Allein die Summe, die Ajan Dzaferoski gegenüber „RevierSport“ in den Raum stellt, verdeutlicht, wie groß der finanzielle Aufwand des Fußball-Oberligisten TuS Bövinghausen war, um den rasanten Aufstieg in den vergangenen Jahren zu finanzieren. Noch schneller als der Aufstieg des Vereins ist aber der tiefe Fall, der, wenn nichts Außergewöhnliches passiert und jemand die fehlenden 70.000 Euro für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis Ende März auf den Tisch legt, noch in dieser Saison mit einem tiefen Fall endet. Auswirkungen hat der voraussichtliche Rückzug des TuS Bövinghausen auf die gesamte Liga.
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Die Aufmerksamkeit im Scheinwerferlicht des Erfolgs mitsamt bekannten Namen der Fußballszene hat der Vorsitzende Ajan Dzaferoski immer genossen. Vor Jahren, damals als Aufsteiger in die Westfalenliga, schien das Projekt TuS Bövinghausen keine Grenzen zu kennen. Weltmeister und BVB-Legende Kevin Großkreutz lief plötzlich für den Dortmunder Amateurverein auf, auch Ex-Nationalspieler David Odonkor und Ex-Profi Baris Özbek schnürten damals die Schuhe für den Stadtteilklub. Bereits damals unkten einige Beobachter, dass der rasante Aufstieg des Vereins womöglich nicht sonderlich nachhaltig sein dürfte. „Das war weggeschmissenes Geld“, sagt Dzaferoski heute mit Blick auf die prominenten Verpflichtungen. Die Skeptiker sollten letztlich also Recht behalten.
Dzaferoski kündigt Entscheidung bis Ende März an
Das gesamte Ausmaß zeigt sich im aktuell laufenden Insolvenzverfahren. „Ich habe mit dem Insolvenzverwalter gesprochen. Die Sachlage sieht so aus: Wir werden erst einmal die Spiele im März gegen den SV Schermbeck und SC Verl II bestreiten. Vielleicht auch Ende des Monats gegen Preußen Münster II. Spätestens dann gibt es eine endgültige Entscheidung“, sagte der Bövinghauser Vereinsboss gegenüber dem „RevierSport“. 70.000 Euro fehlen, bei so manchem Oberligisten entspricht das in etwa dem halben Etat für eine gesamte Spielzeit. Bringt niemand das Geld auf, gehen in Bövinghausen bald die Lichter aus. „Der Verein wird gelöscht“, hatte der Insolvenzverwalter als Konsequenz unmissverständlich geäußert.
So sieht die Tabelle der Oberliga Westfalen ohne Bövinghausen aus
| Platz | Verein | Spiele | S | U | N | Pkt. | +/- |
| 1. | VfL Bochum II | 23 | 16 | 4 | 3 | 52 | 0 |
| 2. | Siegen | 18 | 11 | 5 | 2 | 38 | 0 |
| 3. | Rhynern | 20 | 12 | 1 | 7 | 37 | +1 |
| 4. | ASC Dortmund | 21 | 11 | 3 | 7 | 36 | -1 |
| 5. | Gievenbeck | 22 | 10 | 6 | 6 | 36 | +1 |
| 6. | Verl II | 21 | 10 | 4 | 7 | 34 | -1 |
| 7. | Lippstadt | 23 | 10 | 2 | 11 | 32 | +1 |
| 8. | Münster II | 21 | 9 | 4 | 8 | 31 | +1 |
| 9. | Rheine | 22 | 9 | 3 | 10 | 30 | -2 |
| 10. | Schermbeck | 23 | 8 | 6 | 9 | 30 | +1 |
| 11. | Ahlen | 20 | 7 | 7 | 6 | 28 | +1 |
| 12. | Vreden | 22 | 8 | 3 | 11 | 27 | -2 |
| 13. | Wattenscheid | 21 | 7 | 4 | 10 | 25 | +1 |
| 14. | Erkenschwick | 19 | 5 | 8 | 6 | 23 | +2 |
| 15. | Ennepetal | 21 | 6 | 5 | 10 | 23 | -2 |
| 16. | Finnentrop | 22 | 7 | 2 | 13 | 23 | +1 |
| 17. | Clarholz | 23 | 5 | 6 | 12 | 21 | -2 |
| 18. | Wiemelhausen | 22 | 3 | 3 | 16 | 12 | 0 |
Bei Punktgleichheit zählt hier das Torverhältnis
Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass der TuS Bövinghausen, ohnehin abgeschlagenes Schlusslicht, sein Team in wenigen Wochen vom Spielbetrieb abmelden und die Saison nicht beenden wird. Folglich würden dann auch alle bisherigen Spiele der Dortmunder aus der Wertung genommen, dem TuS Ennepetal entgehen so beispielsweise sechs Punkte und insgesamt 13:1 Tore aus den beiden Duellen. Dadurch würden die Ennepetaler wieder tiefer in den Tabellenkeller rutschen, denn die bisherige Punkteausbeute von 29 Punkten würde auf 23 schrumpfen, während gleich zwei Konkurrenten im unteren Bereich der Oberliga hingegen vom Bövinghauser Rückzug profitieren würden.
Nur drei Teams haben gegen Bövinghausen nicht gewonnen
Die sieben gesammelten Punkte holte der insolvente Skandalklub nämlich bei den Siegen über die SpVgg Erkenschwick, bei der SG Finnentrop/Bamenohl und durch ein Remis gegen den 1. FC Gievenbeck. Sechs Punkte weniger auf dem Konto hätten bei einer Annullierung der Bövinghauser Ergebnisse neben dem TuS Ennepetal auch der ASC 09 Dortmund, Eintracht Rheine, die Sportfreunde Siegen, die SpVgg. Vreden und Concordia Wiemelhausen. Schermbeck, Verl II, Rhynern, Bochum II, Lippstadt, Ahlen, Wattenscheid und Clarholz werden in dem entsprechenden Fall drei erspielte Punkte abgezogen.
Die Zukunft für den TuS Bövinghausen ist derweil noch unklar, auch wenn Ajan Dzaferoski ankündigt, dass der Klub in der Saison 2026/2027 einen sportlichen Neuanfang geben könnte. „Selbstverständlich in den Niederungen der Kreisliga“, so der Vereinsboss, der dann aber nicht mehr dazugehören wird. „Ich werde von Bord gehen. Ich habe auf gut Deutsch gesagt die Schnauze voll“, so Dzaferoskis eindeutige Ankündigung.
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