Spielbericht

VfL gewinnt turbulente Partie durch spätes Hinterseer-Tor

Der Bochumer Doppeltorschütze Bastians jubelt.

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Der Bochumer Doppeltorschütze Bastians jubelt. Foto: firo

Bochum.  Was für ein Spiel. Was für ein Drama. Der VfL Bochum hat gegen Dynamo Dresden mit 3:2 durch einen späten Treffer gewonnen. Der Spielbericht.

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Auf der Titelseite des Stadionheftes hatte Trainer Ismail Atalan die Devise für das Spiel gegen Dynamo Dresden ausgegeben. „Dreckiger Sieg? Reicht!“ stand dort. Und so ein dreckiger Sieg wurde es: Durch einen Hammer von Lukas Hinterseer in der 89. Minute gewannen die Bochumer sehr glücklich mit 3:2 (2:1). Nun können die Bochumer beruhigt zum Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten Darmstadt 98 reisen.

VfL-Trainer Ismail Atalan veränderte sein Team im Vergleich zur 0:2-Niederlage bei Arminia Bielefeld dreimal: Für Maxim Leitsch, Görkem Saglam und Johannes Wurtz rückten Stefano Celozzi, Thomas Eisfeld und Selim Gündüz ins Team. Die Taktik blieb gleich: Atalan setzte erneut auf sein Lieblingssystem 4-3-3.

VfL begann flott

Der VfL begann flott, die erste Chance entsprang einer Standardsituation. Nach einer Ecke von Kevin Stöger kam Anthony Losilla an den Ball - doch sein Schuss flog ganz knapp am rechten Torpfosten vorbei. Die Gäste, nach der 0:4-Heimblamage gegen Sandhausen nicht mit dem größten Selbstbewusstsein angereist, kamen erst in der elften Minute zum ersten Mal gefährlich vors Bochumer Tor - und direkt gingen sie in Führung. Erich Berko setzte sich auf der rechten Seite ganz locker gegen zwei Bochumer Abwehrspieler durch, passte den Ball in die Mitte, dort stand Philip Heise frei und schob den Ball ins Tor. Das ging sehr einfach und schockte den kompletten VfL. Erst der Fehlstart, jetzt der Rückschlag - das passive Zweikampfverhalten sorgte bei Fans und Verantwortlichen gleichermaßen für Fassungslosigkeit. Sportvorstand Christian Hochstätter stand neben den Aufsichtsräten Martin Kree und Jupp Tenhagen auf dem VIP-Balkon unter dem Stadiondach und verzog keine Miene.

Vom Mut der Anfangsminuten war beim VfL nun wenig zu sehen - bis zur 16. Minute, als zwischen Unsicherheit und Selbstbewusstsein nur wenige Sekunden lagen. Nach einer abgewehrten Ecke von Kevin Stöger entschieden sich die Bochumer für einen Rückpass auf Torwart Manuel Riemann - und die VfL-Fans murrten schon. Riemann schlug den Ball dann weit nach vorn, Dresdens Innenverteidiger Florian Ballas verlängerte ihn unglücklich mit dem Kopf in den eigenen Strafraum, und dort stand VfL-Kapitän Felix Bastians, der den Ball wuchtig ins lange Eck des Dresdener Tores jagte: 1:1, alles wieder offen, Hochstätter verzog immer noch keine Miene.

Hochstätter lächelte

Dieser Treffer löste die Anspannung bei den Bochumern. Nun folgten die Chancen im Minutentakt. Nach einem Querpass des starken Kevin Stöger schoss Thomas Eisfeld vorbei (19.), eine Minute später scheiterte Lukas Hinterseer an Dresdens Torwart Marvin Schwäbe. In der 26. Minute drang Robbie Kruse nach einem Traumpass von Stöger in den Dresdener Strafraum ein und wurde von Jannik Müller gefoult. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus deutete auf den Elfmeterpunkt - eine klare Sache. Der selbstbewusste Felix Bastians trat an und versenkte den Ball sicher zum 2:1. Der Kapitän übernahm Verantwortung und drehte mit einem Doppelpack das Spiel. Und Hochstätter auf der Tribüne? Freute sich neben Kree und Tenhagen eher still. Bis zur Pause schaltete der VfL gegen einen schwachen Gegner einen Gang zurück. Lediglich bei Ecken kamen die Dresdener gefährlich vors VfL-Tor, was aber eher daran lag, dass die Bochumer den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum befördern konnten. 2:1 hieß es verdient zur Pause, das Bochumer Publikum applaudierte, Hochstätter lächelte.

Doch je länger dann die zweite Hälfte dauerte, desto ruhiger wurde die Ostkurve. Das Spiel lief nun anders. Die Bochumer überließen den Gästen den Ballbesitz. Von Vollgas-Pressing war der VfL nun weit entfernt. Doch bei aller Überlegenheit: Zunächst kam Dynamo in der zweiten Hälfte nur selten gefährlich vor das VfL-Tor. In der 47. Minute schoss Heise den Ball genau auf VfL-Torwart Riemann. Vier Minuten später sorgte der für den verletzten Danilo Soares eingewechselte Maxim Leitsch für Gefahr vor dem eigenen Tor. Er verlängerte eine Freistoßflanke von Heise mit dem Kopf fast ins eigene Tor. In der 61. Minute schoss Kapitän Marco Hartmann den Ball weit drüber. Nach diesen drei halben Chancen hatte Heise in der 72. Minute die beste: Seinen Freistoß-Schlenzer konnte Riemann nur mit größter Mühe parieren. Der Ausgleich lag längst in der Luft.

Denn Entlastung kam vom kraftlosen VfL gar nicht mehr. Zu gemächlich schaltete das Team um, zu oft schenkten die Mittelfeldspieler den Ball leichtfertig ab, zu schwach verteidigte Leitsch auf der linken Seite. Immer wieder mussten die starken Innenverteidiger Bastians und Tim Hoogland Löcher stopfen. In der 76. Minute waren auch Hoogland und Bastians machtlos. Nach einer von Vitaly Janelt mit dem Kopf abgewehrten Ecke trickste Aias Aosman Robbie Kruse an der Strafraumgrenze mit einer simplen Körpertäuschung aus und jagte den Ball mit rechts ins rechte Eck - das überfällige 2:2. Hochstätter verfolgte das Spiel mit verschränkten Armen. Trainer Atalan war inzwischen der energischste Bochumer.

Ein Traumtor

Für den VfL ging es nun nur noch darum, den einen Punkt zu verteidigen. Erst in der 89. Minute nahmen die Bochumer noch einmal allen Mut zusammen. Tim Hoogland setzte sich an der Strafraumgrenze durch, passte den Ball auf Hinterseer - und der Stürmer schoss ihn in den Winkel. Ein Traumtor! Atalan rannte auf den Platz, Hochstätter zog beruhigt an einer Zigarette, die Dresdner konnten es kaum fassen.

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