Laufstrecken

Laufen mit Frank Busemann: Hausrunde mit einem ewigen Helden

Frank Busemanns (links) Hausrunde führt auch entlang der Felder in Löttringhausen.

Frank Busemanns (links) Hausrunde führt auch entlang der Felder in Löttringhausen.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Wenn Frank Busemann laufen geht, dann gern im Wald vor der Tür. Der ehemalige Zehnkämpfer hat uns seine Hausrunde im Dortmunder Süden gezeigt.

Sein Name war vor 23 Jahren in aller Munde, als er als 21-Jähriger bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Silbermedaille erkämpft und die Leichtathletik-Welt erobert. Das ist schon eine ganze Weile her, aber für viele Menschen in der Region ist der Name Frank Busemann noch immer präsent.

Wir sind gespannt auf unsere heutige Hausrunde mit dem Zehnkämpfer. Auf die Laufstrecke und natürlich auch auf den Menschen Frank Busemann. Start- und Treffpunkt ist der Parkplatz des Dortmunder Augustinums. Fröhlich und locker trabend kommt Frank zum Treffpunkt. Der „König vom Kohlenpott“ wie die Bild ihn damals nannte, wohnt um die Ecke und hat sich direkt schon mal ein paar Meter warmgelaufen – klarer Heimvorteil.

Vor uns liegen gute elf Kilometer durch den Dortmunder Süden mit einem waschechten Ruhrie. Geboren und aufgewachsen in Recklinghausen, für Dortmund, Schalke und Leverkusen an den Start gegangen, lebt er seit elf Jahren mit seiner Familie in Dortmund.

Ambitionen hat Frank Busemann noch immer - er will Bestleistungen abliefern

Wir sind gespannt, was uns erwartet - vor allem in welchem Tempo. Von 4:30 auf den Kilometer bis 5:50 ist bei Frank Busemann heute noch alles drin. Auch wenn seine Sportkarriere bereits ein paar Jahre zurück liegt, Ambitionen hat er immer noch: „Wenn ich an den Start gehe, dann will ich auch Bestleistungen abliefern. Eine Sekunde drüber, geht schon nicht.“ Das ist mal ‘ne Ansage.

Vom Treffpunkt geht es direkt auf die Hausstrecke durch die Bittermark. Die läuft er regelmäßig. Immer die gleiche Runde, variierbar was die Länge der Einheit angeht, aber nie andersrum. „Sonst würde mich verlaufen“, lacht er. Wir starten in den Wald, direkt gegenüber des Augustinums in die Bittermark. Die ersten zwei Kilometer geht es knackig bergauf, auf schönen Waldwegen, schattig unter Bäumen. Wir lassen es langsam angehen und rollen uns entspannt ein.

Einen Tag zuvor war Frank Busemann hier noch mit einem Kumpel unterwegs. Bei strömendem Regen. Die Gullideckel kamen schon hoch, die Straßen teils überflutet, die Schuhe klatschnass „Zum Glück hab' ich die noch trocken bekommen.“ Er hat nämlich nur ein Paar. Das Hausrunden-Duo, Andrea von Horn und Marc Wolko, schaut irritiert. Ehrlich? „Doch, ich hab so komische Füße. Vatter sacht immer Indianerfüße: einer zum Paddeln, der andere zum Feuer austreten“, und lacht während wir weiter gemütlich durch den Wald joggen.

In Laufschuhen lebt Frank Busemann auf großem Fuß - da trägt er 47,5. „Ein Wahnsinn, was mein Vater da geschaffen hat.“ Mit den Füßen sei er eigentlich nicht konkurrenzfähig gewesen. Trotzdem hat er es bis an die Weltspitze geschafft.

Er läuft lieber im Wald als auf der Straße

Das erste Stück führt uns parallel zum Bittermarksbach immer den Theodor-Freywald-Weg entlang bis zur Talbrücke Rombergholz der A45. Nach knapp zwei Kilometern stehen wir jetzt mitten im Wald unterhalb der A45 – wie typisch für das Ruhrgebiet. Frank deutet nach links, hier geht es steil bergauf. „Hier lasse ich die Beine so richtig brennen. Da geht es supersteil bergauf und hinter der Kuppe nochmal weiter. Echtes Kraft- und Mentaltraining!“ Zwar wollen wir uns hier nach rechts orientieren, einen kurzen Abstecher auf den Trainingsberg lassen wir uns aber nicht nehmen und kommen prompt ins Schnaufen und ins Schwitzen. Das Ding ist ein Wort!

