Laufen

Hausrunde trifft Halde: Auf den Gipfel der Halde Haniel

Das Dach der Halde Haniel erinnert an eine Mondlandschaft. Andrea von Horn und Marc Wolko haben den Gipfel erreicht.

Das Dach der Halde Haniel erinnert an eine Mondlandschaft. Andrea von Horn und Marc Wolko haben den Gipfel erreicht.

Foto: Olaf Fuhrmann

Bottrop.  Höhenmeter sammeln Läufer im Ruhrgebiet am besten auf den Halden in der Region. Oben angekommen gibt es als Belohnung jede Menge Aussicht.

Unsere Halden sind die Berge des Ruhrgebiets. In der sonst meist eher flachen Landschaft erheben sie sich eindrucksvoll. Sie sind echte Zeitzeugen und entstanden aus den Abfallprodukten des Bergbaus: Abraum, Schlacke und Schutt. Liebevoll renaturiert, begrünt und oft mit Landmarken oder Kunstwerken versehen, laden sie unbedingt zu einem Besuch ein. Die Gänsehaut beim Ausblick über den Pott gibt es gratis dazu.

Heute besuchen wir die Halde Haniel, die Hausrunde vieler Oberhausener und Bottroper und ein klein wenig auch die Hausrunde der Vollmondläufer von Andrea von Horn. Der von ihr initiierte Vollmondlauftreff war bereits zwei Mal hier zu Gast.

„Unterschiedlicher hätten die Läufe nicht sein können“, berichtet die Lauf- und Personaltrainerin. „Beim ersten Mal war es eisekalt. Bei minus fünf Grad und einem schneidenden Wind sind wir im Stockdunkeln auf die Halde. Dafür wurden wir mit einem blutroten Vollmond belohnt. Beim zweiten Mal im April war es bereits hell, über 20 Grad und wir haben bestgelaunt Ostereier gesucht. Der Mond war dann auf dem Heimweg riesig groß und klar zu sehen.“

Heute treffen wir uns zum Start der Runde auf dem Parkplatz der Zeche Prosper-Haniel an der Fernewaldstraße/Birkhahnweg. Prosper Haniel wurde als letzte aktive Zeche in Deutschland Ende 2018 geschlossen. Der Förderturm prägt auch jetzt noch die Einfahrt der Zeche.

Direkt hinter dem Zechengelände erhebt sich bereits die Halde, schön begrünt am Hang, eher kahl der Gipfel, rund 126 Meter hoch.

Mit Blick auf den Pütt starten wir und laufen links ein kleines Stückchen um die Zeche herum. Ein kleiner Fußweg führt hier entlang, Straßennamen sucht man vergeblich. Heute empfängt uns rhythmischer „Lärm“. Ein Schlagzeugspieler hat sein komplettes Instrument mitten auf einer Wiese neben der Zeche aufgebaut und übt laut und selbstvergessen. Ohne es zu merken laufen wir plötzlich im Rhythmus und haben großen Spaß, als es uns auffällt. Der Fußweg führt uns bereits durchs Grüne, über eine kleine Brücke. Nach der Schranke an deren Ende biegen wir rechts ab in Richtung Halde.

Nun befinden wir uns auf dem Kreuzweg, der 1995 bischöflich eingeweiht wurde. Auf Kupfertafeln kann man Szenen des christlichen Kreuzwegs bewundern, ergänzt werden diese durch Motive und Gegenstände aus dem Bergbau, die am Wegesrand aufgestellt sind.

Da es nun stetig und zum Teil durchaus steil bergan geht, ist der ein oder andere Läufer gar nicht so böse über eine kurze Verschnaufpause, um die Objekte zu bewundern. „Nicht verzagen, bis zum Gipfel sind es nur rund drei Kilometer,“ tröstet Andrea von Horn. „Danach gibt es erstmal ganz viel Aussicht und der Rest der Strecke geht bergab.“

Die Halde Haniel ist Treffpunkt für viele Sportler

Am Ende des Kreuzwegs, kurz unterhalb des Gipfels, steht auf einem Plateau, das man über eine gewundene Strecke durch einen schattigen Wald erreicht, ein aus Spurplatten gestaltetes, eindrucksvolles Kreuz. Schon hier hat man einen tollen Blick über das Ruhrgebiet und auf den Gipfel, den man von hier auch auf direktem – aber nur sehr steilen – Weg erreichen kann.

„Neben den Wegen, die wir gerade laufen, kann man die Halde auch in einer Trailversion erklimmen,“ berichtet Andrea. „Hier gibt es viele kleine, zum Teil sehr steile Wege, die nach einem Regenguss prima matschig sind. Das macht richtig Spaß. Man sollte jedoch aufpassen und aufmerksam laufen. Diese Wege teilen wir Läufer uns mit den Mountainbikern, die hier zum Teil sehr rasant bergab unterwegs sind. Aber mit gegenseitiger Rücksicht funktioniert das ganz prima.“

Toller Ausblick über das Ruhrgebiet inklusive

Das große Kreuz lassen wir nun rechts liegen und laufen unterhalb des Gipfels ein Stück um die Halde herum. Die Wege sind zwar steinig, unbefestigt und auch mal ein wenig uneben, aber trotzdem gut zu laufen. Hier unterhalb des Gipfels ist jedoch etwas Aufmerksamkeit geboten, die Wege sind ausgewaschen und auch das ein oder andere tiefere Schlagloch ist zu finden und macht den Weg spannend.

