlung, Beschlüsse kann das Gremium sowieso nicht fassen. Der Vorsitzende der AG, Michael Vesper, sagt: „Die Diskussionen sind intensiv, ich nehme sie aber weiterhin als konstruktiv wahr. Klar ist: Wenn jeder nur aus seiner eigenen Brille auf die Dinge schaut, werden wir keine Lösung finden. Wir müssen daher immer das Gesamtbild im Blick behalten.“ Eine Botschaft in Richtung der Landesverbände: Vor allem die Verbände aus dem Westen und Südwesten blockieren nach einem Bericht der „Sportschau“ die schnelle Einführung einer viergleisigen Regionalliga, weil sie dabei Privilegien abgeben müssten.
Die nächste und planmäßig letzte Sitzung der Arbeitsgruppe ist am 25. März geplant - wenn sich schon zur nächsten Saison etwas ändern soll, müsste dann schnell ein Ergebnis her. Eigentlich sollte eine Reform schon im März beschlossen werden. Die Zeit für eine schnelle Verbesserung wird also knapp.
Reform der Regionalligen im deutschen Fußball: Das ist das Kompass-Modell
Das Kompass-Konzept der Arbeitsgruppe beinhaltet im Wesentlichen diese Vorschläge:
- Statt in den bisher fünf Regionalligen Nord, Nordost, Bayern, Südwest und West mit jeweils 18 Teams wird ab der Saison 2027/28 in nur noch vier Ligen mit je 20 Teams gespielt. Alle Meister steigen ab dann direkt in die 3. Liga auf. Viertklassig spielen somit nur noch 80, nicht 90 Teams.
- Die Grenzen der vier neuen Regionalligen in Deutschland sind grundsätzlich nach den Himmelsrichtungen Nord, Ost, Süd und West ausgerichtet, die Einteilung einzelner Vereine in eine Staffeln erfolgt aber von Saison zu Saison. Eine KI rechnet dabei die kürzesten Anfahrtswege für jeden individuell aus. So könnte es sein, dass ein Verein aus einer geographischen „Zwischenlage“ wie bspw. Hessen Kassel oder auch die SF Siegen mal im Westen, mal im Süden spielt.
- Die kommende Spielzeit 2026/27 dient als Übergangssaison zur Qualifikation. Abzüglich der vier Aufsteiger erhalten die zwölf besten Teams aus jeder der fünf Regionalligen die Startberechtigung für das neue Modell. Hinzu kommen vier Drittliga-Absteiger und 14 Oberliga-Meister. Für die zwei noch offenen Plätze wird noch diskutiert, jeweils ein zusätzliches Team aus Bayern und dem Osten zuzulassen – eine Entschädigung für die bisherigen Nachteile bei der Aufstiegsregelung.
- Für die neue viergleisige Regionalliga gelten zudem einheitliche Zulassungskriterien. Das heißt, alle Vereine müssen die gleichen infrastrukturellen Voraussetzungen erfüllen, um in den Spielbetrieb aufgenommen zu werden, egal welchem Regionalverband sie angehören.
Was bedeutet das Kompass-Modell für Ober- und Regionalligisten?
Das hätte unmittelbaren Einfluss auf die Planung der nächsten Saison für die Teams, die in der Ober- und Regionalliga spielen. Die zweiten Mannschaften von Schalke, Dortmund und dem VfL Bochum oder auch die SSVg Velbert, RW Oberhausen oder die Sportfreunde Siegen müssten dann nächste Saison Platz 13 belegen, um die Klasse zu halten, den Bochumer und Velberter Klassenerhalt vorausgesetzt.
Für Vereine wie Oberliga-Tabellenführer SG Wattenscheid 09 oder einen anderen Aufsteiger aus den Oberligen hieße das, dass man sich nicht langsam in der neuen Spielklasse etablieren kann. In der ersten Saison muss sofort Platz 13 her - oder es geht wieder runter. Dazu würde die Oberliga Westfalen in der Saison 2026/27 auch einen Aufstiegsplatz verlieren, wenn nur der Meister in die neue Regionalliga aufsteigt.
Was ist das Ziel der Arbeitsgruppe?
Der DFB betont aber in seiner Mitteilung zur Sitzung der Arbeitsgruppe, dass auch weitere Alternativen am Mittwoch Thema waren. Mit dieser aktuell diskutierten Verschlankung hätte die „AG Aufstiegsreform“ aber ihre Kernaufgabe erfüllt, einen Weg aufzuzeigen, dass alle Regionalligameister in die 3. Liga aufsteigen.
Im aktuellen System können das nur die Meister aus West und Südwest in jedem Jahr, die anderen drei Regionalligen erhalten einen dritten direkten Aufstiegsplatz im Drei-Jahres-Rotationsprinzip. Die Meister der beiden Ligen, die dabei gerade nicht dran sind, spielen den vierten Aufsteiger per Relegation am Ende der Saison aus.

Das wird seit längerem vor allem von Vereinen und Verbänden aus dem ostdeutschen Fußball kritisiert, die die Aufstiegsreform-Initiative und Bildung der Arbeitsgruppe maßgeblich vorantrieben. Bundesweit unterstützen aber mittlerweile 59 Klubs und viele Fanszenen das Vorhaben. Bemerkenswert dabei: Viele tun das unabhängig der eigenen Lage und zeigen sich solidarisch. Zuletzt schloss sich auch Rot-Weiss Essen der Initiative an - allerdings erst, nachdem klar war, dass für Drittligisten keine Verschlechterungen drohen.
Was ist mit den zweiten Mannschaften der Profiklubs?
Die Vorschläge der Aufstiegsreform-Gruppe thematisieren übrigens nicht den Verbleib der U- bzw. zweiten Mannschaften von Bundesligisten in der Regionalliga bzw. planen diese weiterhin mit ein. Parallel dazu gibt es im DFB jedoch nach wie vor eine Arbeitsgruppe, die sich mit einer eigenen U21/23-Liga beschäftigt.
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Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf steht nach „Sport im Osten“-Informationen hinter dem Ergebnis der Arbeitsgruppe. Es gelte als potentiell mehrheitsfähiger Durchbruch, da das Konzept auch andere Streitpunkte wie Fahrtwege, -kosten und Derbys berücksichtige oder Abmeldungen vom Spielbetrieb verhindere, da die Vereine mehr in ihre Strukturen investieren müssen, statt nur kurzfristiges Geld in ihre Kader.
Was wären die Auswirkungen auf den Amateurfußball?
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Interessant dürften aber auch die Reaktionen der Landesverbände werden, wenn das Modell kommt. Eine mögliche Regionalliga-Reform hat schließlich auch Auswirkungen auf den Spielbetrieb von der Oberliga abwärts, für den sie zuständig sind. Qualifizieren sich zum Beispiel viele Regionalligisten eines Landesverbandes nicht für das neue System, müssen sie alle in die fünfte Liga aufgenommen werden – inklusive Domino-Effekte beim Auf- und Abstieg aus der bzw. in die Landesliga und so weiter.
FVN: Ergebnisse abwarten
„Zunächst einmal müssen wir die endgültigen Ergebnisse abwarten“, hält sich der Fußballverband Niederrhein (FVN) noch zurück. FVN-Sprecher Thomas Palapies-Ziehn kann sich einige Szenarien vorstellen, die den Verband dann ab der nächsten Saison beschäftigen würden, betont aber: „In den möglichen folgenden Prozess auf FVN-Ebene werden wir – wie üblich – immer auch die betreffenden Vereine mit einbeziehen.“