Für uns geht es nun aber parallel der Sauerlandlinie auf der Spissenagelstraße bis zur Hagener Straße. Wir überqueren diese und verschwinden wieder ins Grün, um in Richtung Löttringhausen weiterzulaufen. Für die nächsten vier Kilometer geht es nun locker bergab.

Was für Frank Busemann bei seinen Trainingsrunden wichtig ist: Dass man nicht an jeder roten Ampel stehen bleiben muss. Deshalb läuft er lieber im Wald oder in den Feldern, abseits des Verkehrs der Großstadt. Dennoch ist er dem Asphalt nicht abgeneigt - „das kommt von meiner Marathonzeit. Da kann man nicht umknicken.“ Für uns geht es weiter über die alte Bahntrasse, den Rheinischen Esel in Richtung Hülsenberg und Großholthauser Straße.

Bevor es die Straße hinab ins Tal geht, genießen wir nochmal den Fernblick. Von hier lässt sich bei guter Sicht auch das Westfalenstadion sehen – und schnell korrigiert er sich: den Signal-Iduna-Park natürlich - das erwähnt er, auch wenn er nicht unbedingt BVB-Fan ist.

Unser Lauf-Tempo ist moderat, die Strecke lässt sich entspannt laufen, wir wollen schließlich ein wenig plaudern. Und Frank Busemann hat viel zu erzählen. Auch wenn das früher, in der Schule, gar nicht so sein Ding gewesen ist. „Da war ich ein stiller verschlossener Schüler, der Angst vor Fehlern hatte. Gab dann immer 'ne Drei und ich musste es alles schriftlich machen.“

Das änderte sich erst, als die Reporter ihm nach seinen Wettkämpfen das Mikro vors Gesicht hielten. „Ich konnte quasseln und Druck ablassen, die Journalisten hatten was zum Schreiben.“ Das hat ihm dann auch später nach seinem Karriereende geholfen.

An den Tag, an dem er seine Profikarriere im Kopf beendet hat, erinnert er sich noch genau: Es war der 31. Mai 2003 und Frank Busemann fuhr zum Training. Hinter ihm lag ein Dreivierteljahr voller Unzufriedenheit, Verletzungen und dem "wie geht’s weiter?". Dann stellte er sich selbst die alles entscheidende Frage: „Wie fühlt es sich an, wenn ich hier und heute aufhöre? Auf einmal war ich frei, das einschneidende Gefühl der letzten Monate war einfach weg.“

Das war mitten auf der A1 in Richtung Leverkusen. Noch vom Auto aus ruft er seine Frau zuhause an und sagt „Ich mach' jetzt Schluss.“ Sie antwortet: „Womit?“ Er: „Mit dem Sport.“ Sie: „Kannste machen, aber nicht im Auto, komm erstmal nach Hause.“ Ohne den Druck funktionierte es dann plötzlich wieder: Da knackte er beim Hochsprung doch die Marke, an der er zuvor oft gescheitert war: 1,90 Meter. Und dann auch noch mit dem falschen Bein. „Ups, vielleicht mach' ich doch weiter...“

Drei Tage später in Dortmund hat er es dann nochmal versucht. „Dann waren es aber nicht mehr 1,90 sondern nur noch 1,50. Dann fängste nicht wieder an, nachzudenken“, erzählt Frank Busemann, während wir die Großholthauser Straße entlang laufen.

Womit Sportprofi Frank Busemann heute sein Geld verdient

Fernab vom Verkehr der Großstadt, zwischen den Feldern. Über die Löttringhauser Straße geht es dann für uns bei Kilometer 7,5 wieder in die Stadt hinein. Jetzt noch zweimal rechts ab (über Am Hombruchsfeld und Gotthelfstraße) und schon geht’s quasi nur noch geradeaus zu unserem Start- und Zielpunkt.

Heute verdient Frank Busemann vor allem mit Vorträgen oder Moderationen sein Geld. Das war sein Rettungsanker, nachdem er seinen Ausstieg verkündet hatte. Noch so eine Geschichte, die der sympathische Busemann locker und schnodderig erzählt, während wir wieder in Richtung Ausgangspunkt laufen. „Wie höre ich auf? Das interessiert doch sicher keine Sau, ob ich Sport mache oder nicht“, lässt er den Sommer 2003 noch einmal Revue passieren.