Halb um die Halde herum, mit einem wunderschönen Ausblick auf die Zeche Prosper-Haniel und das Ruhrgebiet rechts von uns, biegen wir nun nach links zum letzten Aufstieg ab. Die Landschaft hat sich nun komplett geändert und wir befinden uns auf einem Bergkamm innerhalb einer Mondlandschaft. Oben, auf dem Halbrund des Gipfels, ist schon das Highlight zu erahnen. Der baskische Künstler Augustín Ibarrola hat über 100 Eisenbahnschwellen gestaltet und zu einer eindruckvollen Installation, den „Totems“, arrangiert.

Rechts unter uns sehen wir das Amphitheater, das über 800 Besuchern Platz bietet und in dem bereits einige vielbeachtete Theaterstücke aufgeführt wurden. Von unserem Standpunkt auf halber Höhe kann man auch einen sehr steilen Weg wählen, der von Läufern immer gerne genommen wird, unter anderem, um neue Bestzeiten auf diesem Segment aufzustellen. „Ein Muss für jeden, der seine Oberschenkelmuskeln einmal zum Brennen bringen möchte,“ bemerkt Andrea trocken.

Wir wählen den „bequemeren“ Weg, der uns aber auch schon gut ins Schwitzen bringt und erreichen nach knapp 300 Metern die Spitze der Halde. Nicht nur zum Verschnaufen ist hier oben eine ausgiebigere Pause ein Muss.

Uns zu Füßen liegt das komplette Ruhrgebiet. Der Blick geht über die Zeche Prosper-Haniel zur Halde an der Beckstraße mit dem Tetraeder. Wir können die Schalke-Arena erkennen und der Blick reicht bis Duisburg. Eindrucksvoll liegen unter uns Fabriken, Windräder, rauchende Schornsteine, Häuser, aber auch jede Menge Felder und Wälder. Schönes, grünes Ruhrgebiet.

Eine der schönsten Halden im Ruhrgebiet

Da hier oben immer ein kühler Wind weht, empfiehlt es sich eine Jacke mitzunehmen. Dennoch wird uns langsam frisch und wir freuen uns auf einen entspannten Lauf bergab, nun auf der Rückseite der Halde. Mit den Totems im Rücken starten wir, noch immer in der Mondlandschaft, aber mit einem wunderschönen Blick nach links über die Kirchheller Heide.

Auf den nächsten Kilometern ist Vorsicht geboten. Der Weg geht gut bergab und ist sehr steinig und ausgewaschen. Auch wenn es verlockend ist, hier ordentlich Gas zu geben, sollten ungeübtere Läufer eher bremsen und aufmerksam auf den Weg achten.

Über zwei Kilometer geht es nun bergab, bis wir über eine kleine Brücke wieder auf die Fernewaldstraße gelangen, die hier jedoch eher ein Feldweg ist. „Im Herbst findet hier jedes Jahr der Bottroper Herbstwaldlauf statt,“ erzählt Andrea nun. „Start war immer auf der Zeche, die Umkleide der Herren war in einer Kaue.“ Wie lange der Lauf noch unter dem Förderturm gestartet wird, ist noch nicht klar. Vielleicht ist 2019 die letzte Gelegenheit.

Wir laufen die letzten Kilometer auf der Strecke des Herbstwaldlaufs, nehmen also quasi den Zieleinlauf mit. Wer mag, kann hier sogar bis zu 50 Kilometer laufen und für Medaillensammler ist die Medaille mit dem Förderturm ein wirkliches Highlight.

Recht entspannt, fast eben, geht es dem Ziel Prosper-Haniel entgegen. Immer noch im Grünen. Wir sind uns einig, dass die Halde Haniel eine der schönsten Halden im Ruhrgebiet ist. Sie bietet für Wanderer, Walker, Läufer, Trailläufer und Mountainbiker ein ideales Trainingsrevier. Hier sind Genussläufer ebenso gut aufgehoben wie ambitionierte Sportler, die Höhenmeter sammeln und Kraft trainieren möchten.

Wenn Sie die Runde nachlaufen möchten, helfen Ihnen diese Informationen:

  • So kommt man hin: Start- und Zielpunkt der Strecke ist der Parkplatz der Zeche Prosper-Haniel, Fernewaldstraße/Birkhahnweg in 46242 Bottrop (Kartenausschnitt bei Google-Maps).
  • Die Streckenlänge: Die Route misst laut GPS-Tracker rund 6,5 Kilometer (variiert je nach Gerät).
  • Das Höhenprofil: Die Strecke ist gut profiliert und geht auf den ersten 2,5 Kilometern auf eine Höhe von 126 Metern bergan. Auf den restlichen 4 Kilometern dann entspannt bergab.
  • Der Boden: Die Wege sind unbefestigt und zum Teil steinig und ausgewaschen. Dennoch sind sie mit ein bisschen Aufmerksamkeit sehr gut zu laufen.
  • Das passende Schuhwerk: Auf der von uns vorgestellten Laufstrecke reichen normale Laufschuhe vollkommen aus. Wählt man nach einem Regenschauer die trailigeren Wege, dann ist man für einen Schuh mit gutem Profil oder einen Trailschuh sicher dankbar.
  • Für wen eignet sich die Strecke: Diese Strecke ist grundsätzlich für jeden Läufer geeignet. Je nach Streckenwahl kann der Schwierigkeitsgrad variiert werden, ungeübte Läufer können die kürzeren steilen Passagen auch locker walken.
Die GPS-Daten der Strecke
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