„Ich vermisse bayrisches Schwarzbrot“

.   Selbst im Alter von 60 Jahren ist Bernhard Langer weiterhin außergewöhnlich erfolgreich. Vom 5. bis 8. April nimmt er am US Masters in Augusta teil, das er 1985 und 1993 gewinnen konnte. Im Interview spricht der Golfprofi über die Rückschläge des Düsseldorfers Martin Kaymer, warum er nach der Karriere in den USA bleiben wird und einen unerfüllten Wunsch.

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Selbst im Alter von 60 Jahren ist Bernhard Langer weiterhin außergewöhnlich erfolgreich. Vom 5. bis 8. April nimmt er am US Masters in Augusta teil, das er 1985 und 1993 gewinnen konnte. Im Interview spricht der Golfprofi über die Rückschläge des Düsseldorfers Martin Kaymer, warum er nach der Karriere in den USA bleiben wird und einen unerfüllten Wunsch.

Herr Langer, Sie sind noch immer der Vorzeigegolfer in Deutschland. Betrachten Sie das eher als Fluch oder Segen für sich?

Bernhard Langer: Wenn mich jemand mit einer Entschuldigung anspricht und um ein Foto oder um ein Autogramm bittet, sage ich immer, dass man dafür nicht um Verzeihung bitten muss. Ein solcher Wunsch ist doch nur ein Zeichen der Wertschätzung. Anders wäre mir das nicht so recht, also unerkannt zu bleiben, weil ich eben kein guter Golfer bin. Ganz klar, es ist eher ein Segen für mich.

Es gibt keinen Golfer über 50 auf der Welt, der mit Ihnen mithalten kann. Martin Kaymer andererseits, der schon als Ihr Kronprinz galt, erlebt gerade wohl die schwerste Zeit seiner Karriere.

Martin Kaymer hat mehrmals herausragende Leistungen gezeigt. Selbst wenn er nie mehr ein Turnier gewinnen sollte, was ich nicht glaube, dann hat er trotzdem eine großartige Karriere gehabt. Ich lebe in den USA, Golf hat hier einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Golf ist in Deutschland kein Massensport, und darin liegt eine der Ursachen. In den USA gibt es ein gut entwickeltes System, durch das in der Highschool oder im College Golf intensiv gefördert wird. Es gibt Tausende von jungen Männern und Frauen, die jedes Jahr dieses System durchlaufen.

Haben Sie Martin Kaymer einen Rat geben können?

Er muss selber feststellen, woran es hapert. Wir haben in den zurückliegende Wochen wenig miteinander telefoniert, nur gelegentlich haben wir ein paar SMS ausgetauscht. Er hat mir von sich aus nicht erzählt, wo seine Probleme liegen. Ich werde ihn das auch nicht fragen, wenn er es mir nicht von sich aus erzählt. Im Golf gibt es so viele Ursachen, die zu schwankenden Leistungen führen können.

Sie spielen seit mehr als 40 Jahren professionell Golf, was hat sich für Sie in dieser Zeit geändert?

Es hat sich unglaublich viel im Profi-Golf geändert, es ist alles viel professioneller geworden. Das beginnt schon mit den Übungsmöglichkeiten, die wir Spieler heute bei jedem Turnier vorfinden. Als ich meine Karriere in den 70er-Jahren begann, hatte ich immer einen Sack voller Übungsbälle dabei. Anfangs habe ich Stunden im Bus oder Auto gesessen, um zu den Turnieren zu gelangen. Das ist heute undenkbar. Damals waren die Grüns auf dem einen Platz schnell, auf dem anderen langsam. Die Verhältnisse änderten sich von Woche zu Woche. Heute schickt die Tour auch in Europa Greenkeeper zu den Turnierplätzen, und die erklären vor Ort, wie die Plätze zum Turnier auszusehen haben.