Er ruft einen Freund an, der beim Sport-Nachrichtendienst SID arbeitet. „Ich hab hier ‘ne Meldung für dich. Wenn ‘se wichtig ist, verbreite sie, wenn nicht, hab ich gar nicht angerufen. Ich hör' auf!“ Das Gegenüber kann es nicht glauben: „Wat? Das ist die Meldung des Tages.“ Und dem ist so. Alle berichten. Tagesschau, Heute-Journal. „Wahnsinn, abgefahren“, erinnert sich Busemann.

„Ich bin stolz drauf, dass ich zeigen durfte, was ich kann“

Einen Tag später riefen dann die Bobfahrer an: „Ey, willste anschieben? Am nächsten Tag das ARD-Morgenmagazin: Kommste mit als Experte nach Paris zur WM?“ Ein paar Wochen später eine Unternehmensberatung, die ihn für einen Motivations-Workshop buchen wollte. Bis aufs Bob anschieben ist aus all diesen Angeboten was geworden.

Und bald ist er wieder im Fernsehen zu sehen: Ab dem 28. September als Co-Moderator bei der Leichtathletik-WM in Doha. Da berichtet er über die hoffentlich erfolgreichen deutschen Leichtathleten. Und verkündet womöglich auch einen Sieg, den er selbst so nie erleben durfte: „Gewinnen, das wollte ich ganze gerne mal und mal erleben, wie dieses Gefühl ist. Hat nicht geklappt“, sagt er heute. „Aber ich bin total stolz drauf, dass ich mal zeigen durfte, was ich kann.“

Obwohl: Einen Titel hat er sich dann doch noch geholt, knapp 13 Jahre nach seiner aktiven Zeit als Zehnkämpfer. 2016 wurde er als „Ewiger Held“ gekürt und in dem Sportlercamp zog er auch noch seinen Kumpel Danny Ecker ab - obwohl der schon vier Wochen vorher zugesagt und einen Trainingsvorsprung hatte.

Entspannt erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt am Augustinum. Kaum zu glauben, wir haben tatsächlich etwas mehr als elf Kilometer auf den Uhren stehen. Die Zeit ist mit viel Geplauder auf einer abwechslungsreichen und gut zu laufenden Strecke wie im Fluge vergangen.

Wenn Sie die Runde nachlaufen möchten, helfen Ihnen diese Informationen:

So kommt man hin: Start- und Zielpunkt der Route ist der Parkplatz am Seniorenstift Augustinum, Olpketalstraße / Kirchhörder Straße 101 in Dortmund-Kirchhörde (Kartenausschnitt bei Google-Maps).

Die Streckenlänge: Die Route misst laut GPS-Tracker rund 11,2 Kilometer (variiert je nach Gerät). Je nach Trainingspensum und Lust oder Laune kann der Rundkurs durch Schlenker verlängert werden.

Das Höhenprofil: Die Strecke geht zunächst knackig bergauf, dann über einige Kilometer entspannt bergab und endet in einem leicht welligen und gut zu laufenden Profil.

Der Boden: Der Untergrund ist sehr abwechslungsreich. Die Route geht zum Teil durch den Wald auf leicht befestigten Waldwegen und immer wieder auch über Asphalt.

Das passende Schuhwerk: Perfekt ist ein Straßenschuh, wer schnell laufen möchte, der kann hier durchaus auch mal seine Wettkampfschuhe schnüren.

Für wen eignet sich die Strecke: Die Strecke ist grundsätzlich für alle Leistungsklassen geeignet. Durch die Länge der Strecke und das am Anfang recht anspruchsvolle Profil, sollten es Laufanfänger entspannt angehen lassen, empfiehlt Lauftrainerin Andrea von Horn. Spannend ist die Strecke für ambitionierte Läufer, da sie sich durchaus für einen fordernden Tempolauf eignet und man durch den ein oder anderen Abstecher auch noch ein intensives Bergtraining einbauen kann. Bergauf, am Anfang, locker einrollen und dann den Schwung mitnehmen und Gas geben. Ab Kilometer zwei sind die Wege auch eben oder/und asphaltiert, so dass man in einen sicheren Tritt findet.

Die GPS-Daten der Strecke
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