Ihre Frau und Ihre Kinder werden sich daran gewöhnt haben, dass Sie einen Teil Ihres Lebens auf Golfplätzen verbringen. Standen sich Karriere und Ihr Privatleben nicht oft fast unversöhnlich gegenüber?

Es war tatsächlich nicht immer leicht. Meine Frau wusste natürlich, dass sie einen Golfprofi geheiratet hat, aber sie wusste nicht, was das in der Konsequenz bedeutet. Es war immer schwierig, meinen Terminplan festzulegen. Ich musste Kompromisse finden, weil ich natürlich auch meinen Kindern und meiner Frau gerecht werden wollte. Wenn man wie ich 30 Wochen im Jahr unterwegs ist, dann muss man aufpassen, dass niemand zu kurz kommt.

Dann dürfte Ihre Karriere heute, im Alter von 60, ja sehr viel einfacher geworden sein. Von Ihren vier Kindern ist nur noch das jüngste zu Hause. Ist Ihr Leben jetzt unkomplizierter?

Wir haben die zurückliegenden 32 Jahre mit unseren Kindern zusammen gelebt, wir erleben schon jetzt einen großen Unterschied zu früheren Jahren, als die Kinder klein waren. Im kommenden Jahr kann ich dann sagen, ob das Leben für uns ohne unsere Kinder tatsächlich einfacher geworden ist. Aber auch, wenn die anderen nicht direkt bei uns leben, gilt eben auch für uns: kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen. Irgendwas ist immer bei uns los.

Bereiten Sie sich mental auf den Tag vor, an dem Sie Ihrer Frau sagen, dass Sie keine Turniere mehr spielen werden?

Mit 60 liegt dieser Tag natürlich näher als mit 30 oder 40 Jahren. Wann dieser Tag da sein wird, kann ich noch nicht vorhersagen. Solange ich gesund bin, mir Golf Spaß macht und ich Erfolg habe, werde ich weiter spielen. Aber es kann schnell vorbei sein, zum Beispiel nach einer Verletzung oder wenn ich den Spaß verliere.

Haben Sie eine Idee, was Sie dann tun könnten?

Ich kann mir vorstellen, dass ich mich dann für christliche karitative Organisationen einsetze. Auch wenn es viele Menschen anders sehen, ich glaube daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Es macht einen Riesen-Unterschied, ob man die Ewigkeit im Himmel verbringt oder in der Hölle.

Ist es denkbar, dass Sie nach Deutschland zurückkehren?

Das ist eher unwahrscheinlich, weil meine Kinder und meine Frau in den USA leben. Ich möchte in ihrer Nähe sein und vielleicht eines Tages auch meine Enkelkinder aufwachsen sehen. Mein Lebenszentrum ist inzwischen seit 20 Jahren in den USA.

Gibt es noch so etwas wie Heimweh bei Ihnen, eine Sehnsucht nach Ihrer alten Heimat?

Heimweh ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber manchmal vermisse ich ein paar Dinge wie bayerisches Schwarzbrot, ein paar Freunde und meine Familie und Freunde in Deutschland. Selbst eine Runde Schafkopf fehlt mir. Zur Heimat gehört für mich auch die Natur bei uns in der Umgebung von Anhausen, die ich sehr schön finde.

Gibt es etwas, das Sie sich in Ihrem späteren Leben ohne tägliches Golftraining erfüllen möchten?

Diese Frage stelle ich mir schon hin und wieder. Ich habe tatsächlich auf vieles verzichten müssen, das begann schon zu Zeiten, als ich noch recht jung war. Das Problem ist nur, dass ich heute manche Dinge gar nicht mehr nachholen kann, weil das mein Körper nicht mehr zulässt. Zu dem, was ich noch erleben möchte, gehört sicher zu reisen. Mir die Welt anzuschauen, die Natur. Ich war natürlich schon an sehr vielen Orten dieser Welt, aber ich habe eben oft nur den Flughafen und den Golfplatz gesehen.

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